Ökumene: Heraus zum gemeinsamen Abendmahl

Seit Jahren feiern Christen verschiedener Konfessionen gemeinsam das Abendmahl. Katholiken ist das verboten, die gemeinsame Feier mit anderen Christen wurde aber stillschweigend geduldet. Doch jetzt wird die Forderung laut, dass die Kirche die gelebten Rituale ihrer Gläubigen anerkennt.

Evangelisch-reformierte Pristerin bricht das Brot fürs Abendmahl. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bei den Katholiken nur ein frommer Wunsch: Pfarrerin bricht das Brot fürs Abendmahl. Keystone

Der Zankapfel ist seit Jahrhunderten das Abendmahl, die Eucharistie oder Kommunion, wie das christliche Ritual auch genannt wird. Die römisch-katholische Kirche verbietet, die Feier gemeinsam mit Reformierten zu begehen.

Von oben verboten, an der Basis gelebt

Was von oben offiziell verboten ist, wird unten an der Basis bereits seit Jahren gelebt. Schon 1972 feierten Katholiken und Protestanten in der Lazariterkirche in Gfenn bei Dübendorf das ökumenische Abendmahl. Solange es kein Aufsehen erregte, wurde es stillschweigend geduldet. Doch nun fordern immer mehr Katholikinnen und Katholiken, dass die Handlungen und Rituale, die bis jetzt im Verborgenen zelebriert wurden, öffentlich und von den Kirchenoberen anerkannt werden.

Pfarrei-Initiative ist bis nach Rom gedrungen

Die gemeinsame Eucharistiefeier in Gfenn ist nur eine von mehreren Forderungen der Basis. Letzten Herbst startete die Pfarrei-Initiative mit ihrer Unterschriftensammlung, in der Kirchenvertreter fordern, das bereits Gelebte anzuerkennen. So wird bereits heute die Kommunion auch an Geschiedene gespendet, Homosexuelle werden in den Kirchgemeinden akzeptiert und respektiert, zudem predigen theologisch ausgebildete Frauen, die auch Sakramente spenden.

Bereits über 500 Personen, die im kirchlichen Dienst stehen, haben die Initiative unterschrieben. Der Ruf der Pfarrei-Initiative ist bis nach Rom gedrungen, wo sich am 1. Juli die drei Bischöfe aus den hauptbetroffenen Bistümern Basel, Chur und St. Gallen mit dem Präfekten der Glaubenskongregation treffen. Das Traktandum ist die Pfarrei-Initiative, viel mehr ist noch nicht bekannt.

Bischöfe zeigen sich reserviert

Bereits ein halbes Jahr vor der Pfarrei-Initiative haben die Katholikinnen und Katholiken beider Basel eine kirchliche Gleichstellungsinitiative gestartet. Darin fordern sie das Priesterinnenamt und die Abschaffung des Pflichtzölibats.

Soeben haben die Kirchenparlamente beider Basel mehrheitlich zugestimmt, demnächst wird dazu noch das römisch-katholische Kirchenvolk an die Urne gerufen. Stimmt es zu, müssen sich Kirchenleitung wie auch staatliche Behörden für eine Gleichstellung einsetzen.

Es scheint, als ob das katholische Kirchenvolk langsam aufwacht und zum Sturm ansetzt. Da fehlen natürlich die Reaktionen auf der anderen Seite nicht. Insbesondere aus dem Bistum Chur hört man empörte Stimmen. Bischof Vitus Huonder lehnt alle Forderungen der Pfarrei-Initianten wie auch das ökumenische Abendmahl kategorisch ab.

Der Basler Bischof Felix Gmür und Markus Büchel aus St. Gallen geben sich versöhnlicher. Auch wenn von ihrer Seite bis jetzt noch keine Zustimmung zu hören war, haben sie doch ein offenes Ohr für die Anliegen der Kirchenbasis und haben einen Gesprächsprozess lanciert.

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