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Tradwives: Putzen und Backen fürs Patriarchat
Aus 100 Sekunden Wissen vom 18.02.2020.
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Phänomen «Tradwives» Putzen und Backen fürs Patriarchat

Sie wollen «ihre Ehemänner verwöhnen als sei es 1959»: Tradwives feiern online ihr Hausfrauen-Dasein. Was soll das?

Erinnern Sie sich an «Die Frauen von Stepford»? Das Buch erzählt von Männern, die ihre Frauen per Chip im Hirn in perfekte Hausfrauen verwandeln: makellos frisiert und jeden Wunsch erfüllend. Für die meisten ist das ein Albtraum. Tradwives aber würden sich in Stepford wohl ganz wohl fühlen.

Trad ... was?

Unter der Selbstbezeichnung #tradwife, kurz für «traditional wife», vernetzen sich online Gleichgesinnte: Frauen in ihren Dreissigern und Vierzigern die das Hausfrauen-Leben als Lifestyle entdeckt haben.

Sie wolle sich ihrem Ehemann einfach «unterordnen und ihn verwöhnen als sei es 1959», Link öffnet in einem neuen Fenster, erzählte etwa Alena Kate Pettitt kürzlich der BBC. Auf Instagram zeigt sich die Britin am Blümchen-Bügelbrett oder im Retro-Rock – lässig lächelnd an den Staubsauger gelehnt.

Das sieht aus wie Satire, erfüllt Pettitt und ihre Fans aber mit Stolz. Die Betreiberin des Benimm-Blogs «The Darling Academy» ist eines der Aushängeschilder der Tradwife-Bewegung, die vor allem in Grossbritannien und den USA aktuell von sich reden macht.

«Als sei es 1959»

Auf Blogs, Youtube und Instagram propagieren Tradwives einen Alltag zwischen Heim und Herd: Sie posieren beim Putzen, backen Brot, flechten Frisuren.

Sie teilen Tipps für eine harmonische Ehe («husbands ALWAYS come first») und Videos über «natural femininity», «ladylike behaviour» oder die Vorzüge von Kindern statt Karriere.

2020 halten sie die Werte der 1960er-Jahre hoch – und holen die aus dem Zeitgeist gefallenen Geschlechterrollen wieder in die Gegenwart. Ist das nun harmlose Nostalgie oder gefährliche Verklärung?

Feminismus von rechts

Blickt man in die USA, scheint es manchen Tradwives um mehr als altbackene Knigge-Regeln und Tee-Kränzchen zu gehen: Dort steht zumindest ein Teil der Bewegung der Alt-Right-Szene nahe.

Als Postergirls der Neuen Rechten sollen sie deren rückwärtsgewandte Ideale an die Frau bringen, vermuten die New York Times , Link öffnet in einem neuen Fensterund die Extremismusforscherin Julia Ebner, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Dafür nutzen sie die sozialen Medien – und eine Sprache der Selbstermächtigung. Tradition verkaufen sie als «Rebellion». Den Rückzug ins Private als «selbstbestimmt», gar «feministisch» und als «Schutz» vor Ausbeutung in der Arbeitswelt. Unheimlich wird es, wenn einzelne Tradwives nebenbei dafür werben, «weisse Babys» zu gebären.

Businessladies im Blümchenkleid

Doch die meisten Tradwives behaupten, sie verfolgten keine politische Agenda. Ihr ginge es einfach darum, «endlich sich selbst zu sein», sagt etwa Knigge-Königin Alena Kate Pettitt.

Von den BBC-Journalisten darauf angesprochen, dass die Idealisierung der Hausfrau, die sich dem Ehemann unterordnet, auch bei den Nazis beliebt war, erwidert sie: «Wirklich? Das habe ich gar nicht gewusst.»

Tatsächlich könnte hinter dem missionarischen Eifer der meisten Tradwives ein anderes Motiv stehen: Für Retro-Chic gibt's Klicks – und mit eigenen Ratgebern, Work- und Webshops lässt sich wunderbar Geld verdienen. Und so steckt im Gewand der braven Hausfrau wohl ab und an eine geschickte Unternehmerin.

Sendung: Radio SRF 4 News, Echo der Zeit, 13.2.20, 20 Uhr

Redaktioneller Hinweis: In einer ersten Fassung dieses Artikels hiess es im Abschnitt «Businesssladies im Blümchenkleid»: «Angesprochen darauf, dass ihr Rollenverständnis auch bei den Nazis beliebt war, erwidert sie: ‹Wirklich? Das habe ich gar nicht gewusst.›» Die Passage hat zu Missverständnissen geführt, weil Urheber und Bezug des Vergleichs unklar waren. Wir haben die Stelle daher angepasst.

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