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Let's Talk about Mountains - Ausstellung Alpines Museum Bern
Aus Kultur-Aktualität vom 26.03.2021.
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«Let’s talk about Mountains» Ein Hauch von Freiheit in Nordkoreas Bergen

Militärparaden, Menschenrechtsverletzungen und Propaganda prägen das westliche Bild von Nordkorea. Das Alpine Museum in Bern zeigt mit der Ausstellung «Let’s talk about Mountains» eine andere Seite des Landes. 2000 Meter über Meer findet man in Nordkorea fast so etwas wie Freiheit.

In Nordkorea ist frei Herumreisen verboten. Für Besucher sowie für Einheimische. Das Filmteam im Auftrag der Ausstellung im Alpinen Museum Bern musste für die Schauplätze ihrer Dokumentation Bewilligungen einholen.

Die nordkoreanische Kulturbehörde gab ihr Okay schliesslich unter anderem für den Besuch eines Skigebiets, den Einblick in eine Schule und die Besichtigung eines Berg-Maler-Ateliers. Rund um die Uhr wurde das Filmteam des Alpinen Museums von zwei nordkoreanischen Führern begleitet.

Berge bieten Gesprächsstoff

Es blieb kaum Raum für Spontanes, und immer wieder stiessen sie auf eine Art unsichtbare Grenze, sagt Beat Hächler, Direktor des Alpinen Museums in Bern: «Vielen Nordkoreanern fällt es schwer, über sich selbst zu sprechen.» Das läge wohl an der ständigen Kontrolle in einem totalitären Regime. Antworten würden eingeübt. Abweichungen bemerkt.

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Letzter Halt Nordkorea
Aus Reporter vom 08.10.2017.
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Über das Thema der Berge gelang es aber trotzdem, Land und Leuten näher zu kommen. Berge sind erstmal einfach schöne Natur, unverfänglich. Bei genauerem Hinsehen lässt sich aber viel über Kultur, Geschichte und Mentalität ablesen, wie die Dokumentation des Alpinen Museums in Bern zeigt.

Legende: So sieht so etwas wie Freiheit in Nordkorea aus: Der Gipfel des Paektusan, 2744 über Meer. ©Gian-Suhner / Alpines Museum der Schweiz

Befreit Bergluft von Ideologie?

Im Kindergarten wird der höchste Berg Nordkoreas euphorisch besungen. Der «Paektusan» ist 2744 Meter hoch. Das Filmteam begleitet Reisegruppen, die den Gipfel dieses mythischer, geschichtsträchtigen Berges besteigen.

Ein solcher Berg wecke bei den Menschen Identitätsfragen, sagt Beat Hächler. «Wie definiert man Heimat? Wie hängt die Natur mit Verkehr, Wirtschaft, Tourismus, Militär oder Ideologie zusammen?» Nur schon das Stellen dieser Fragen sei letztlich politisch – in einem totalitären Staat erst recht.

Legende: Die Bilder wirken gewohnt und unvertraut zugleich. Kinder in der Mittelschule in Pjöngjang während dem Geografieunterricht. ©Katharina-Schelling / Alpines Museum der Schweiz

Mal eine andere Seite des Landes

Die Dokumentation zeigt jedoch nicht nur die Bergwelt Nordkoreas. In einem Tanzpavillon schwenken ältere Männer und Frauen in farbigen Kleidern zufrieden ihre Arme im Takt. Es ist ein ständiges Abgleichen der eigenen Bilder von Nordkorea mit dem, was man auf den Leinwänden in der Ausstellung sieht.

So anders als bei uns ist diese Senioren-Tanzveranstaltung nicht, denkt man sich. Im Interview mit einer der Tänzerinnen folgt aber eine Irritation. Warum sie tanze, wird sie gefragt. Es mache sie jünger, in diesem schönen Park und in diesem guten System zu tanzen, erwidert sie beflissen. Und schon ist wieder klar: Nordkorea ist ein Land, das keine Freiheit kennt.

Legende: Hier war filmen verboten: Fotoszene mit Arbeitsbrigade auf dem Gipfel des Paektusan. Filmstill ©Katharina Schelling / Alpines Museum der Schweiz

Die wirklichen Schattenseiten muss die Ausstellung ausklammern. Dem Filmteam war es verboten, gewisse Szenen zu filmen. Auch im Alpinen Museum gibt es also nicht das ganze Bild von Nordkorea zu sehen. Aber was man sieht, fügt eine neue Facette hinzu und erweitert den Horizont.

Infos zur Ausstellung:

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Die Ausstellung «Let's talk about mountains» ist eine filmische Annäherung an Nordkorea im Alpinen Museum der Schweiz in Bern. Sie läuft bis Sommer nächstes Jahr (2022).

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 26.03.2021, 17:10 Uhr

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Die Rolle des Paektusan in der koreanischen Mythologie und im Personenkult der Kim's wäre vielleicht ein wenig kritischer zu beleuchten. Wer seine eigene Vita und den Geburtsort seines Sohnes aus mythologischen Gründen fälscht, ist tatsächlich mit allen Wassern gewaschen, auch jenen der Gipfelcaldera!
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