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Neuer Sammelband «Christentum von rechts»
Aus Kultur-Aktualität vom 18.08.2021.
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Neuer Sammelband Theologen warnen vor rechtsradikalen Christen-Gruppierungen

Rechtes Christentum gibt es nicht nur in den USA. Auch in Europa wirken Rechte unter christlichen Vorzeichen. Ein neues Buch klärt auf.

Fremdenhass und Islamophobie, Antisemitismus, Kritik an Gendering und Homophobie: Die fünf Autoren von «Christentum von rechts» finden in der christlich-rechten Szene die komplette rechte Denkweise.

Zum Beispiel die Piusbrüder

Gleichwohl ist das rechte Christentum weder eine Kirche noch einheitliche Bewegung. Es findet sich in christlichen Rand-Milieus: in rechts-evangelikal und nationalistisch orientierten Kreise oder bei erzkonservativen Lutheranern, die die Frauenordination ablehnen.

Es findet sich aber auch bei rechtskatholischen Traditionalisten wie den Piusbrüdern. Diese wurden von Rom exkommuniziert, weil sie die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnen.

Dieses fand in den 1960er-Jahren statt und beschloss unter anderem, dass Frauen in der Messe mitwirken dürfen. Oder dass sich die Kirche vom Antijudaismus abkehrt.

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Antisemitismus - aus der Geschichte nichts gelernt?
56:27 min, aus Kontext vom 20.01.2019.
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Aus dem Juden- wird Muslimhass

Den Antijudaismus pflegen besonders rechtskatholische Kreise weiter. Das fügt sich nahtlos in antisemitische Verschwörungstheorien ein.

Im evangelikalen Spektrum gibt es aber auch «israelfreundliche» Gruppen: «Christliche Zionisten» pflegen jedoch eher die Islamophobie. Sie haben ihr Feindbild weg vom «Weltjudentum» hin auf «den» Islam verlegt.

Jetzt sei nicht mehr nur «das Volk», «die weisse Rasse», sondern auch ein «christliches Abendland» vom Untergang bedroht.

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«Wir wollen keine Opfer mehr (sein)»
46:31 min, aus Kontext vom 30.03.2021.
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Angst vor dem eigenen Verschwinden

Unter dem Schlagwort «Christenverfolgung» wird die Angst verstärkt, das Christentum könne verschwinden und «dem» Islam das Feld überlassen.

Das täuscht über die komplexen Zusammenhänge religiöser Konflikte hinweg. Doch diese genau zu analysieren, ist kompliziert. Einfacher ist es, Schuldige zu finden und sich selbst als Opfer zu stilisieren.

Neue rechte Intelligenzia

Noch tummeln sich «rechte Christen» vor allem im Netz. Noch sei ihre Sprache polemisch und arm an Argumenten. Das ändere sich aber, warnen die Autoren von «Christentum von rechts». Sie alle dozieren an Universitäten in Theologie und Ethik und beobachten mit Sorge, wie eine neue rechte Intelligenzia christliche Hochschulen infiltriere.

Ein Beispiel sind die «Christen in der AfD» und ihre parteinahe «Desiderius Erasmus Stiftung». Die Namensgebung nach dem grossen Humanisten Erasmus von Rotterdam zeige, wie sich die christliche Rechte in eine akademisch-christliche Tradition stellen möchte. Eine Verwechslung mit den Erasmus-Programmen europäischer Universitäten scheint gewollt.

Buchhinweis

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Johann Hinrich Claussen, Martin Fritz, Andreas Kubik, Arnulf von Scheliha, Rochus Leonhardt: Christentum von rechts. Verlag Mohr Siebeck, 2021. (Auch als E-Book.)

Anleihen bei Bonhoeffer

Besonders alarmierend ist für die evangelischen Studienautoren die Instrumentalisierung des christlichen Widerstandsgedankens. Er wurde von Dietrich Bonhoeffer geprägt.

Der evangelische Theologe war die Führungsfigur des kirchlichen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Er wurde von den Nazis 1945 hingerichtet. Erst nach dem Krieg entfalte sich seine Widerstandstheologie und Ethik in der Kirche.

Jetzt bedienen sich also rechte Christinnen und Christen dieses «Widerstandstopos». Das ist nicht nur geschichtsvergessen, es ist auch anstössig.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 24.8.2021, 17:20 Uhr;

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72 Kommentare

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  • Kommentar von Mark De Guingois  (MDG)
    Natürlich ist die Bibel aktuell.
    Was ich im anderen Post geschrieben habe war die Meinung viele, die sich Christen nennen. Für mich ist Christ sein und an die Bibel und an Jesus zu glauben unzertrennlich.

    Vieles was heute mainstream ist ist eine Verwässerung des Evangeliums und hat kein Geschmack mehr. Darum gehen die Leute nicht mehr in die Kirche. Es wird vom Leben der Steine und von Bibellegende symbolisch unsere Gedanken inspirierten. Das ist oft nur Hypnose und kein Evangelium mehr.
  • Kommentar von Alexander Markert-v.Weljaminoff  (Trollfrei)
    Zur modernen Theologie könnte man auch überspitzt sagen, dass sie seit nunmehr 170 Jahren ständig damit beschäftigt ist, alle Berichte in beiden Testamenten über Zeichen (Wunder) als Fälschungen zu diskreditieren, bloss weil diese nicht zum veralteten Bild der Physik des 19 Jh. passen. Der Sinn der Zeichen war es aber zu zeigen, dass diese von nicht menschlicher Hand geschahen. Heutzutage glauben nur noch die, von denen Jesus sagt: Selig sind die die nicht sahen und doch glauben. (Joh. 20, 29)
  • Kommentar von Mark Weber  (markweber)
    Noch ist die Argumentation arm an Argumente? Aber der Autor befürchtet, dass sich das ändern wird?

    Seltsame Haltung. Will man sich mit den zu erwartenden Argumenten nicht befassen… Was, wenn es gute Gründe gäbe, z.B. dem Islam gegenüber skeptisch zu sein?

    Besser wäre es doch, wenn man sachlich argumentieren könnte.