Am 30. November eröffnet das Jüdische Museum der Schweiz am neuen Standort, unweit des Spalentors in Basel. Dort betraten im Mittelalter die Jüdinnen und Juden aus dem Elsass die Stadt. Ganz nah beim neuen Museum, am Petersplatz, lag einst auch der Friedhof der ersten jüdischen Gemeinde.
Mit dem neuen Gebäude – einem ehemaligen Tabaklager – verdoppelt das Jüdische Museum seine Ausstellungsfläche.
Die grosse Leistung des Jüdischen Museums in Basel ist es, Schweizer Geschichte aus jüdischem Blickwinkel zu erzählen.
Vom Betsaal bis zum Heidi-Buch
Das umgebaute Haus bietet Raum für deutlich mehr Objekte aus der Sammlung. Zum Beispiel sind hier die Holzbänke eines Betsaals aus Solothurn wieder aufgebaut.
Die Installation lädt zum Verweilen ein. So lassen sich die vielen Eindrücke sortieren: zum Beispiel vom frühesten Zeugnis jüdischen Lebens in der Schweiz, einem antiken Ring, der einen siebenarmigen Leuchter zeigt. Er wurde 2001 in Kaiseraugst gefunden. Überraschend ist ein hebräisches Heidi-Buch von ungefähr 1950.
Die Direktorin Naomi Lubrich erzählt: «Das Buch war nach dem Krieg in Israel besonders beliebt, weil es dort sehr viele Waisenkinder gegeben hat. Heidi ist bekanntlich ein Waisenkind, das in den Schweizer Alpen zu neuer Lebensfreude findet.» Das Buch sollte den Kindern neuen Lebensmut geben.
Vieles, wofür früher der Platz fehlte, stellt das Jüdische Museum nun aus. Zum Beispiel Gegenstände aus sephardischen, also nordafrikanischen, jüdischen Familien in der Westschweiz. Das Museum ist mit seinem Blickwinkel in der Schweiz einzigartig, eine wichtige Instanz der Bewahrung und Vermittlung jüdischer Kultur und Geschichte.
Das findet weitherum Anklang, sagt Nadia Guth Biasini, Präsidentin des Vereins für ein Jüdisches Museum: «Das Museum wird gut besucht von einzelnen Besuchern, von Touristinnen, von Gruppen, von Schulklassen und ist sehr gut eingebettet in die Basler Museumslandschaft.»
Der Umbau und die Neueinrichtung des Jüdischen Museums haben rund 8.5 Millionen Franken gekostet. Ein Drittel davon stammt von der öffentlichen Hand. Den Löwenanteil übernehmen Private. Sie ermöglichen damit etwas Grossartiges.