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Papst trifft Mapuche-Indigene «Es ist viel Wiedergutmachung angebracht»

Der Papst hat sich heute auf seiner Südamerikareise mit den Mapuche getroffen. Das indigene Volk wehrt sich seit Jahren gegen die Zerstörung ihrer angestammten Gebiete. Ein Experte für bedrohte Völker über Franziskus' Vermittlungsversuch.

Papst Franziskus beim Treffen mit den Ureinwohnern.
Legende: Papst Franziskus beim Treffen mit den Mapuche in Chile. Keystone

SRF: Wie beurteilen Sie das Treffen von Papst Franziskus mit den indigenen Mapuche?

Christoph Wiedmer: Es ist das erste Mal, dass ein Papst sich um die Interessen der indigenen Mapuche kümmert. Das ist insofern ein gutes Zeichen, als dass die Mapuche bis jetzt sehr schlechte Erfahrungen mit der katholischen Kirche gemacht hatten. Schlechte Erfahrungen gibt es natürlich auch mit dem Staat Chile, der den Mapuche das Land weggenommen hat und ihre traditionellen Lebensrechte und traditionelle Kultur nicht akzeptiert.

Die katholische Kirche ist seit den Anfängen der spanischen Kolonialisierung ein Feindbild in den Augen der Mapuche. Kann der Papst diese Fronten tatsächlich auflockern?

Die Mapuche wissen, dass der Papst auch heute noch eine grosse Rolle spielt und die katholische Kirche eine wichtige Rolle im Staat selber durchführt.

Sie wissen genau: Wenn der Papst ihnen zuhört, besteht die Möglichkeit, ihre Rechte vehementer gegenüber dem chilenischen Staat einzufordern.

Kann der Besuch von Papst Franziskus, dieser Vermittlungsversuch, über den Symbolcharakter hinausgehen?

Der Besuch hat mehr als einen Symbolcharakter, weil er einer sehr mächtige Institution entspricht. Darum denke ich schon, dass die Mapuche sehr gut beraten sind in diesem Falle.

Sie werden den Papst anhören und ihm ihre Wünsche vermitteln. Denn er hat noch heute eine grosse Auswirkung auf die chilenischen Mehrheitsgesellschaft und auf die chilenische Regierung.

Wie gross sind die Chancen, dass die Mapuche ihr Land im Süden Chiles zurückerhalten?

In der letzten Zeit hat, trotz dem Versuch der Regierung die Mapuche als terroristische Gruppen zu deklarieren, ein Umdenken stattgefunden. Auch in der chilenischen Gesellschaft ist langsam die Erkenntnis da, dass man den Mapuche das Land weggenommen und etwa den Multinationalen und den Plantagenbesitzern geschenkt hat – praktisch gratis.

Dass das rückgängig gemacht werden sollte, ist klar. Wie das genau aussehen könnte, ist noch offen. Aber dabei könnten gerade der Papst und die Bischöfe vor Ort eine vermittelnde Rolle übernehmen, damit dieser Dialog entsteht und hoffentlich eine Lösung geschaffen wird, die für beide Seiten akzeptabel wäre.

Kritiker sagen, dass die Reise zu den indigenen Völkern in Peru und Chile auch missionarischen Charakter hat. Möchte Papst Franziskus den indigenen den Katholizismus näherbringen?

Ich denke, dass der Papst heute weniger mit der Bibel in der Hand geht und sagt: «Das ist jetzt euer Buch.» Gleichzeitig ist es so, dass evangelikalische, ziemlich fundamentalistische christliche Kreise eben auch in diesen Gemeinschaften unterwegs sind und missionieren.

Die katholische Kirche ist darüber besorgt und hat dadurch auch egoistische Ziele, diese zurückzudrängen. Generell haben sowohl die Evangelikalen wie auch die katholische Kirche sehr viel Schaden an der Tradition und der Kultur der Indigenen ausgelöst.

Da ist viel Wiedergutmachung angebracht. Der Papst heute wird eine andere Haltung zeigen als das, was die Päpste vor ihm gemacht haben.

Das Gespräch führte Igor Basic.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 17.1.18, 6.50 Uhr

Zur Person

Christoph Wiedmer ist Co-Geschäftsleiter der Gesellschaft für bedrohte Völker. Sein Team führt Kampagnen und Projekten zur Unterstützung von Minderheiten und indigenen Völkern durch und versteht sich auch als Informationsplattform.

2 Kommentare

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