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ein Mann liegt auf dem Boden, umgeben von Tischen mit Früchten, Taschen und Magazinen drauf
Legende: Es gibt heute nicht mehr nur eine, sondern viele verschiedene Männlichkeiten, sagt Fabian Hart. Thomas Gibbons
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Podcast über Männlichkeit Podcaster: «Männer sind untalentierter in der Emanzipation»

In seinem Podcast philosophiert der Journalist Fabian Hart über das Mannsein: Mit «Zart bleiben» sollen verfestigte Stereotypen aufgeweicht werden. Denn die Erwartungen an Männer schränken nicht nur sie selbst ein, sondern alle Geschlechter.

Fabian Hart

Fabian Hart

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Fabian Hart ist Moderator und Journalist. Er lebt in Hamburg und widmet seine Arbeit dem Aufweichen von traditionellen Geschlechterstereotypen. Er ist Autor der Kolumne «Das neue Blau» in der deutschen Vogue und Moderator der ARD-Serie «queer 4 you».

SRF: In Ihrem Podcast geht es um Männlichkeit. Warum ist der erste Gast dann die Autorin Sibylle Berg – eine Frau?

Fabian Hart: Um direkt klarzumachen, dass traditionelle Männlichkeit nicht reine Männersache ist. «Zart bleiben» ist kein Podcast nur für Männer, sondern der Podcast über Männlichkeit.

Denn Männlichkeit im traditionellen Sinn und der damit einhergehende Erwartungskatalog betrifft nun mal nicht nur Männer, sondern sie schränkt alle Geschlechter ein. Das konnte mir bisher auch jeder Gesprächspartner und jede Gesprächspartnerin im Podcast bestätigen.

Inwiefern?

Sibylle Berg erzählte mir, dass sie als junge Erwachsene fest davon überzeugt war, ein Mann zu sein. Alle Eigenschaften, die sie mit einer Frau assoziierte – etwa warm, weich und fürsorglich – fand sie in sich selbst nicht wieder. Als sie begann, Bücher zu publizieren, wurde ihr gesagt: «Du schreibst ja wie ein Mann». Und trotzdem hat man sie als Frau in der Öffentlichkeit immer nur auf ihr Aussehen reduziert.

Wir halten am unrealistischen Ideal vom immer starken Mann fest.

Ähnliches erzählte mir Herbert Grönemeyer: Als junger Mann fand er auf seinem Kopfkissen einst einen Brief seiner Mutter. Darin bat sie ihn, er solle nicht mehr so viel Schmuck tragen, das wirke zu feminin. Die Vorstellung davon, wie ein Geschlecht zu sein hat, ist also tief in uns allen verankert. Mit «Zart bleiben» möchte ich Menschen dazu bringen, über Geschlechterrollen nachzudenken.

Wollen Sie Männer dazu anregen, ihre zarten Seiten zu entdecken?

Der Podcast ist ein Aufruf insbesondere an Männer, sich mit ihrer gesellschaftlichen Rolle und Identität kritisch auseinanderzusetzen und diese zu hinterfragen. Frauen emanzipieren sich seit vielen Jahrzehnten aktiv von ihrer Rolle als das «schwache Geschlecht». Männer sind da wesentlich untalentierter.

Worum geht es im Podcast «Zart bleiben»?

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Worum geht es im Podcast «Zart bleiben»?
Legende: Anna Wegelin

«Zart bleiben – ein Podcast über Männlichkeiten» , Link öffnet in einem neuen Fenstererscheint seit Juli 2020 jeden zweiten Sonntag, im November startet die zweite Staffel. In rund einstündigen Folgen spricht Fabian Hart mit Autorinnen, Sängern, Satirikern, Trans-Aktivistinnen, Psychologen oder Medienschaffenden über ihre Erfahrungen mit Männlichkeit.

Das Thema lässt aufhorchen, die prominenten Gäste wie Sibylle Berg und Herbert Grönemeyer ebenfalls. Die Machart wirkt anfangs simpel: Die Gespräche sind ungeschnitten, langatmig und teils zu unkonkret. Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuhören: Hart schafft es, das tief verankerte Rollenverständnis von Männern von den unterschiedlichsten Perspektiven zu beleuchten.

Wir halten noch immer am unrealistischen Ideal vom immer starken Mann fest und schämen uns davor, «unmännlich» zu wirken. «Zart bleiben» soll verinnerlichte Geschlechterstereotypen aufweichen und uns daran erinnern, dass wir alle gleich auf die Welt kommen: Schutzlos und hilfsbedürftig. Wir sind alle Zartgeborene. Und so sollten wir das auch als erwachsene Menschen beibehalten.

Liefert dieser Podcast schlussendlich ein neues Männerideal?

Nein, und das gibt es so auch nicht. Ich stehe für eine neue Vielfalt und ein diverses Männerbild. Idealerweise spricht man in Zukunft also nicht von der einen Männlichkeit, sondern von verschiedenen Männlichkeiten.

Was dieser Podcast liefert, ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff und die Botschaft: Hinter all den Zuschreibungen, gesellschaftlichen Erwartungen und Rollenbilder wartet eine grosse neue Freiheit für alle Geschlechter. Das ist die optimistischere, hoffnungsvollere Weise darüber zu berichten, als wenn man den Männern sagt: Ihr steckt in einer Identitätskrise.

Das Gespräch führte Laura Bachmann.

Mehr Podcasts über Männlichkeit gefällig?

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«Manhood now», Link öffnet in einem neuen Fenster:

  • Was ist das Verwirrendste daran, heute ein Mann zu sein? New Yorks öffentlich-rechtlicher Radiosender WNYC macht das Mannsein in seinem langjährigen Podcast «Death, Sex, Money» zum Thema. Der Podcast thematisiert Dinge, über die wir viel nachdenken, aber zu wenig sprechen. Unter diesem Motto wurde auch eine aufwändige Episode über die sich verändernden Rollenerwartungen an Männer umgesetzt. Zu Wort kommen dabei Männer, deren Gedanken über ihre Geschlechteridentität oft ähnlich sind und trotzdem nicht unterschiedlicher sein könnten.

«Scene on Radio», Link öffnet in einem neuen Fenster:

  • Wie sind wir überhaupt erst zu Sexismus, Patriarchat und Frauenfeindlichkeit gekommen? Das Center for Documentary Studies an der Duke University widmet eine ganze Staffel ihres Podcasts «Scene on Radio» mit 12 halbstündigen Folgen dieser Frage. Sie durchqueren Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte und ermöglichen einen gut recherchiertes Eintauchen in die Tatsachen hinter den patriarchalen Gegebenheiten. Packend erzählt und abseits der sonstigen emotionalen Argumentationsweise.

Sendung: SRF1, Sternstunde Philosophie, 20.9.2020, 11:00 Uhr;

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