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Legende: Video Karl Barth – «Gottes fröhlicher Partisan» abspielen. Laufzeit 59:07 Minuten.
Aus Sternstunde Religion vom 09.12.2018.
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Popstar der Theologie Karl Barth: ein Mann Gottes und der Widersprüche

Er zierte einst das Cover des «Time Magazine»: Der reformierte Basler Theologe Karl Barth starb vor 50 Jahren. Was ist geblieben vom Ruhm und seiner theologischen Revolution?

Der Name Karl Barth ist längst nicht mehr so geläufig, wie er das Mitte des 20. Jahrhunderts war. Damals war er ein Star am Theologen-Himmel. International bekannt und gefeiert, in den Medien besprochen, vom «Time Magazine» bis zum «Spiegel».

Ein Mann voller Widersprüche

Christiane Tietz hat eine neue Barth-Biografie geschrieben, die erste seit Jahrzehnten. Die Professorin für systematische Theologie an der Universität Zürich hat sich dafür durch zig Briefe geackert. Briefe zwischen Karl Barth und seinen Freunden, anderen Theologen, seiner Frau Nelly Barth – und Charlotte von Kirschbaum, mit der Karl Barth eine Beziehung einging. Trotz Ehefrau.

Unter anderem deswegen lautet der Untertitel von Christiane Tietz’ Biografie «ein Leben im Widerspruch»: ein verheirateter Mann, der sich auf die Liebe zu einer 13 Jahre jüngeren Frau einlässt – nicht gerade das Ideal eines frommen Pfarrers.

Der Schuld bewusst

Diesem Widerspruch war sich Barth bewusst, sagt die Professorin: «Er wusste genau, dass er Schuld auf sich lädt, wenn er seiner Liebe zu Charlotte von Kirschbaum nachgeht. Das wird in den Briefen sehr deutlich.» Eine Scheidung kam jedoch nicht infrage, zu berühmt war Barth bereits.

Barth, Mitbegründer der Bekennenden Kirche, einer Oppositionsbewegung der evangelischen Kirche in Deutschland gegen den Nationalsozialismus, war bis 1935 Professor in Bonn gewesen. Dann wurde er entlassen, weil er sich dem Eid auf Adolf Hitler verweigerte hatte, und als Professor in seine Heimatstadt Basel berufen.

Eine heimliche Dreiecksbeziehung

Barth nannte das, was er im Privaten lebte, «Notgemeinschaft zu dritt»: Er lebte mit seiner Ehefrau und seiner Geliebten unter einem Dach.

Karl Barth sitzt in einem Studierzimmer.
Legende: Ein Mann voller Widersprüche: der Basler Theologe Karl Barth, 1962 in Basel. Keystone / STR

«Alle haben wahnsinnig gelitten darunter, was ich durch die Briefe sehr deutlich gespürt habe», sagt Christiane Tietz. Lange wurde diese Dreiecksbeziehung auch verheimlicht. Erst 2008 wurden die Briefe zwischen Karl und Charlotte öffentlich.

Ein bedeutender Theologe

Doch Christiane Tietz wehrt sich dagegen, den grossen Theologen bloss darauf reduzieren: «Das würde weder ihm, noch den beiden Frauen gerecht.» Dazu kommt, dass diese Not im Privaten den Mann einiges menschlicher erscheinen lässt, als er in seinen dogmatischen Texten wirkt.

Buchhinweis

Christiane Tietz: «Karl Barth. Ein Leben im Widerspruch». C.H. Beck, 2018.

Was an Karl Barths Theologie war denn so bahnbrechend? «Er sagte: Gott ist so anders als der Mensch, er ist der ganz Andere, so dass wir als Menschen eigentlich nicht über Gott sprechen können», erklärt Christiane Tietz. Dennoch ist es ja gerade der Job von Theologinnen und Theologen dies zu tun.

Diese so genannte Dialektische Theologie legte er 1919 erstmals dar. «Wer etwas von Gott erfahren will, kann also nicht vom Menschen ausgehen», sagt die Professorin.

Genau das tat aber die gängige Art von Theologie zwischen den beiden Weltkriegen. Barth widersprach dem vehement. Er kritisierte insbesondere, dass die Kirche den Ersten Weltkrieg als «Wille Gottes» legitimierte. Damit machte sich Barth bei den Theologen seiner Zeit äusserst unbeliebt.

Und heute?

Was würde denn Karl Barth zur reformierten Kirche heute sagen ? «Ich bin mir sicher, er hätte Kritik anzubringen», so Tietz. Barth würde sicher die Bestrebungen unterstützen, Menschen für die Kirche zu gewinnen.

Wenn sich aber Kirchen bemüht trendig und modern geben, da würde er wohl die Stirn runzeln. Für ihn geht es in der Kirche um Jesus Christus und seine Botschaft muss im Zentrum aller Bemühungen stehen.

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