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Rebellischer Pfarrer «Ich habe das lesbische Paar nicht leichtfertig gesegnet»

Mit der Segnung eines lesbischen Paares sorgte Wendelin Bucheli für Aufruhr. Dabei erfuhr der Pfarrer von Bürglen aber auch: «In den Bergen hält man zusammen.»

Ein Pfarrer steht auf einer Wiese
Legende: Der rebellische Pfarrer aus Uri: Wendelin Bucheli Elisabeth Real/The Lesbian Lives Project

Bürglen im Kanton Uri sieht sich als Dorf des Wilhelm Tell. Widerstand und Freiheitsgeist werden hier gross geschrieben. Ende 2014 sorgte Wendelin Bucheli für Schlagzeilen: Er hat ein lesbisches Paar aus Bürglen gesegnet. Daraufhin gab es Ärger mit dem Bischof von Chur.

Schwule und Lesben therapieren

Ein Pfarrer, der Herz zeigt und sich mit dem Bischof anlegt: Bucheli hätte das Zeug, zu einem Helden der Schweizer Schwulen- und Lesbenbewegung zu werden.

Bucheli sagt aber, dass er mit dem Thema Homosexualität lange Zeit Mühe hatte. Als Seelsorger in Freiburg hatte er mit Homosexuellen zu tun, die mit sich haderten und Gott suchten.

Bucheli wollte ihnen helfen. Zusammen mit Freikirchen versuchte er, die Schäfchen zu therapieren. Aus Schwulen und Lesben sollten Heterosexuelle werden.

Vom Saulus zum Paulus

Wendelin Bucheli glaubte, das Richtige zu tun. So wie Saulus in der Bibel. Der war überzeugt, in Gottes Namen zu handeln – richtete aber viel Unheil an. Als Bucheli erkannte, dass seine Therapieversuche nicht fruchteten, änderte er seine Haltung.

Ein Pfarrer predigt in einer Kirche
Legende: Wendelin Bucheli predigt Verständnis: «Jeder Mensch ist ein Geschenk Gottes.» Keystone

«Jeder Mensch ist ein Geschenk Gottes», davon ist Bucheli überzeugt. Er führte die Logik weiter: Wenn Gott homosexuelle Menschen geschaffen hat, dann will er auch, dass sie glücklich werden. Bucheli ist sich sicher: Es verletzt die Menschenwürde, sexuelle Identitäten infrage zu stellen.

Ringen mit sich und Gott

«Ich habe das lesbische Paar aus meiner Gemeinde nicht leichtfertig gesegnet», so Bucheli. Er habe hart mit sich gerungen und die Frage im Austausch mit Gott und einem geistlichen Begleiter erörtert. Sein Gewissen sagte: Ja.

Segnung erhobenen Hauptes

«Die zwei Frauen wollten keine kirchliche Trauung, sondern eine Segnung», sagt Bucheli. Eine Ehe ist nach dem Kirchenrecht Mann und Frau vorbehalten.

In der Segnungsfeier übernahm Bucheli trotzdem Elemente einer Trauung: Er segnete die Ringe, liess Trauzeugen zur Feier zu und sorgte dafür, dass das Pfarrblatt darüber berichtete. Bucheli war es wichtig, nichts klammheimlich zu machen – wenn, dann erhobenen Hauptes.

Als der Bischof von Chur, Vitus Huonder, von der Segnung in Bürglen erfuhr, wollte er Bucheli strafversetzen. Das war nicht so einfach: Der Pfarrer gehört juristisch dem Bistum Freiburg an. Bürglen stellte sich hinter ihren Pfarrer.

Nicht alle waren begeistert, aber in den Bergen hält man zusammen.

Bischof ringt Pfarrer Versprechen ab

Während der Auseinandersetzung hiess es: Gegen die Freiheitskämpfer in Uri könne man auch als Bischof nur verlieren. Bucheli durfte in der Gemeinde bleiben.

Der abtrünnige Pfarrer musste Bischof Huonder versprechen, keine Schwulen und Lesben mehr zu segnen. Daran halte er sich, so Bucheli – er weist aber darauf hin, dass Huonder nur noch bis Ostern 2019 Bischof sei.

Eine Kirche mit viel Leuten
Legende: Nach der Kritik des Churer Bischofs stellte sich die Kirchengemeinde Bürglen hinter ihren Pfarrer. Keystone

Ein stiller Held

Wendelin Bucheli ist mit sich im Reinen. Er freut sich, dass er ein lesbisches Paar nicht im liberalen Zürich, sondern in der Innerschweiz gesegnet hat. «Nicht alle waren begeistert, aber in den Bergen hält man zusammen», berichtet der Pfarrer.

Bucheli ist sich sicher: Er hat ganz im Sinne des Evangeliums gehandelt. Er sieht sich als geläuterten Seelsorger und nicht als Held. Auch wenn er Heldenmut bewies.

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