«Niklaus von Flüe zieht mich in die Tiefe»

Der Obwaldner Bauer Niklaus von Flüe krempelt mit 50 Jahren sein Leben um. Er verlässt seine Frau und zehn Kinder und wird Einsiedler. Das war im 15. Jahrhundert. Martin Iten ist ein Nachkomme von Niklaus von Flüe und findet auch heute Trost und Rat im Zwiegespräch mit seinem Vorfahren.

Die Geschichte elektrisiert die Menschen bis heute: Niklaus von Flüe, im Volk Bruder Klaus genannt, steckt in einer Lebenskrise. Der angesehene Bauer, Ratsherr und Richter aus Obwalden fastet und betet. Er fehlt am Familientisch.

Metallskuptur von einer Frau mit drei Kindern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Darstellung von Dorothea von Flüe mit drei von zehn Kindern. SRF

Es zieht ihn fort von seiner Frau Dorothea Wyss und von seinen fünf Töchtern und fünf Söhnen. Monatelang ringen sie. Schliesslich zieht er mit ihrem Einverständnis als Pilger fort.

Bekannt über die Eidgenossenschaft hinaus

Niklaus von Flüe geht als Wallfahrer ins Ausland. Von einer Vision bewegt, kehrte er jedoch um und lebt 20 Jahre als Eremit in der Ranftschlucht.

Nur einen Steinwurf von seiner Frau und seiner Familie entfernt, führt der Gottessucher ein Leben in völliger Abgeschiedenheit. Er verzichtet auf Essen und Trinken und wird dadurch weit über die Eidgenossenschaft hinaus bekannt.

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Die Sternstunde Religion über Niklaus von Flüe: «Bruder Klaus - Mensch und Mystiker».

Der Friedensstifter beim Stanser Verkommnis

«Verrückt» findet Martin Iten diese Geschichte und fügt hinzu: «Ich sehe es als gemeinsames Projekt von Dorothea und Niklaus.» Das Ja seiner Frau habe letztlich erst ermöglicht, dass Bruder Klaus Eremit und Friedensstifter geworden sei.

Beim sogenannten Stanser Verkommnis 1481 hat Niklaus von Flüe den zerstrittenen Eidgenossen offenbar eine wichtige Botschaft überbringen lassen und mit seinem Rat zum Frieden beigetragen.

Nachkomme der Tochter von Bruder Klaus

Martin Iten hat sich früh mit dem Leben von Bruder Klaus auseinandergesetzt. Er ist mit ihm verwandt, in der 17. Generation. Sein Stammbaum geht zurück auf Dorothea, die älteste Tochter von Niklaus von Flüe und Dorothea Wyss.

«Meine Eltern sind vor wichtigen Entscheidungen zu ihm in den Ranft gepilgert, haben seinen Rat gesucht», erinnert sich Martin Iten. Er hält es genauso. Bruder Klaus ist ihm ein väterlicher Freund und Ratgeber.

Von seiner Hochzeit hat ihm der Eremit im inneren Zwiegespräch aber offenbar nicht abgeraten. Seit einem Jahr ist Martin Iten verheiratet.

Eine Liste von Namen, angefangen bei Nikolaus von Flüe. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Stammbaum von Martin Itens Eltern – Agatha Andermatt und Franz Iten. Martin Iten

Rückzug in die Stille

Der Grafiker Martin Iten macht sich im Alter von 20 Jahren selbständig, arbeitet viel, ist überfordert, gerät in eine Krise. Er zieht sich zurück.

Drei Jahre lang lebt und arbeitet er in einer ehemaligen Eremitage auf einem Berg im Kanton Nidwalden.

«In dieser Zeit war ich mit mir selber konfrontiert. Ich musste lernen, mit mir selber klarzukommen», sagt er heute.

Martin Iten entdeckt den Wert von Freundschaft und Familie und den Geschmack des Lebens neu und kehrt in die Gesellschaft zurück.

Niklaus von Flüe als Inspirationsquelle

Bruder Klaus bleibt er verbunden: «Niklaus von Flüe zieht mich in die Tiefe», erklärt Martin Iten. Er nimmt sich Zeit für Meditation und Gebet, für seine Gottesbeziehung.

Auf seine Verwandtschaft mit Niklaus von Flüe bildet er sich nichts ein. Es gebe ja viele Nachkommen von Bruder Klaus, kein Wunder bei fünf Töchtern und fünf Söhnen, rechnet er schmunzelnd vor. Bruder Klaus inspiriert ihn, seinen Glauben zu leben und sich für Frieden einzusetzen.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 25.09.2016 10:00

    Sternstunde Religion
    Bruder Klaus - Mensch und Mystiker

    25.09.2016 10:00

    Der Bauer und Ratsherr Niklaus von Flüe vollzieht im Alter von 50 Jahren eine dramatische Lebenswende. Er verlässt seine Frau Dorothea Wyss und seine zehn Kinder. Bis zu seinem Tod lebt er 20 Jahre als Eremit in der nahegelegenen Ranftschlucht. «Sternstunde Religion» diskutiert vor Ort.