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Corona-Aktion spaltet deutsche Schauspielwelt
Aus Rendez-vous vom 23.04.2021.
abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
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Kritik an Coronapolitik #allesdichtmachen: Eine Corona-Aktion, viel Kopfschütteln

Rund 50 prominente deutsche Filmschaffende protestieren im Internet gegen den Lockdown. Ging die Netz-Kampagne nach hinten los?

«Alles dicht machen!», sagen die einen. «Seid ihr noch ganz dicht?!», fragen die anderen. Die Social-Media-Kampagne #allesdichtmachen spaltet die deutsche Kulturszene. In einer orchestrierten Aktion veröffentlichten rund 50 Kulturschaffende heute Nacht kurze Video-Statements.

Manche sind differenziert, haben Sprachwitz und Ironie. Andere wirken überspitzt, überdreht. Was sie gemeinsam haben, ist die Erzählweise: Alle Kommentatoren und Kommentatorinnen geben vor, für die neuen Einschränkungen zu sein, sie zu unterstützen. Alle treiben diese Unterstützung so weit, dass sie die Massnahmen dadurch in Frage stellen oder ins Lächerliche ziehen.

Video
Ironische Aktion gegen Corona-Massnahmen erntet viel Kritik
Aus Kultur Webvideos vom 23.04.2021.
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Statements strotzen vor Hohn

Heike Makatsch, bekannt aus Filmen wie «Love Actually» oder als Gast-Kommissarin im Tatort, etwa tut so, als wäre es in Zeiten der Pandemie ein patriotischer Akt, die Haustür nicht zu öffnen.

Noch weiter geht Ulrich Tukur, Film- und Theaterschauspieler. Er fordert die «erhabene» Regierung dazu auf, konsequenterweise doch gleich alles zu schliessen - auch Lebensmittelläden und Supermärkte.

Denn: «Sind wir erst am Leibe und nicht nur an der Seele verhungert und allesamt mausetot, entziehen wir auch dem Virus, samt seiner hinterhältigen Mutanten-Bagage die Lebensgrundlage.»

Aktion stösst auf Gegenwehr

Bei mehr als 80'000 Corona-Toten allein in Deutschland finden das jedoch viele überhaupt nicht lustig. Die Reaktionen folgten umgehend: in der deutschen Presse, aber vor allem auch von Kolleginnen und Kollegen aus Kunst und Kultur.

So kommentiert etwa die Schauspielerin Nora Tschirner lakonisch: «Echt ja, Leute, was los da? Wird's schon boring im Loft und im Brandenburger Landhaus?» Oder, mit etwas weniger Slang, der Pianist Igor Levit: «Die stumpfeste Waffe gegen die Pandemie, gegen eine noch immer viel zu hohe Anzahl von Menschen, die sterben, gegen schlechte Politik, ausbleibende Hilfen, etc: Schlechter, bornierter
Schrumpfsarkasmus, der letztendlich bloss fader Zynismus ist, der niemandem
hilft. Nur spaltet.»

Wie sehr diese Aktion spaltet, wie heftig die Gegenwehr ausfällt, haben manche wohl unterschätzt. So hat etwa Heike Makatsch ihren Kommentar bereits zurückgezogen: Sie habe das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen nicht schmälern, sondern Raum schaffen wollen, für kritischen Diskurs, schreibt sie selbstkritisch auf Instagram, mit dem Hashtag: #womöglichgescheitert.

Sendung: Radio SRF 4 News, Rendez-vous, 23.04.2021, 12:30 Uhr;

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106 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Morgenroth  (ThM)
    Ganz unabhängig davon, wie man zu der Aktion, in Stil und Inhalten, stehen mag: In jedem Fall zeigt sie eine grosse persönliche Betroffenheit, oft geradezu Verzweiflung der Autorinnen. Dies sollte zunächst einmal nachdenklich stimmen ...
  • Kommentar von Christian Weber  (CWeb)
    Vor nicht allzulanger Zeit wusste ich noch, wo links und wo rechts ist. Faschismus war glaub' ich rechts.
  • Kommentar von Thomas Morgenroth  (ThM)
    Ganz unabhängig davon, wie man zu der Aktion, ihrem Inhalt und Stil, im einzelnen stehen mag: Sie zeigt ein hohes Mass an persönlicher Betroffenheit, ja Verzweiflung. Und das sollte auf jeden Fall erst einmal nachdenklich machen ...