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Max Emden und der lange Arm der Nazis
Aus Sternstunde Kunst vom 22.11.2020.
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Kunstsammler Max Emden Er führte ein mondänes Leben im Tessin – bis die Nazis kamen

Der Deutsche Max Emden wurde mit seinem Kaufhaus-Imperium reich. Vor den Nazis war er aber als Nachfahre von Juden nicht mal im Tessin sicher.

Die prächtige Villa und die botanischen Gärten auf den Brissago-Inseln im Lago Maggiore erinnern an ihn: Max Emden, Kaufhaus-Tycoon, Mäzen, Aussteiger und Nazi-Opfer. Als Kunstsammler gibt er immer noch zu reden, wegen Raub- und Fluchtkunst.

Max Emden, Jahrgang 1874, entstammte einer angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie in Hamburg. Er gilt als Erfinder der Kaufhauskultur und baute das Familienunternehmen zu einem Kaufhaus-Imperium aus. Zudem war er ein grosser Kunstsammler und Mäzen.

Der Millionär mit den jungen Frauen

Mit rund 50 stieg er aus. Der Süden lockte. Das warme Klima in Ascona, die Natur und die Lebensreformbewegung auf dem Monte Verità – all das faszinierte ihn.

Auf den Brissago-Inseln errichtete er einen neoklassizistischen Palast. Dort führte er das Leben eines schillernden Aussteigers. Für die Einheimischen in Ascona war er der Millionär mit den jungen Frauen auf der Insel und den vielen Motorbooten. Er war umgeben von seiner Kunstsammlung mit Bildern von Canaletto, Van Gogh, Lieberman, Monet, Sisley und anderen.

Max Emden auf seinem Boot.
Legende: Max Emden auf seinem Boot. Archiv Familie Emden

Die Schweizer Behörden liessen ihn im Stich

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland kam der Bruch. Seine Kaufhäuser wurden «arisiert», durch Zwangsverkäufe seiner Immobilien verlor er grosse Teile seines Vermögens.

In einem aufreibenden Kampf stritt er um sein Eigentum. Er bat die Schweizer Behörden um Hilfe. Erfolglos. Es nützte ihm nichts, dass er 1934 die Schweizer Staatsbürgerschaft angenommen hatte.

Es nützte ihm auch nichts, dass er jung zum Christentum konvertiert hatte. Nach Hitlers Rassengesetzen galt er als Jude.

Verkauf von Bildern unter Wert

Emden kämpfte mit Depressionen und tiefen Ängsten. Liquiditätsprobleme zwangen ihn, Bilder zu verkaufen. Zwei Werke von Bernardo Bellotto, besser bekannt als Canaletto, sorgen bis heute für Diskussionen. Sie wurden 1938 unter Preis verkauft.

Gemälde des Zwingergrabens in Dresden
Legende: Canalettos Gemälde des Zwingergrabens in Dresden landete in Hitlers Privatsammlung und wurde erst 2019 den Nachkommen von Max Emden zurückgegeben. Canaletto / J.C. Emden

Eines der Bilder landete in Hitlers Privatsammlung, später hing es am Sitz des Bundespräsidenten. Eine Restitution wurde mit der Begründung verweigert, Emden habe die Bilder aus der sicheren Schweiz verkauft. Erst 2019 wurden die Bilder als Fluchtkunst anerkannt und den Nachkommen zurückgegeben.

Vom Kampf um sein Vermögen erschöpft und zunehmend einsam, starb Max Emden 1940 in Locarno.

Raubkunst und Fluchtkunst

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Mit Raubkunst sind Kulturgüter gemeint, die zwischen 1933 und 1945 von den Nazis konfisziert und deren meist jüdische Besitzer enteignet wurden.

Der Begriff der Fluchtkunst ist relativ neu. Er wurde erst 1998 im Zusammenhang mit den «Washingtoner Richtlinien» eingeführt. Gemeint ist damit der Verkauf von Kunstobjekten unter Wert, aus einer Notlage heraus, um sich die Flucht vor dem Naziterror zu finanzieren.

Mit dieser Begründung verlangen die Nachkommen Max Emdens weltweit Wiedergutmachung. Im Falle von zwei Canalettos bekamen sie jetzt erstmals Recht.

Auch sein Nachlass gibt zu reden

Sein einziger Sohn, Hans Erich Emden, verkaufte weitere Kunstwerke während des Krieges. Eines davon ist das berühmte Bild von Claude Monet «Mohnfeld von Vétheuil». Es hängt heute in der Bührle-Sammlung in Zürich.

Audio
Raubkunst in Bührlesammlung: neuer Film befeuert alten Vorwurf
23:27 min, aus Kultur kompakt vom 01.05.2019.
abspielen. Laufzeit 23:27 Minuten.

Auch hier bitten die Erben um Restitution. Denn die Nazis entzogen Hans Erich Emden «als Mischling ersten Grades» die deutsche Staatsangehörigkeit. Mehrmals bat er die Schweiz um Einbürgerung. Vergeblich. Schliesslich flüchtete er nach Chile.

Seit Jahrzehnten kämpfen die Nachkommen von Max Emden um Entschädigung und Restitution. Meist erfolglos. Es hiess: Max Emden lebte in der sicheren Schweiz ein mondänes Leben und sei nicht direkt an Leib und Leben gefährdet gewesen.

Der Umgang mit Fluchtkunst ist heikel und sollte dringend geklärt werden. In Deutschland und in der Schweiz.

Sendung: SRF 1, Sternstunde Kunst, 22.11.2020, 12:00 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Nachtrag: Herrn Bernardo Bellotto's Leben wurde auch durch Kriege geplagt und hatte musste Gemälde für sehr wenig Geld verkaufen, zudem wurden viele Gemälde während Kriegen zerstört oder es wechselte der Besitzer. Die Frage ist hier nun, ob Emdens Nachfahren die rechtmässigen Besitzer sein dürfen, weil Ihr Vater der letzte Rechtsmässige Besitzer war. Die Zeit bei Emden ist nur ein Bruchteil von Kampf um das Gemälde!
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  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Ein trauriges Schicksal was Herrn Emden widerfahren ist. Auf eine Art könnte man sich streiten, warum Wohlhabende Menschen die damals "günstige Kunst" nun für Millionen verhökern. Das selbe gilt für Gold oder Schmuck. Den Leuten wird es für einen Spotpreis genommen und dann für viel Geld verkauft.
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  • Kommentar von Guido Casellini  (CAS)
    Heute gräbt man Sachen, die 80 Jahre alt sich, aus.....doch sind nun diese Werke der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt.....ist denn jemand so niedisch ???
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    1. Antwort von Lukas Plattner  (Lukas Plattner)
      Ihr Kommentar trieft ja nur so von Sarkasmus! Läuft das Recht auf Wiedergutmachung von begangenem Unrecht nach Ihrer Sicht automatisch nach einer gewissen Zeit ab?
      Wenn ich Ihnen so zuhöre, denn verstehe ich wie es zum Trauerspiel der nachrichtenlosen Vermögen kommen konnte...
      Und wenn es aus Ihrer Sicht ja nur um ein paar verstaubte Objekte geht, warum tut sich die Schweiz dann so schwer daran die an die Nachkommen von den Nazi-Opfern zurück zu erstatten?