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Demos, Sitzblockaden, Ausschreitungen – Wo endet der zivile Ungehorsam?
Aus Sternstunde Philosophie vom 13.10.2019.
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Rebellion gegen Klimawandel «Die Schweiz gehört zu den grössten Mitverursachern»

«Extinction Rebellion» kämpft gegen das Massensterben von Tieren, Pflanzen und Menschen. Markenzeichen der Organisation sind medienwirksam inszenierte Aktionen.

Alexandra Gavilano ist Mitglied von «Extinction Rebellion». Im Interview spricht sie über die Klimakrise und die Notwendigkeit von zivilem Ungehorsam.

Alexandra Gavilano

Alexandra Gavilano

Umweltwissenschaftlerin, Klimaaktivistin

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Alexandra Gavilano ist Umweltwissenschaftlerin, Entrepreneurin und Umweltaktivistin. Sie setzt sich für eine anhaltende Transformation hin zu einem nachhaltigen Lebensstil ein. Gavilano hat verschiedene Organisationen wie die Umweltplattform fossil-free.ch, das RootsCamp und die Pyrolysis GmbH ins Leben gerufen. Seit Ende letzten Jahres engagiert sie sich national und international bei «Extinction Rebellion».

SRF: Extinction Rebellion färbt die Limmat grün und kettet sich ans Bundeshaus. Wieso so radikal?

Alexandra Gavilano: Wir wollen die Zivilgesellschaft wachrütteln und die Medien auf den Klimawandel aufmerksam machen. Und das, indem wir mit solchen Aktionen das Unsichtbare sichtbar machen.

«Radikal» leitet sich vom lateinischen Wort «radix» her und bedeutet «Wurzel». Wir sind vor allem in dem Sinne radikal, dass wir das Problem von der Wurzel her zu verändern versuchen.

Wir müssen neue Formen zivilen Ungehorsams ausprobieren.

Ich bin seit 15 Jahren Klimaaktivistin und habe schon mehrere Organisationen mitgegründet. Leider hat der Aktivismus nie zu dem Wandel geführt, den wir brauchen. Als ich dann die Aktion von Extinction Rebellion in London sah, wusste ich, dass wir neue Formen zivilen Ungehorsams ausprobieren müssen.

Eine Frau steht mit Megafon auf der Strasse.
Legende: Alexandra Gavilano demonstriert in Bern gegen die Brände im Amazonas (2019). Keystone/PETER KLAUNZER

Wie weit darf ziviler Ungehorsam für Sie gehen?

Studien haben gezeigt, dass es etwa 3.5 Prozent einer Gesellschaft braucht, um mit sozialem Ungehorsam eine soziale Transformation herbeizuführen.

Diese Studien zeigen auch, dass es absolut notwendig ist, auf allen Ebenen gewaltfrei zu bleiben. Deshalb sind Gewaltfreiheit und auch eine gewaltfreie Kommunikation oberstes Gebot für uns.

Gibt es im Fall der Klimakrise so etwas wie eine Pflicht zum zivilen Widerstand?

Wir befinden uns nicht nur in einer Klimakrise, sondern stehen am Rande des sechsten Massensterbens. Wir sagen deshalb: Es ist Zeit zu handeln. Vor allem wegen den Generationen, die mit den Folgen des bisherigen Tuns leben müssen.

Die Schweiz gehört zu den grössten Mitverursachern.

Aber auch, weil die Schweiz zu den grössten Mitverursachern gehört. Dabei beziehe ich mich vor allem auf unseren Konsum, aber auch auf die Rolle unseres Finanzplatzes.

Ist es Ihrer Meinung nach so etwas wie eine Bürgerpflicht, gegen den Klimawandel zu demonstrieren?

Ich war auch sehr lange der Meinung, dass der Normalbürger das nicht zwingend machen muss. Eine Demo ist nicht für jeden etwas.

Das Problem ist, dass wir mittlerweile eine so grosse Krise haben, dass wir die 3.5 Prozent der Zivilbevölkerung tatsächlich brauchen, um das Alltagsleben zu unterbrechen und die Strassen zu blockieren bis sich etwas in der Politik ändert. Demos sind aber nicht die Lösung. Sonst hätten wir den Wandel schon lange herbeigeführt.

Was werden Sie tun, wenn es Ihnen nicht gelingt, die Klimakrise einzudämmen?

Wir reden immer so, als hätte die Klimakrise eine endliche Lösung, aber das sind ja permanente Veränderungen, die wir brauchen. In Bezug auf das Massenaussterben sind wir vor noch einer grösseren und unfassbareren Herausforderung. Wir werden aber weiterhin Druck machen, bis der Wandel, den wir brauchen, da ist.

Das Gespräch führte Gina Messerli.

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54 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Nicht nur im Regenwald oder am Polarkreis, auch vor Ort im Südwesten sterben immer mehr Tier- und Pflanzenarten aus.Mittlerweile sind aber auch viele Arten bei uns betroffen, der Feldhamster, Auerhahn die Vögel wie Stare und Feldsperling und Insekten. Kaum eine Art bleibt von dem stetigen Rückgang verschont. Seit Jahrzehnten wird eine bessere Vernetzung von Naturräumen gefordert. Strassen werden zerschnitten oder durch Bebauung, Überdüngung und durch Gifte wertvoller Lebensraum zerstört werden.
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  • Kommentar von Andreas Diethelm  (Okapi)
    Viele Medien haben ein gestörtes Verhältnis zur Sprache. Radikal ist es nicht, mit einer lächerlich geringen Menge Natriumsalz die Limmat kurzzeitig grün zu färben (im Vgl. zu den x 100'000 Tonnen NaCl welche die Gemeinden zusammen allwinterlich über das Land streuen und Gewässer, Böden, Grundwasser ARA belasten und an der Verkehrsinfrastr. mit Salzkorrosion Milliardenschäden anrichten. Radikal ist nicht der punktuelle Verkehrsbersstop. Radikal ist die neoliberale verantwortungslose Wirtschaft.
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  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Irgend wann wird es in Gewalt enden, weil nicht viel geschehen wird. Die Gesellschaft in Europa will nichts ändern und der restliche Westen schon gar nicht. Man kann noch gut 100 Jahre so weitermachen wie bisher und die Folgen sind nur minimal spührbar.
    Deshalb wird sich kaum was ändern ausser mit Zwang, und zwang endet in Gewalt.
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    1. Antwort von Peter Zurbuchen  (drpesche)
      Mit den 100 Jahren sind Sie aber sehr optimistisch, Herr Gubser.
    2. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Ich würde sogar noch 50 Jahre drauflegen Herr Zurbuchen.