Papst Franziskus lächelt – als Cover-Modell und Supermann

Papst Franziskus ist seit einem Jahr im Amt. Ein Rückblick zeigt: Menschenmassen strömen zu seinen Messen und er ist ein Liebling der Medien. Neuerdings gibt es ihn in Rom sogar als Graffito. Und doch: Er wird die Fortschrittsgläubigen wohl enttäuschen.

Graffiti vom Papst als Superman in weiss. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Graffito in der Nähe des Vatikans zeigt Papst Franziskus als Superhelden. Keystone

Seit seiner Wahl ist Papst Franzsikus ein Liebling der Medien – und der Gläubigen. Jeden Mittwoch und Sonntag füllt er den Petersplatz wie es sein Vorgänger nur zum Osterfest schaffte. Zu seiner Beliebtheit beigetragen hat zweifellos sein Credo, die Kirche müsse für die Armen da sein. Und natürlich seine publikumswirksamen Aktionen: Der Papst umarmt einen schwer entstellten Mann, wischt die Füsse einer muslimischen Gefangenen oder ruft einen schwerkranken Jugendlichen zuhause an, um sich mit ihm zu unterhalten.

«Cover Girl» und «Superman»

Porträt papst auf Titelbild Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Papst Franziskus I. lächelt vom Cover des Musikmagazins «Rolling Stone» (Februar 2014). Twitter/Rolling Stone

Ein bescheidener und volksnaher Papst also. Und ein populärer: So populär, dass sich das Musikmagazin «Rolling Stone» entschieden hat, ihm das Titelbild der Februarausgabe 2014 zu widmen. Damit steht er in einer Reihe mit Musikgrössen wie John Lennon und David Bowie. Lächelnd winkt der Papst vom Cover. Er hat ja auch schon einige Übung darin, war er im letzten Jahr bereits Cover-Modell des Time Magazine und der italienischen Modezeitschrift Vanity Fair.

Papst und Popkultur sind zwei Themen, die im aktuellen Zeitgeist durchaus zusammenpassen. «Wir teilen mit euch ein Graffito, das an einer Wand in einer Strasse in Rom in der Nähe des Vatikans entdeckt wurde», twitterte der Vatikan Ende Januar – nicht ohne Stolz mit Bild. Zu sehen: der weissgewandete Papst als fliegender Supermann, mit gestreckter rechter Faust, in der Linken eine Aktentasche. «Valores», Werte, steht darauf.

Populär, aber nicht progressiv

Die weltweite Popularität des Papstes, ein Jahr nach seine Amtseinsetzung, zeigt: Seine Wahl war wie eine Befreiung nach acht Jahren Papsttum unter dem nüchternen und scheuen Josef Ratzinger alias Benedikt dem XVI. Die Welt lechzte nach einem Pontifex mit weniger Pomp und mehr Charisma. Und sie hat diesen bekommen in der Person Bergoglios, der nach nur fünf Wahlgängen zum Papst gewählt wurde. Dass Papst Franziskus die skandalumwitterte Vatikanbank reformiert und die einflussreiche Curie entmachtet hat, wird ihm hoch angerechnet. Auch wenn er damit weitgehend den Anweisungen seines Vorgängers Josef Ratzinger folgte, der ihm ein 600-seitiges Handbuch zum Vatikan hinterlassen hat.

Mehr als fraglich ist jedoch, ob Papst Franziskus die starren Dogmen der katholischen Kirche lockern will. Bisher lehnt er sogar die Zulassung Geschiedener zu den heiligen Sakramenten ab. Papst Franziskus mag die katholische Kirche in den Medien besser verkaufen als sein Vorgänger. Die progressiven Kräfte wird wohl aber auch er enttäuschen.

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