Mit dem Schwyzer Namenbuch «vom Dräckloch i Himel»

Das Namenbuch des Kantons Schwyz beschreitet neue Wege: Erstmals wird ein kantonaler Orts- und Flurnamenschatz zugleich in einer Volksausgabe, in einer wissenschaftlichen Publikation und als digitale Vollversion herausgegeben.

Unter einem Schönwetter-Himmel gibt das Foto den Bild frei auf viele kleine Boote, die auf dem Sihlsee liegen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Sihlsee hat es eine «Ufenau» gegeben? Und woher stammt der Flurname «Schlaprig» in Einsiedeln? Keystone

Flurnamen sind sprachliche Denkmäler, so wie es Stein- oder Holzbauten sind. Sie bewahren in ihrer historischen Wortbedeutung ein Element unserer kulturellen Vergangenheit in sich. Durch den täglichen Gebrauch bleiben sie zugleich aktuell. Der Namenschatz einer Region ist deshalb Teil ihres kulturellen Gedächtnisses und gehört genauso zum immateriellen Kulturgut wie beispielsweise jahreszeitliche Bräuche.

Für Ortsansässige, interessierte Laien und Sprachwissenschaftler

Warum heisst ein Bauernhof in Schwyz «Akti»? Was bedeutet der Flurname «Schlaprig» in Einsiedeln? Woher kommt das «Gusööteli» in Galgenen? Antworten auf diese Fragen findet der Ortsansässige, der interessierte Laie, der Sprachwissenschaftler oder der Historiker im neu herausgegebenen Namenbuch des Kantons Schwyz. Rund 18.000 Orts- und Flurnamen hat der Schwyzer Sprachwissenschaftler Viktor Weibel, unter Mitarbeit des Historikers Albert Hug, gesammelt, dokumentiert, erläutert und publiziert.

Vom «Gimmermeh» und dem «Hundsarsch»

An der festlichen Vernissage im «MythenForum Schwyz» zitierten die Redner naturgemäss am liebsten aus den Kuriosa der Schwyzer Namenlandschaft: Der «Gimmermeh» ist ein Stück Land, das weniger hält, als es verspricht. Um den «Zankapfel» wurde wohl einst gestritten. Der «Tubackgütsch» ist eine Geländeerhebung, die irgendwie mit Tabak zu tun haben muss. Aber nicht alle Namen geben ihr Geheimnis preis: Was ein «Hundsarsch» ist, versteht sich. Aber wie ein Gelände zum Namen kann, lässt sich nur noch anekdotisch umschreiben, nicht mehr sicher nachweisen.

Volksausgabe, wissenschaftliches Werk und digitaler Volltext

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Buchhinweis

Vom Dräckloch i Himel. Namenbuch des Kantons Schwyz von Viktor Weibel. 1 Band, mit digitaler Version auf einem USB-Stick. Druckerei Triner AG, Schwyz, 2012.

Das Schwyzer Namenbuch ist gleichzeitig in drei Versionen publiziert worden. Innerhalb der Reihe kantonaler Orts- und Flurnamenbücher der Schweiz ist dies eine Neuerung mit grossem Nutzwert.

Wer in einfachen und knappen Worten die Bedeutung seines Grundstücksnamens erfahren will, ist mit der einbändigen Volksausgabe mit dem Titel «Vom Dräckloch i Himel» bestens bedient. Das fünfbändige Lexikon «Schwyzer Namenbuch. Die Orts- und Flurnamen des Kantons Schwyz» sollte derjenige kaufen, der eine dichte Belegsammlung zu jedem einzelnen Namen und ausführliche wissenschaftliche Erläuterungen sucht. Neu ist der mitgelieferte Memory-Stick. Darauf sind beide Buchversionen des Namenbuches enthalten und miteinander verlinkt.

Vollendung eines Lebenswerks

Viktor Weibel hat mit dem Schwyzer Namenbuch sein namenkundliches Lebenswerk vollendet, zu welchem auch die Namenbücher der Kantone Uri und Nidwalden gehören, die er ebenfalls zusammen mit dem Historiker Albert Hug erarbeitet hat. In den 40 Forschungsjahren hat Victor Weibel den Wandel vom Zettelkasten zur digitalen Datenbank erlebt und für die Namenforschung mitgeprägt.

Übrigens: «Schlaprig» ist die sprachlich verschliffene Form von «Schlagberg» und meint einen Berg, wo Holz geschlagen wurde.

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