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Wahlkampf in Frankreich Künstler fordern: Schluss mit dem Präsidenten-Bashing

Nur noch vier Prozent der Franzosen sind mit François Hollande zufrieden. Selbst treueste Parteigenossen gehen öffentlich auf Distanz zum Staatschef. Dessen Chancen auf eine zweite Amtszeit tendieren gegen null. 65 Künstler und Intellektuelle wollen nun mit einer Petition ihren Favoriten retten.

François Hollande inmitten einer Menschenmenge.
Legende: François Hollande, ungeliebt von vielen Franzosen, bekommt wenigstens von Künstlerinnen und Künstlern Unterstützung. Getty Images

Schwergewichte der französischen Kulturszene haben den Aufruf unterzeichnet zur Ehrenrettung des Staatschefs: Modemacherin Agnes B., die Kinostars Catherine Deneuve und Juliette Binoche oder auch der französische Chansonsänger und Musiker Benjamin Biolay.

Fünf schwierige Jahre gemeistert

François Hollande, kritisieren sie, werde seit seinem Amtsantritt von politischen Gegnern und «Raubtier-Medien» systematisch und skrupellos niedergemacht. Ein unwürdiges Dauer-Spektakel, dass das höchste Amt im Staate beschädige und damit die französische Demokratie gefährde.

Vor allem aber finden die Unterzeichner der Petition das Hollande-Bashing zutiefst ungerecht. «François Hollande hat immerhin fast fünf schwierige Jahre lang den Laden am Laufen gehalten. Trotzdem wird so getan, als habe er nichts auf die Reihe bekommen», beklagten Theater- und Filmschauspieler Patrick Chesnais und Denis Podalydès in einem Fernsehinterview.

Kulturbudget nicht angetastet

Doch die Künstler fordern nicht nur mehr Respekt für Hollande und die höchste politische Funktion im Staate. Sie loben den amtierenden Staatschef ausdrücklich.

Wie Wahlkampfwerbung liest sich der lange Absatz des Aufrufs, in dem sie seine politischen Aktionen auflisten: progressive Gesellschafts- und Sozialpolitik und umsichtige Wirtschaftspolitik, rühmen sie. Und dass der Sozialist im Élysée-Palast trotz leerer Staatskassen das Kulturbudget nicht zusammengestrichen habe.

Politische Künstler – typisch französisch

Prominente Künstler und Intellektuelle, die politisch Farbe bekennen, ihre Präsidentschaftskandidaten öffentlich unterstützen – das hat in Frankreich Tradition, sagt Anne Muxel vom Pariser Forschungszentrum für Politikwissenschaften (CEVIPOF).

Untypisch sei dagegen, dass sie einen amtierenden Staatschef verteidigen. Einen Präsidenten, der bei den eigenen Parteigenossen als erledigt gilt, von dem noch nicht einmal klar ist, ob er für eine zweite Amtszeit kandidieren wird.

Harsches Feedback...

Dass die Prominenten-Petition aus der Kulturszene Wirkung zeitigen könnte, hat sich inzwischen als frommer Wunsch entpuppt. Die Moralpredigt von Hollandes privilegierten Künstlerfreunden sei eine dreiste Zumutung, empörten sich zahlreiche Kommentatoren in den Medien.

Im Internet löste der Aufruf der Kulturpromis einen regelrechten Shitstorm wutentbrannter Franzosen aus. Die Online-Petition dümpelt vor sich hin: in einer Woche kamen kaum mehr als 7000 Unterschriften zusammen. Eine kläglich gescheiterte Rettungsaktion für François Hollande.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 28.11.16. 17.08 Uhr.

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