Kulturförderung für alle: Jeder kann ein Gönner sein

Die Stiftung Erbprozent Kultur geht neue Wege in der Kulturförderung: Jeder darf mitmachen. Reich sein muss man dazu nicht. Man muss nur versprechen, nach seinem Tod einen bestimmten Geldbetrag zu stiften. Die Gönner der Stiftung können zu Lebzeiten mitreden, was gefördert werden soll.

Mehrere Gemälde an eine gelbe Hauswand gelehnt Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Idee von Erbprozent Kultur ist niederschwellig und langfristig angelegt. Colourbox

  • Gönner stiften ein Prozent ihres Erbes. Dafür unterschreiben sie ein Erbversprechen.
  • Zu Lebzeiten können die Gönner mitbestimmen, was gefördert werden soll.
  • Einige Kantone haben bereits 300'000 Franken für den Aufbau der Stiftung zugesichert.
  • Ab 2017 will die Stiftung Fördermittel vergeben.

Jede Person unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Höhe des Vermögens kann Kultur fördern. Das ist die einfache und einleuchtende Idee, die hinter der Stiftung Erbprozent Kultur steckt.

Die Stiftung will weg vom gängigen Muster, wo die private Kulturförderung nur von potenten Einzelpersonen mit einer ganz spezifischen Absicht bestimmt wird. Bei der Stiftung können alle Beteiligten mitreden, was gefördert werden soll und welche Kulturprojekte Geld erhalten. Zweimal pro Jahr soll es in Foren dazu Gelegenheit geben.

«Die einen tragen mehr bei, die anderen weniger. Aber alle partizipieren unter den gleichen Bedingungen», sagt Margrit Bürer, die Miterfinderin des Erbprozents Kultur. «Sie können damit ein Bekenntnis zur Kultur abgeben und ein Bekenntnis zu einer Gesellschaft, die immer wieder diskutiert, welche Kultur gefördert werden soll.»

Vertrauen und Vorlass

Seit der Lancierung der Stiftung im Mai 2015 haben bereits 53 Personen der Stiftung ein Erbversprechen gegeben. «Das Ganze baut auf Vertrauen. Wir gehen davon aus, dass der jeweilige Beitrag ein Prozent der letzten Steuererklärung ist.» Wie viel Geld das ist, weiss Margrit Bürer nicht. Noch nicht.

Die Höhe der gestifteten Beiträge wird nämlich erst bekannt, wenn die Personen gestorben sind. Darum freut sich Margrit Bürer auch über die, die bereit sind, einen Vorlass zu geben.

Hilfe aus mehreren Kantonen

Die Stiftung Erbprozent wächst langsam. Darum ist sie am Anfang auf die öffentliche Hand angewiesen. 400‘000 Franken kostet der Aufbau der Stiftung. Einige Kantone haben bereits knapp 300‘000 Franken zugesichert.

Die Initianten haben die Stelle einer Geschäftsführung nun ausgeschrieben, damit das Erbprozent in Fahrt kommt. Ziel ist, dass die Stiftung Erbprozent Kultur ab 2017 handfest und zukunftweisend in der nationalen Kulturförderung mitmischt.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 4. Januar 2016, 6:50 Uhr