Niet! Wie russische Künstler gegen Putin protestieren

Kunst sollte frei und kritisch sein. Auch in Russland. Das fordern neben Pussy Riot immer mehr russische Musiker, Literaten und Künstler. Sie protestieren mit den Mitteln der Kunst im eigenen Land gegen Putins Politik. Diese fünf russischen Dissidenten sollte man sich merken.

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      Boris Akunin
      Boris Akunin, den Kopf leicht aufgestützt. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Grigori Schalwowitsch Tschchartischwili, der unter dem Pseudonym «Boris Akunin» schreibt. Imago/fotoimedia

      Der Japanologe und Autor Grigori Schalwowitsch Tschchartischwili schreibt unter dem Pseudonym «Boris Akunin» populäre Kriminalromane. Dabei verwendet er oft historische Stoffe und durchwebt diese mit gesellschaftskritischen Anspielungen auf die Gegenwart.

      Akunin ist nicht nur Literat, sondern auch Aktivist: Am 9. Mai 2012 rief er zu einem Protestspaziergang durch Moskau auf, zu dem sich mehr als 10‘000 Demonstranten versammelten. Das Pseudonym «Akunin» bedeutet auf Japanisch übrigens «Bösewicht». Viel wichtiger aber: Mit gekürztem Vornamen «B. Akunin» erklingt der Name des berühmten russischen Anarchisten Michail Bakunin.

    • 2.
      Dmitri Bykow
      Dmitri Bykow, lachend nach oben schauend, in ein Mikrofon sprechend. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Boshafter Schalk: Dmitri Bykow auf der Bühne. Imago/fotoimedia

      Dem Dichter und Publizisten fehlt es nicht an boshaftem Schalk. Seine Poesie besteht oft aus Parodien und Paraphrasen berühmter russischer Gedichte, die zum Pflichtstoff in russischen Schulen zählen. Insofern kann seine Kunst vielleicht als die russischste aller Protestformen gelten.

      Bykow verfasste zudem erfolgreiche Biografien über Boris Pasternak und Maxim Gorky. Zusammen mit dem Schauspieler Makhail Yefremov gründete er das Projekt «Citizen Poet»: Yefremov liest dabei satirische und regierungskritische Gedichte von Bykow. Die populäre Sendung wurde zwischenzeitlich verboten.

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      Pjotr Andrejewitsch Pawlenski
      Pjotr Andrejewitsch Pawlenski, mit zugenähtem Mund, Porträt nah. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Pjotr Andrejewitsch Pawlenski bei seiner Aktion vor der Kazan Kathedrale in Petersburg, 23. Juli 2012. Imago/Eastnews

      Der studierte Wandmaler sorgte als Konzeptkünstler und politischer Aktivist immer wieder für Schlagzeilen. Etwa dann, als er sich aus Protest gegen die Inhaftierung von Mitgliedern der Band «Pussy Riot» den Mund zunähte oder sich vor einem Regierungsgebäude nackt in Stacheldraht einwickelte.

      Ende 2013 nagelte Pawlenski seinen Hodensack an den Roten Platz in Moskau, um die russische Bevölkerung aus ihrer Gleichgültigkeit und Reglosigkeit aufzurütteln. Im Oktober 2014 sass er nackt auf dem Dach des führenden Instituts für forensische Psychiatrie in Moskau und schnitt sich ein Ohrläppchen ab, angeblich, um sich gegen die Ausgrenzung der Unvernunft aufzulehnen.

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      Andrej Makarewitsch
      Andrei Makarewitsch, mit Gitarre und Hut, lachend. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Andrei Makarewitsch an einem Konzert in Kiev, 22. Juli 2015. Imago/Zuma Press

      Der Musiker ist der Kopf der 1969 gegründeten kultigen Rockband Maschina Wremeni (Zeitmaschine). Diese war in den 1970er- und 1980er-Jahren eine der einflussreichsten Bands in der Sowjetunion und hatte dort einen ähnlichen Stellenwert wie die Beatles.

      Seit Beginn des Ukrainekonflikts spricht sich Makarewitsch entschlossen gegen den Krieg aus. Er hatte gegen die Annexion der Krim protestiert und den prorussischen Separatisten geraten, ihre Ziele entweder mit legalen Mitteln zu verfolgen oder nach Russland zu emigrieren. Zudem schrieb der Rockstar ein Lied, das in Moskau heftiger diskutiert wurde als manche Rede eines Politikers: «Mein Land ist verrückt geworden … was soll man da tun? Man braucht weder Flügel noch Heiligenschein, man darf einfach kein Dreckstück sein!»

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      Vasya Oblomov
      Vasya Oblomov, mit Sonnenbrille und Gitarre, singend am Mikrofon. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Vasily Goncharov, der unter dem Pseudonym «Vasya Oblomov» rappt. Imago/fotoimedia

      Der 31-jährige Autor, Rapper und Aktivist Vasily Goncharov rappt unter dem Pseudonym «Vasya Oblomov» mit satirischen Texten über lyrischen Beats. Oblomov verwendet Humor und Satire, um die russische Politik und Gesellschaft zu kritisieren. Er spricht insbesondere die junge Generation an, was sich auch an seiner Sprache zeigt: Der Refrain seines Stücks Wahrheit (Prawda) lautet etwa: «Solche Scheisse liebt unser Volk». Berühmt wurde er mit dem Song Magadan, der an die Hoffnungen vieler Russen appelliert.

      Aufgrund der regierungskritischen Polemik seiner Texte wurde der Ausspruch «Sing Vasya, Sing!» zur Formel des Protests gegen Putin und zum Ausdruck der Träume und Hoffnungen vieler Russinnen und Russen.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 13.09.2015 11:00

    Sternstunde Philosophie
    Viktor Jerofejew – Russland lieben

    13.09.2015 11:00

    Der streitbare russische Schriftsteller Viktor Jerofejew beschreibt die Absurditäten der russischen Identität und äussert sich kritisch zur Politik seiner Heimat. Im Gespräch mit Juri Steiner spricht er über Putins Träume, die Kraft der Literatur und die Gefahren der Kritik.