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Legende: Audio Adieu Nutztierhaltung - Ein Bauer steigt aus abspielen. Laufzeit 13:34 Minuten.
13:34 min, aus Kontext vom 16.04.2019.
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Kuh bewegt Gemüter Milch trinken, Kühe schlachten

Ist die Schweizer Viehwirtschaft noch vertretbar, wie sie heute praktiziert wird?

Da steckt Zündstoff drin: Unser Beitrag über den Bauern Toni Kathriner, der seine Kühe verkauft hat und aus der Milchproduktion ausgestiegen ist, hat die Gemüter der SRF Kultur-Userinnen und -User aussergewöhnlich stark bewegt.

Darum haken wir nach – und fragen Agronomin Anet Spengler, wie es denn um die Schweizer Milch- und Viehwirtschaft steht.

Anet Spengler

Anet Spengler

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Anet Spengler ist Agronomin und zuständig für die für Haltung und Zucht der Wiederkäuer beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick.

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SRF: Leiden Kühe und die Kälber wirklich so stark, wenn sie voneinander getrennt werden?

Anet Sprengler: Ja. Wenn man die Kälber ein, zwei Tage nach der Geburt von der Mutter wegnimmt, schreien sie meistens sehr laut nacheinander. Dieses Rufen bedeutet eine Sehnsucht und auch ein Leiden.

Aber für die Milchproduktion geht es doch nicht anders, als Kuh und Kalb zu trennen.

Nein. Man kann Kälber bei den Müttern trinken lassen und auch noch melken. Unsere Kühe geben viel mehr Milch als das, was ein Kalb braucht.

Unsere Kühe geben viel mehr Milch als das, was ein Kalb braucht.

Es gibt schon einige Betriebe in der Schweiz, die das so machen. Sie lassen etwa die Kälber morgens und abends bei den Müttern trinken und melken die Kühe danach. So haben die Kälber die natürliche Erfahrung, dass sie zur Mutter können und die Mütter haben ihre Kälber.

Es stört die Tiere auch nicht, wenn sie sich den ganzen Tag nicht sehen und die Kälber in einem separaten Stall sind. Sie wissen, dass sie am Abend wieder kommen. Dass sich Jungtiere quasi in Kindergärten versammeln, ist auch in der Natur so.

Bringt das aus wirtschaftlicher Sicht nicht eine klare Einbusse für die Bäuerin und den Bauern – oder zumindest ein Mehraufwand?

Es kommt darauf an, wie man sich einrichtet. Viele Bauern sagen, sie hätten etwas mehr Arbeit mit dem Beobachten der Tiere: Etwa, ob alle getrunken haben.

Es gibt Bauern, die sagen: Ich tränke meine Kälber gerne mit den Händen in den Hosentaschen.

Aber man hat dafür weniger Arbeit mit Eimerwaschen, Milcherwärmen etc. Es gibt Bauern, die sagen: Ich tränke meine Kälber gerne mit den Händen in den Hosentaschen.

Wir können nicht auf die Kuhwirtschaft zu verzichten, oder? Grasland in den Alpen könnte nicht mehr richtig genutzt werden. Das wäre das Ende der Schweizer Landwirtschaft.

Ja. Auch weltweit besteht zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus Grasland. Wir können es uns nicht leisten, dieses Land nicht zu nutzen. Und man kann das nur mit Wiederkäuern tun – wir können Gras nicht essen.

Ich würde sagen, die Lösung für viele wäre, die Tiere wirklich gut zu halten und auch bessere Wege der Schlachtung zu finden.

Eine «artgerechte Schlachtung» also. Was muss man sich darunter vorstellen?

Wir haben die Verantwortung über die Nutztiere bis zum Tod. Das heisst, dass wir sie so zum Schlachten bringen sollten, dass sie keinen Stress haben.

Wir haben die Verantwortung über die Nutztiere bis zum Tod.

Das ist heute oft nicht der Fall. Am besten wäre es, man könnte die Tiere jeweils auf den Betrieben schlachten.

Sie meinen das Abschiessen von Tieren, so wie das einige Bauern jetzt schon probeweise machen dürfen.

Ja. Man kann die Tiere etwa am Fressgitter mit einem Bolzenschuss betäuben und entbluten lassen. Auch dafür gibt es in einigen Kantonen schon Bewilligungen.

Das geschieht inmitten der anderen Tiere im Stall?

Die Tiere sind nicht direkt nebendran, aber ja, das geht gut. Es regt sie nicht auf.

Wie muss man sich das vorstellen?

Sie sind nicht schockiert, wenn das betreffende Tier nicht gestresst ist. Ansonsten riechen es die anderen und werden auch ganz nervös. Das ist am Schlachthof häufig der Fall. Aber wenn das Tier nicht gestresst ist, bleiben die anderen ganz ruhig daneben.

Das Gespräch führte Christian von Burg.

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