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Peruanische Frühkultur Der staubige Weg zu den Göttern

Die Bodenzeichnungen der Nasca in Peru sind faszinierende Zeugnisse einer bis heute geheimnisvollen Frühkultur. Eine Ausstellung im Museum Rietberg in Zürich zeigt, dass die Nasca noch andere Spuren hinterlassen haben.

Schwarzweissbild einer Gebirgslandschaft, in der Ein riesieges Tier auf den Boden gezeichnet wurde
Legende: Faszinierende Spuren einer vergangenen Kultur: Die Nasca haben in Peru gigantische Bodenzeichnungen hinterlassen. Alfonso Casabonne

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Frühkultur der Nasca hat in der peruanischen Wüste gigantische Tierbilder zurückgelassen.
  • Da die Nasca keine schriftlichen Zeugnisse hinterliessen, gibt es viele Spekulationen über die Bodenzeichnungen und die Kultur der Nasca.
  • Das Museum Rietberg in Zürich sucht in einer Ausstellung zur Nasca-Kultur nach Antworten.

In einer trockenen Hochebenen im Südwesten Perus finden sich riesige Bodenzeichnungen – die Nasca-Linien. Sie zeigen abstrahierte Tiere wie Hund, Affe, Kolibri oder geometrische Muster.

Diese Geoglyphen, wie solche in den Boden gescharrten Figuren genannt werden, gehören zu den grossen frühgeschichtlichen Sehenswürdigkeiten der Welt.

Die Nasca-Kultur

Die Nasca lebten von 200 vor Christus bis 650 nach Christus im südlichen Peru. Sie siedelten in den fruchtbaren Tälern der Flüsse und hatten eine hoch entwickelte Kultur, von der zahlreiche Funde künden. Neben den berühmten Geoglyphen hinterliessen die Nasca auch zahlreiche Keramiken, Musikinstrumente und Stoffe – allesamt wunderbar farbenprächtig und erstaunlich gut erhalten. Schriftzeugnisse aber hinterliessen die Nasca nicht. So bieten die Zeugnisse ihrer Kultur viel Raum für Spekulationen.

Touristische Unternehmen bieten Rundflüge über die Scharrbilder an, die bis zu zwei Kilometer umfassen können.

Doch so populär die in den 1920er-Jahren entdeckten Geoglyphen als Fotomotive sind, so rätselhaft sind sie bis heute: Welche Bedeutung hatten die Bodenzeichnungen der Nasca? Wie lebten die Menschen, die sie angefertigt haben?

Ideales Klima

Gefunden wurden Schüsseln und Schalen der Nasca, Keramikflaschen und -trommeln und reich gemusterten Baumwollgewebe in Gräbern, die sich in den Hochebenen zwischen den wasserreichen Tälern und den Bergen fanden. Im extrem trockenen Klima dieser Hochebenen wurden die Keramiken und Textilien ideal konserviert.

Ausstellungsbilder im Museum Rietberg.
Legende: Das Museum Rietberg bringt die Geoglyphen der Nasca-Kultur aus Peru nach Zürich. Matthias Willi

Die informative und sehr stimmungsvoll gestaltete Ausstellung im Museum Rietberg präsentiert Kulturzeugnissen der Nasca aus peruanischen Sammlungen, die erstmals in dieser Fülle in Europa zu sehen sind. Und sie führt die Besucherinnen und Besucher in eine faszinierende und geheimnisvolle Welt.

Rundes Tongefäss in der Form eines Menschen.
Legende: Dieses bemalte Ton-Gefäss ist zwischen 50 und 300 n. Chr. entstanden. Museo Nacional de Arqueología, Antropología e Historia del Perú/Yuvissa Mijulovich

Die Quellen des Lebens

Die Bemalungen der Keramiken verweisen auf Glaubenvorstellungen und Lebensweisen der Nasca. Häufig finden sich bildliche Wiedergaben bäuerlicher Arbeit sowie Darstellungen von Tieren, die wahrscheinlich mythische Bedeutung hatten.

Interessant ist ein besonderer Typus von Keramikgefäss, bei dem eine bauchige Form von einem Kopf gekrönt wird, der mit einem Gesicht bemalt ist. Aus dem Mund fliesst meist ein breiter Strom. Archäologen vermuten, dass es sich bei diesen Gefäss-Figuren um symbolische Darstellungen der Flüsse handelt, die in den Bergen entspringen und an deren fruchtbaren Ufern die Nasca lebten.

Sitz der Götter

Das lebenspendende Wasser kam aus den Bergen. Archäologen vermuten, dass die Nasca in den Anden nicht nur die Quellen ihrer Flüsse verorteten, sondern auch den Ursprung des Lebens und den Sitz göttlicher Mächte.

Die Bodenzeichnungen, angelegt in den wüstenartigen Hochebenen zwischen den Bergen und den fruchtbaren Tälern, hatten vermutlich rituelle Bedeutung. Zum Anschauen waren die ausgedehnten Geoglyphen zu gross.

Legende: Video Rätsellüften im Museum Rietberg abspielen. Laufzeit 04:36 Minuten.
Aus 10vor10 vom 23.11.2017.

Rituelles Abschreiten

Forscher wie Peter Fux, Kurator am Museum Rietberg, vermuten: «Die Geoglyphen wurden rituell abgeschritten.» Die Bodenzeichnungen waren Verbindungswege zu einer spirituellen Welt.

Vermutlich haben die Nasca beim Abschreiten musiziert und Opfergaben gebracht und sich mit Mescalin auf die andere Welt eingestimmt. Wie sich die Nasca dabei gefühlt haben könnten, das veranschaulichen Drohnenaufnahmen der Geoglyphen und 3-D-Animationen, die das Gefühl vermitteln, als schwebe man zwischen den kargen Hochebenen und den hohen Gipfeln der Anden.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 24.11.2017, 17:15 Uhr

Die Ausstellung

Die Ausstellung «Nasca. Peru – Auf Spurensuche in der Wüste» im Museum Rietberg in Zürich dauert noch bis zum 15. April 2018.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Holm (Marty)
    die Nasca hinterliessen keine schriftlichen Zeugnisse. Warum ist man dann so sicher, dass diese Geoglyphen von den Nasca gemacht wurden? Scheint es nicht eher so, dass diese Linien und Figuren bereits viel älter sind und die Nasca diese bereits vorgefunden haben? Zumindest diejenigen, welche man vom Boden aus überhaupt erkennen kann?
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    1. Antwort von Alice Henkes
      Das ist eine interessante Frage! Es gibt Geoglyphen, die vor der Nasca-Kultur entstanden sind. Das sind jene Bodenzeichnungen, die in Hanglagen angelegt sind und die man vom Boden aus erkennen kann. Die Geoglyphen der Nasca-Kultur sind jene, die auf den flachen Hochebenen angelegt wurden. Sie wurden erst in den 1920er-Jahren entdeckt, als man mit ersten Flugzeugen über die Hochebenen fliegen konnte. Grundsätzlich kann man aber auch noch sagen: Die Zuschreibung der Geoglyphen aus einer bestimmten Entstehungszeit zur Nasca-Kultur ist ein rein wissenschaftlicher Vorgang. Das heisst, dass letztlich die gesamte Nasca-Kultur eine rein archäologische Zuschreibung ist. Es gab nie ein Volk, das sich als Nasca bezeichnet hätte. Archäologen haben Angehöroge einer bestimmten prähispanischen Kultur, die im Zeitraum von ca 200 vor bis 650 nach Chr. im Süden Perus gelebt haben, so genannt.
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