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Legende: Video Sollen Pfarrerinnen und Bischöfe sich zu Politik äussern? abspielen. Laufzeit 02:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.01.2019.
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Politik in der Kirche «Will die Kirche relevant bleiben, muss sie politisch sein»

Sollen Pfarrerinnen oder Bischöfe politisch Stellung beziehen? Diese Debatte wurde neu lanciert.

Sozialdetektive, Waffenexporte, No Billag, Energiestrategie, Unternehmenssteuerreform: Zu all diesen Themen – und vielen mehr – haben sich Pfarrerinnen und Pfarrer, Bischöfe und viele andere Kirchenleute in den letzten Jahren geäussert.

Sie sassen in Abstimmungskomitees, haben Flyer verteilt, offene Briefe geschrieben. Sie haben sich im Gespräch, in den sozialen Medien oder auch im Gottesdienst für ihre Anliegen eingesetzt. Sprich: Sie haben Politik gemacht.

Die Bibel bietet Prinzipien, sagen die einen

Zu viel Politik, findet nun ein Thinktank um CVP-Parteipräsident Gerhard Pfister. In einem Artikel im «Tages-Anzeiger», Link öffnet in einem neuen Fenster geht er mit politisch engagierten Kirchenleuten hart ins Gericht. Es spricht von einem «Rückfall ins Mittelalter» und sagt, Pfarrerinnen und Pfarrer seien oft zu schlecht informiert.

Ein Mann im Anzug schaut quer nach unten.
Legende: Politik habe in der Kirche nichts verloren, findet CVP-Nationalrat Gerhard Pfister. Keystone / Anthony Annex

Zwar finden auch die Kritiker einer politisch engagierten Kirche, es sei in Ordnung, aus der Bibel gewisse ethische Prinzipien abzuleiten – Prinzipien wie die Nächstenliebe etwa. Doch es sei nicht legitim, mit biblischen Normen Politik zu machen.

Die Bibel ist politisch, sagen die anderen

Ganz anders sehen dies naturgemäss die politisch engagierten Pfarrerinnen und Pfarrer. Sie sagen: Die Bibel selbst sei politisch, sie handle vom Leben, von Menschen am Rande der Gesellschaft, von der Bewahrung der Schöpfung.

Es sei also gerade die Aufgabe von Pfarrerinnen und Priestern, aus der Bibel eine politische Haltung abzuleiten – und zwar auch ganz konkret zur Sozialpolitik oder dem Natur- und Umweltschutz.

Wichtiges Zeichen im Ringen um Relevanz

Nun geht es in dieser Diskussion um handfeste Interessenpolitik. Wenn etwa ein Bischof zu Beginn des Wahljahres die Kirchen aufruft, sich für Benachteiligte einzusetzen, ist klar: Mit ihren Parolen machen die Kirchenvertreter der Politik Konkurrenz.

Doch es geht in der Debatte noch um mehr. In einer Zeit, in der immer weniger Leute die Gottesdienste besuchen, in der die Bedeutung der Landeskirchen abnimmt, muss sich die Kirche Gehör verschaffen. Sie muss zeigen, dass sie in der Gesellschaft noch etwas zu sagen hat.

Wenn die Kirche relevant bleiben will, muss sie also politisch Stellung beziehen. Doch tut sie dies zu oft, läuft sie Gefahr, in der Kakophonie der Meinungen unterzugehen. Die Frage ist also nicht, ob die Kirche sich politisch äussern soll, sondern in welchem Masse.

Nicole Freudiger

Nicole Freudiger

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Nicole Freudiger ist Religionsredaktorin bei SRF Kultur. Zuvor war sie Redaktorin beim Regionaljournal Zürich Schaffhausen.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Schuster bleib bei deinem Leist... aber mach die Schuhe zeitgemaess, modern!
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  • Kommentar von Alexander Weljaminoff (AndererMeinung)
    IH̅S Xριστος hat sich ganz klar aus der Politik herausgehalten. Mit der Frage nach den Steuern hatte der Tempel fest damit gerechnet, das sie ihn in einen Widerspruch verwickeln könnten und er zum Spott der Leute werden würde. Mit seiner Antwort hatte aber niemand gerechnet (Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott was Gottes ist!) Jeder der dem Nazarener politisches Engagement anhängen will, verzerrt oder verfälscht die Schrift. Er hat sich stets an das Gewissen des Εinzelnen gewendet.
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  • Kommentar von Andreas Bolliger (resbo)
    Ihr Kirchenleute, predigt einfach das Evangelium, wie es da steht. Je mehr Menschen-herzen positiv verändert werden (auch bei Politikern!) durch das Vorbild von Jesus Christus, um so besser geht es der Gesellschaft: Dienst am Nächsten, Barmherzigkeit, Ehrlichkeit, Ehrfurcht vor Schöpfung und Schöpfer, vergeben, an die Macht des Gebets
    glauben. Unzählige Nachfolger von Jesus haben Schulen, Spitäler, Waisenheime, soziale Institutionen gebaut und bezahlt, tun es heute noch. Ist doch gute Politik!
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