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Literaturredaktorin Britta Spichiger über Barack Obamas Memoiren
Aus Kultur-Aktualität vom 17.11.2020.
abspielen. Laufzeit 04:45 Minuten.
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Memoiren des US-Präsidenten Barack Obamas Erinnerungen: präzis, differenziert und emotional

«Ein verheissenes Land» nennt Barack Obama den ersten Teil seiner Memoiren. Fünf Dinge, die man über die Erinnerungen des ehemaligen US-Präsidenten wissen muss.

Knapp 1000 Seiten – so viel Platz räumt Barack Obama seinem Werdegang und seiner ersten Amtszeit als US-Präsident ein. Mit «A Promised Land» (auf Deutsch: «Ein verheissenes Land») erscheint der erste Teil seiner Memoiren.

«Es war, als ob allein meine Anwesenheit im Weissen Haus eine tief sitzende Panik losgelöst hätte. Eine Vorstellung, dass die natürliche Ordnung gestört worden sei» – schreibt Obama mit Blick auf seine Wahl zum ersten Schwarzen Präsidenten der USA. Es ist nur eines von vielen präzisen, emotionalen Statements.

Was einen bei der Lektüre erwartet: Fünf Fragen und Antworten.

Was beabsichtigt Barack Obama mit seinen Memoiren? Obama schreibt im Vorwort, dass er nicht «nur» ein historisches Protokoll anstrebe, sondern eine ehrliche Darstellung seines Werdegangs und seiner Präsidentschaft.

Mann mit Mikrophon in der Hand
Legende: Barack Obama beschreibt in «A Promised Land» seinen Weg als Politiker bis zum Ende der ersten Amtszeit im Weissen Haus. Getty Images / Drew Angerer / Staff

Barack Obama will den Leserinnen und Lesern einen Eindruck vermitteln, wie es sich anfühlt, Präsident der USA zu sein: «Ich wollte den Vorhang ein Stückchen zur Seite ziehen und die Leute daran erinnern, dass aller Macht und allem Pomp zum Trotz die Präsidentschaft auch nur ein Job ist und unsere Bundesregierung ein menschliches Unterfangen wie viele andere und dass die Frauen und Männer, die im Weissen Haus arbeiten, die gleiche tägliche Mischung aus Zufriedenheit, Enttäuschung, Reibereien im Büro, Fehlschlägen und kleinen Triumphen erleben wie der Rest ihrer Mitbürger.»

Was das ganze Buch überstrahlt: Obamas unerschütterlicher Glaube, dass, wenn er etwas ausführlich erzählt und von allen Seiten beleuchtet, jeder und jede verstehen wird, wieso er so und nicht anders regiert hat.

Ist es ein Versuch, das eigene Image aufzupolieren? Nein, dieser Eindruck entsteht nicht. Auffällig ist, dass Barack Obama oft Wörter wie «dennoch», «aber», «vielleicht» verwendet und damit eigene Aussagen relativiert oder die Möglichkeit unterschiedlicher Sichtweisen aufzeigt.

Selbstkritisch sagt er auch, er frage sich heute oft, ob er während seiner Präsidentschaft zu viel Vorsicht in Worten und Taten habe walten lassen.

Wovon erzählt er? Das Buch beginnt mit der Beschreibung seines Arbeitswegs von seiner Wohnung im Weissen Haus zum Oval Office. Dann wirft er einen Blick in die Vergangenheit, erzählt von seinem persönlichen Werdegang – «Ich war ein lustloser Schüler, ein leidenschaftlicher Basketballer mit bescheidenem Talent und ein unermüdlicher Partygänger.» – von Idealen, die er in der High School entwickelte, über sein soziales Engagement bis zu seiner Wahl ins Weisse Haus und seiner ersten Amtszeit.

Dieser erste Band – ein zweiter Band soll folgen – endet mit der Militäraktion, die im Mai 2011 zur Tötung Osama bin Ladens führte.

Wie schreibt Barack Obama? Das Buch liest sich zu weiten Teilen wie eine seiner Reden: präzis, stringent, differenziert, zugänglich und streckenweise emotional. Er ringt um die Wahrheit und will alles so umfassend wie möglich beschreiben. Deshalb hat dieser erste Band auch einen Umfang von rund 1000 Seiten.

Buchhinweis

Barack Obama: «Ein verheissenes Land», Penguin Verlag, 2020.

Manchmal wird dieser Anspruch auf Vollständigkeit zum Handicap. Eine detaillierte Beschreibung politischer Konstellationen oder eine ausführliche Darstellung von Sichtweisen politischer Weggefährten können für die Leserschaft anstrengend sein.

Aber das wird ausgeglichen durch sehr persönliche Passagen, in denen Barack Obama erzählt, was in bestimmten Situationen in seinem Kopf vorging, wie auch Lektionen, die ihn seine Mutter gelehrt hatte, in seine Entscheidungen als Präsident einflossen – oder wie er nach einem Ort im Weissen Haus suchte, wo er in aller Ruhe heimlich eine Abendzigarette rauchen konnte.

Für wen schreibt er? Im Vorwort zu seinem Buch schreibt Obama, dass es sich vor allem an junge Leute richte, «als eine Einladung, die Welt noch einmal zu erneuern und durch harte Arbeit, Entschlossenheit und eine grosse Portion Fantasie ein Amerika zustande zu bringen, das endlich allem entspricht, was wir als Bestes in uns tragen.»

Die empfohlene Begleitmusik zu den Memoiren

SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 17.11.2020, 17.20 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Schuetz  (Sürmel)
    Früher wurde ein Mann an seinen Taten gemessen, heute vorallem an seinen Worten und seinem Auftritt. Einen auf sweet talking Romeo machen, das konnte er hervorragend, der Barack Obama. Vielleicht würden die Leser aber auch noch etwas über die Taten seiner Präsidentschaft erfahren, zumindest ich.
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    1. Antwort von Thomas Bünzli  (Tumasch)
      @ Schuetz: Ihren ersten Satz kann man 1:1 auf Trump münzen - grosse Klappe und möglichst grosse Stadien, um seine Lügen zu verbreiten.
      Und falls Sie mehr über die Leistungen von Obama erfahren möchten - bemühen Sie sich mal ein bisschen, ist nicht so schwer!
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  • Kommentar von Max Borer  (BorerMax)
    Ja, ja, Obamas Auftreten schlägt Trumps unendlich. Trotzdem ist nicht alles Gold das glänzt.
    1. Obama hat sich 2008 auf die Seite der Banken gestellt, und das Volk in der Krise liegengelassen. Die Banken haben gelogen, betrogen und kamen wieder einmal davon, diesmal sehr gut.
    2. Obama ermöglichte Trumps Sieg, und sein Verhalten hat the great divide der USA beschleunigt wie seit 1980 nicht mehr.
    3. Sprach Obama genau wie Biden jetzt von der Zeit des Heilens, jedoch hat er Amerika zerrissen.
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    1. Antwort von Jaro Bels  (Gotod)
      Immerhin hat er hart gearbeitet und man kann ihn für diese Arbeit nun loben oder kritisieren. Das lässt er bewusst zu. Und er bleibt ein Vorbild für die Jugend nicht zuletzt deshalb , weil er selbstkritisch geblieben ist und über sich selber lachen kann. Ein Vorbild mit Stärken und Schwächen. Ein Mensch. Weitere Vergleiche sind zurzeit völlig überflüssig und ja, sogar unpassend .
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  • Kommentar von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
    Ein großer Schwätzer, nicht viel mehr.
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