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KZ-Gedenken Bewegende Ansprache von Hape Kerkeling in Buchenwald

Warum der Auftritt Hape Kerkelings in Buchenwald so bewegt: Hape Kerkeling, einer der bekanntesten deutschen Entertainer, sorgte mit einem ungewohnt ernsten Auftritt am Wochenende für Aufsehen. Als Hauptredner eingeladen, erinnerte er am 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald an seinen dort inhaftierten Grossvater Hermann – und warnte vor dem Vergessen in einer politisch höchst aufgeladenen Zeit.

Nach eigenen Worten sprach Kerkeling in Buchenwald nicht als öffentliche Person, sondern als «Enkel eines Überlebenden». Und «weil mich die Entwicklung in unserem Land zutiefst beunruhigt», so Kerkeling. So würden etwa die Stimmen, die nach einem Ende der Erinnerungskultur rufen, immer lauter und dreister.

Mann steht schweigend vor Kranzniederlegung, umgeben von Menschen.
Legende: Hape Kerkeling umringt von Blumen – einem Zeichen des Gedenkens an die Opfer der Gräueltaten im KZ Buchenwald. Imago/Bildgehege

Warum war Kerkelings Grossvater in Buchenwald inhaftiert? Kerkelings Grossvater Hermann war überzeugter Kommunist und Katholik. Weil er nach 1933 Flugblätter gegen das Hitler-Regime verteilt hatte, wurde er von den Nationalsozialisten festgenommen und als «Hochverräter» verurteilt. Er sei ein Mensch gewesen, «der schlichtweg nicht bereit war, wegzusehen, als die Dunkelheit über Deutschland hereinbrach», so Kerkeling. Insgesamt verbrachte Hermann Kerkeling zwölf Jahre in Haft, davon die letzten drei als politischer Häftling im KZ Buchenwald, wo er Folter und Zwangsarbeit überlebte. Nach dem Krieg habe er kaum über seine Erlebnisse im Lager gesprochen.

Buchhinweis

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Das Schicksal seines Grossvaters Hermann hat Hape Kerkeling auch in seinem Buch «Gebt mir etwas Zeit» (2024) thematisiert.

Das waren die Kernbotschaften der Ansprache: In seiner Ansprache warnte Kerkeling eindringlich vor einer Geschichtsrelativierung und einem «Schlussstrich» unter die Erinnerung, da dies der «Schlussstrich unter unsere Demokratie» wäre. Er bezog sich dabei direkt auf eine Aussage des AfD-Politikers Alexander Gauland, der die NS-Zeit als «Vogelschiss» der Geschichte bezeichnet hatte. Dies sei ein Angriff auf das Fundament der Gesellschaft. Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes, «Die Würde des Menschen ist unantastbar», sei die direkte, «in Stein gemeisselte Antwort auf Buchenwald». Demokratie sei ein Versprechen, das jede Generation «gegen die Bequemlichkeit des Wegsehens» verteidigen müsse.

Metalltor mit der Inschrift 'Jedem das Seine' und roten Blumen.
Legende: «Jedem das Seine», der Schriftzug auf dem Tor von Buchenwald: Was bei den Nazis noch Grausiges bedeutete, stehe heute für eine positive Botschaft, so Hape Kerkeling: «Jedem das Seine» bedeutet für uns: jedem Menschen seine unveräusserliche Würde. Jedem Menschen seine Freiheit (...)» Imago/Eckehard Schulz

Eklat um Kulturstaatsminister Weimer: Die Rede des deutschen Kulturstaatsministers Wolfram Weimer an der Veranstaltung wurde indes von Dutzenden Zuhörerinnen und Zuhörern immer wieder gestört. Sie unterbrachen ihn mit lauten Buhrufen und übertönten ihn mit dem «Buchenwaldlied» – damals von Häftlingen des KZs geschrieben. Hintergrund des Protests ist Weimers umstrittene Entscheidung, drei als links geltende Buchhandlungen von der Nominierungsliste des Deutschen Buchhandlungspreises mit dem Verweis auf «verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse» streichen zu lassen. Häftlingsverbände hatten Weimers Einladung bereits im Vorfeld kritisiert.

Mann mit Brille am Rednerpult im Freien.
Legende: Blick ins Publikum: Immer wieder fallen Protestierende Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ins Wort. Imago/epd

Weitere Kontroversen um die Erinnerungskultur: Derweil untersagte die Stadt Weimar eine Kundgebung der propalästinensischen Initiative «Kufiyas in Buchenwald» auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers, um eine «völlig unangemessene Instrumentalisierung» des Gedenkens zu verhindern. Hintergrund des Protests ist, dass im vorigen Jahr einer Frau mit Palästinensertuch («Kufiya») der Zutritt zum Gelände verweigert wurde.

Konzentrationslager Buchenwald

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Im Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar wurden zwischen 1937 und 1945 rund eine Viertelmillion Menschen inhaftiert, mehr als 50'000 wurden ermordet oder starben aufgrund der Bedingungen dort.

Am 11. April 1945 erreichten US-amerikanische Truppen das Konzentrationslager für die Befreiung.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 13.4.2026, 16:30 Uhr

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