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Prachtspalast in Rom zu verkaufen – an Privat
Aus Kultur-Aktualität vom 08.02.2021.
abspielen. Laufzeit 03:40 Minuten.
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Palazzo Sacchetti Dieser Prachtspalast polarisiert in Italien

In Rom steht der sagenumwobene Palazzo Sacchetti zum Verkauf. Das lässt massive Kritik am Staat und der Stadt Rom laut werden.

Die römische Filiale des Auktionshaus Sotheby’s hat eine ganz spezielle Immobilie im Angebot: den Palazzo Sacchetti in der Via Giulia, Hausnummer 66 – einer der schönsten und prächtigsten Palastbauten Roms aus der Zeit der Spätrenaissance. 15 Schlafzimmer, 8 Badezimmer, 1000 Quadratmeter Wohnfläche und ein Garten zum Fluss Tiber. Der Preis wird in der Ausschreibung, Link öffnet in einem neuen Fenster nicht genannt.

Errichtet wurde das Prachtstück im frühen 16. Jahrhundert. Das Besondere an den Innenräumen, vor allem in den Sälen der Fürstenwohnung, sind die Wandmalereien: geschaffen von Meistern der Spätrenaissance und des Manierismus. Freskenzyklen, wie sie selbst in römischen Privatpalästen selten sind.

Innenhof in einem sehr alten Gebäudekomplex
Legende: Bereits der Hof des Palazzo Sacchetti beeindruckt mit hohen Bögen und viel Geschichte. imago images / Insidefoto

In der Regel leben in Roms Palästen immer noch die Nachfahren aristokratischer Familien, die sich die Residenzen im 16. bis 18. Jahrhundert errichten liessen.

Einige der Paläste grosser Familiennamen wie Colonna, Borghese oder Pallavicini sind heute zugänglich. Gerade die Gemäldesammlungen, untergebracht in den Prachtsälen, gehören zu den schönsten Orten, die Rom-Reisende besuchen können.

Früher privat, heute Museum

In der Vergangenheit erwarb in nicht seltenen Fällen der italienische Staat und auch die Stadt Rom Paläste und andere Adelsresidenzen, die einst in Familienbesitz waren. Die in diesen Gebäuden untergebrachten Kunstsammlungen wurden zu Museen umgewandelt.

So zum Beispiel der 1927 vom Staat erworbene Palazzo Spada, ein Meisterwerk frühbarocker Architektur. Gekauft wurde diese Mega-Immobilie mit allen Kunstwerken und Möbeln. Heute ist der Palazzo Spada eines der schönsten Museen Roms und Sitz des Staatsrates.

Blick in eine riesigen Raum eines Palastes
Legende: Durch die unzähligen Wandmalereien und Freskenzyklen beeindruckt der Palazzo Sacchetti besonders von innen. Getty Images / ullstein bild

Protest gegen den Verkauf

Viele Kunsthistoriker, Bürgerinnen und Kulturpolitiker protestieren nun gegen den Verkauf des Palazzo Sacchetti an Privatleute. Sie fordern, dass der Staat oder die Stadt Rom die Immobilie aufkaufen sollten. Um darin ein Museum einzurichten oder die Prachtsäle für Kulturveranstaltungen zu nutzen.

Doch Staat und Stadt sind klamm. Die üppigen Zeiten für kulturpolitische Initiativen sind angesichts einer astronomisch hohen Staatsverschuldung vorbei.

Die geschätzt 30 Millionen Franken scheinen eine zu grosse Investition zu sein. Fakt ist aber, dass der neue Besitzer im Palazzo Sacchetti nichts umbauen oder sonst wie verändern darf. Italiens Denkmalschutz kontrolliert und ahndet Verstösse scharf.

Bild einer Fassade
Legende: Der Palazzo Sacchetti gilt heute als einer der schönsten späten Renaissance-Gebäude in Rom. Getty Images / DEA

Fehlen politische Anreize?

Was in Italien – im Gegensatz zu Grossbritannien – fehlt, sind steuerpolitische Anreize, damit die Eigentümer bedeutender Kulturgüter ihre Räumlichkeiten für Besuchende öffnen. So wie es nun auch beim Palazzo Sacchetti gefordert wird.

Aus diesem Grund fordern Kunsthistoriker, dass die Regierung solche Anreize möglichst bald entscheiden wird. Damit nicht auch der Palazzo Sacchetti zukünftig nur ganz privat genutzt wird und niemand mehr die fantastischen Freskenbilder zu sehen bekommt.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur,

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Bern  (AndyBern)
    Spendenkonto für den Erwerb einrihten und Spenden sammeln! Oder ein Aktien-Gesellschat mit Gemeinnütziger Statuen.
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  • Kommentar von Axel Christoph Gampp  (ACG_CH)
    Zunächst einmal handelt es sich beim ersten Photo um den Palazzo Spada und nicht um den Palazzo Sacchetti, dann tragen die Sacchetti den Titel "Marchese" (Markgraf) und nicht "Principe" (Fürst) und dann sind Spätrenaissance und Manierismus kunsthistorisch gesehen weitgehend identisch. Ein bisschen mehr Sorgfalt oder vielleicht auch ein bisschen mehr Sachkenntnis dürfte es schon sein. Strinati ist ausserdem seit Jahren nicht mehr im Amt. Interessant wäre wohl doch der gegenwärtige Amtsinhalber
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    1. Antwort von SRF Kultur (SRF)
      @Axel Christoph Gampp: Danke für die Hinweise. Wir haben das Bild ausgetauscht. Zu Ihren anderen Punkten: Die Sacchetti sind Marchesi, also Herzöge. In Rom werden Familien, auch in der städtischen Geschichtsschreibung, die der Kirche dienten, als Fürsten und auch Prinzen bezeichnet. Wenn wir ganz genau sein wollen, hätten wir also "Herzogenwohnung" schreiben müssen, was sprachlich nicht schön ist. "Fürstenwohnung" trifft es also auch.
      Zu Spätrenaissance und Manierismus: sagen Sie das einmal italienischen Kunsthistorikern! Die werden antworten, dass der Manierismus in Italien eine eigene Stilrichtung der Renaissance und somit von deren klassischen Stilmerkmalen unterschieden ist. Doch existiert unter Experten ein Streit darüber, ob Manierismus eine eigene Stilrichtung zwischen Renaissance und Barock ist - ein Streit, der nicht entschieden ist.
      Claudio Strinati ist, auch wenn er nicht mehr in führender Position für das Kulturministerium arbeitet, immer noch ein hoch angesehener Kunsthistoriker, der publiziert, kuratiert, Vorträge hält, auch im TV präsent und alles andere als ein Pensionär ist, der nichts mehr zu sagen hat. Hinzu kommt, dass er einer der ausgewiesenen italienischen Experten für die Kunst zwischen dem 15. und 18. Jh. ist. Herzliche Grüsse, Thomas Migge
  • Kommentar von Daniela Langenauer  (Daniela L.)
    Das wäre doch ein super Projekt für Crowd-Founding. International würden sicher viele gerne einen Betrag beisteuern, um den Palast dann irgendwann mal als öffentlich zugängliches Museum zu besuchen.

    Wäre doch jammerschade, wenn solche Kulturgüter wieder hinter privaten Türen verschwinden. Das wäre die Chance !
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