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Gesellschaft & Religion Kulturelle Spaltung im Weltkirchenrat

In Busan in Südkorea hielt der Ökumenische Rat der Kirchen seine zehnte Vollversammlung ab. Während zehn Tagen trafen sich Vertreter von 350 evangelischen, anglikanischen und orthodoxen Mitgliedskirchen. Ein zentrales Thema war die Einheit der Kirchen. Denn diese ist nicht immer gewährleistet.

Rufender Mann in weissem Gewand hält ein Kreuz.
Legende: Besonders am Thema Homosexualität scheiden sich die Geister: Demonstrant vor der Vollversammlung des Weltkirchenrats. Peter Williams/WCC

Für hitzige Debatten sorgte der Umgang mit der Homosexualität. Die Gleichstellung schwuler und lesbischer Paare mit heterosexuellen Ehepaaren führe zu einer «Vernichtung der traditionellen Vorstellung von Ehe und Familie», kritisierte der Metropolit Hilarion Alfeyev der russisch-orthodoxen Kirche. Harald Rein, Bischof der christkatholischen Kirche der Schweiz, war ebenfalls an der Vollversammlung in Busan. Er findet, diese Angelegenheit sei aufgebauscht worden.

Ist der Kirchenrat des Teufels?

Das Gesprächsklima sei gut und friedlich gewesen und es habe daraufhin von späteren Rednern durchaus kritische Reaktionen gegeben. Nur ausserhalb der Vollversammlung sei es zu Protesten gekommen, berichtet Rein. Demonstranten hätten Plakate hochgehalten wie «Der Ökumenische Rat der Kirchen ist der Antichrist» um den kirchlichen Umgang mit der Homosexualität zu kritisieren.

Durch den Ökumenischen Rat der Kirchen zieht sich tatsächlich ein Graben, nämlich zwischen den konservativen und liberaleren Strömungen, so Rein. Dieser Graben sei aber kulturell bedingt und nicht theologisch. So wenden sich gerade Christen und Christinnen aus Asien und Afrika sowie Mitglieder orthodoxer Kirchen vehement gegen die Trauung homosexueller Paare. Eine klare konfessionelle Trennung sei nicht auszumachen, denn es gebe auch orthodoxe Kirchen, die der Homosexualität gegenüber durchaus liberal eingestellt sind.

Christkatholische Einigkeit

Ein gutes Beispiel für die Überwindung des Grabens könnte die christkatholische Kirche sein. Während verschiedene altkatholische Kirchen in Europa die Frauenordination nicht kennen, weihen die Christkatholiken in der Schweiz Pfarrerinnen. Und trotzdem sehen sie sich alle als eine Kirche. Diese Differenz wird als kultureller Unterschied akzeptiert.

Zwei Männer mit Bart und schwarzen Hüten sitzen lächelnd an einem Tisch.
Legende: Gute Stimmung: Vertreter der koptisch-orthodoxen Kirche bei der Vollversammlung in Busan. Joanna Lindén-Montes/WCC

Aber auch innerhalb des Ökumenischen Rats der Kirchen konnte Harald Rein einen geschwisterlichen Geist an der Vollversammlung beobachten. In vielen Dingen seien sich die Mitgliederkirchen einig gewesen.

So war etwa der Umweltschutz ein Anliegen vieler Kirchen, wie auch das politische Engagement von Seiten der Kirchen. Die Kirche müsse sich in aktuelle Anliegen einmischen, sie sei nicht nur für die Spiritualität da, so der Konsens.

Brennpunkt Asien

Gerade der Austragungsort der Vollversammlung in Südkorea verdeutlichte dieses Anliegen. Die Wiedervereinigung von Süd- und Nordkorea sei ein ständiges Thema gewesen, so Harald Rein. Es sei darüber diskutiert und dafür gebetet worden.

Sowieso sind politische Themen für die asiatischen Kirchen von grosser Bedeutung. In Asien sind Christen meist eine Minderheit, dennoch gebe es nur wenige religiöse Konflikte, meint Harald Rein. Daneben sind die Auswirkungen der Globalisierung, von zunehmendem Wohlstand und wachsender Armut, sowie von Umweltverschmutzung in Asien besonders zu spüren. Auch diese Themen sind Anliegen für die Kirchen, so das klare Resultat dieser zehnten Vollversammlung.

2 Kommentare

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  • Kommentar von t.h., zürich
    Wenn das zentrale Thema die Einheit der Kirchen war, so frage ich mich, warum der Artikel das Thema Homosexualität aufgreift, aber verschweigt, dass die röm-katholische Kirche sich nicht am Weltkirchenrat beteiligt. Wahrscheinlich ist das Thema Homosexualität einfach medienwirksamer! Schade.
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    1. Antwort von m.b., Stuttgart
      "Dieser Graben sei aber kulturell bedingt und nicht theologisch". Das ist ein Argument das von Nicht-orthodoxen kommt. Orthodoxe sehen das freilich theologisch (bzw. ontologisch), und folgen hier Ap. Paulus in der Stellungsnahme hinsichtlich theologischer Grundlage um dem Reich Gottes (und damit der EINEN Kirche) zugehörig zu sein! Auch Homosexualität ist in diesem Sinne zu beurteilen.
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