Müde? Dann folgen Sie Ihrer inneren Uhr

Vielen Menschen ginge es bedeutend besser, wenn sie ihrem eigenen Rhythmus entsprechend schlafen würden. Das legt der Neurobiologe und Wissenschaftsjournalist Peter Spork in seinem Buch «Wake up» dar. Ausgeschlafen ist man aber nur, wenn man auch verzichtet – auf das Fitnessstudio etwa.

Das Foto einer gähnenden Eule. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Eulen folgen ihrer inneren Uhr – bricht der Tag an, werden sie müde und gehen schlafen. Colourbox

Wir sollten uns mehr Zeit lassen und anderen mehr Zeit schenken. Solche Ratschläge sind in Therapiezimmern oft zu hören, genauso wie in Stressmanagement-Seminaren. Die Schlussfolgerung daraus heisst denn auch: Wir müssen unser Leben entschleunigen.

Entschleunigung alleine reicht nicht

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Buchhinweis

Peter Spork: «Wake up! Aufbruch in eine ausgeschlafene Gesellschaft». Hanser 2014.

Doch bloss entschleunigen und das Lebenstempo runterzufahren, das greife zu kurz, sagt der Hamburger Wissenschaftsjournalist Peter Spork. In seinem neuen Buch «Wake up!» macht er sich in leicht verständlicher Sprache für einen natürlichen Umgang mit der Zeit stark: Wichtig sei, im geeigneten Moment ans Tageslicht zu treten und sich im Gegenzug zur richtigen Zeit der Dunkelheit hinzugeben.

Wer lerne, seiner inneren Uhr zu folgen, habe bessere Chancen, lang, gut und gesund zu leben. Wichtig sei, den Tag nicht zur Nacht und die Nacht nicht zum Tag zu machen. Eine simple Empfehlung, der allerdings nicht selbstverständlich nachgelebt werden kann.

Tendenz: Verdrängung der Müdigkeit

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Köpfe der Zeit

Die Zeit zwischen den Jahren ist für viele ein Zwischenhalt. In den Sendungen Reflexe und Kontext kommen zu dieser besonderen Zeit Menschen zu Wort, die es immer mit der Zeit zu tun haben. Sie zerbrechen sich tagein tagaus den Kopf über die Zeit. Und das auf ganz verschiedene Weise.

Denn ein immer grösser werdender Teil der Bevölkerung ist in der dunklen Tageshälfte länger wach: Nicht nur Taxifahrerinnen, Krankenpfleger und Polizisten sind heute zu nächtlicher Stunde im Einsatz. Zunehmend bedient auch das Personal im Verkauf, im Service und im öffentlichen Verkehr die Kundschaft beinahe rund um die Uhr.

Auch die intensiven Freizeitaktivitäten rauben vielen den Schlaf. Wer am Abend in einem grell ausgeleuchteten Fitnesszentrum die Muskeln stählt und den Kreislauf auf Hochtouren bringt, lässt im Körper schon gar keine natürliche Müdigkeit aufkommen. Und wer vor einem Bildschirm sitzt, bevor er ins Bett geht, nimmt oft viel kaltes, blau-weisses Licht auf. Dieses Licht hemmt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin und unterdrückt die damit aufkommende Müdigkeit.

Das Leben besser ausleuchten

Peter Spork plädiert für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tag und Nacht, zwischen Helligkeit und Dunkelheit – auch dann, wenn die Tage dunkel sind. Er rät, sich am Tag mehr Licht zu gönnen: Morgens oder mittags während 30 bis 45 Minuten spazieren zu gehen, Fahrrad zu fahren oder Besorgungen zu machen, am besten ohne Sonnenbrille. Das reiche schon, um selbst an einem nebligen, trüben Wintertag genügend Licht zu bekommen.

In Innenräumen sei tagsüber kaltes, blau-weisses Licht von 5000 bis 6000 Kelvin und eine Helligkeit von mehreren hundert Lux empfehlenswert. Das heisst: Schulen und Büros sollten am Tag besser ausgeleuchtet werden, als dies oft der Fall ist.

Lerche oder Eule?

Der Wissenschaftsjournalist entwickelt für sein Buch ein kleines Programm, mit dem die Leserinnen und Leser ihre innere Uhr vermehrt zum Taktgeber ihres Alltagslebens machen können. In manchen Teilen mutet es utopisch an, zumal Spork sich für eine Vier-Tage-Woche ausspricht. Denn erst eine reduzierte Arbeitsbelastung würde es erlauben, ganz dem eigenen Rhythmus zu folgen.

Wer etwa weiss, ob er seiner inneren Uhr zufolge eher mit der Lerche am frühen Morgen singt oder mit der Eule am Abend heult, weiss auch, wann er am besten arbeitet und sich seinen erholsamen Schlaf holt. Diese individuellen inneren Uhren sollten auch bei der Schichtarbeit berücksichtigt werden. Frühaufsteher in Nachtschichten einzusetzen sei ebenso falsch wie Menschen, die wie «Eulen» ticken, für die Frühschicht aus den Federn zu holen.

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