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Vom Zauber der Magie
Aus Sternstunde Religion vom 29.09.2019.
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Religion bei Harry Potter «Viele magische Motive lassen sich auf die Bibel zurückführen»

Vor über 20 Jahren erschien der erste «Harry Potter»-Band – bis heute hält die Faszination für diese Magiewelt an. Aus religionswissenschaftlicher Sicht hat die Buchreihe einiges zu bieten, auch wenn darin keine Religion propagiert wird.

Ein Gespräch mit dem Religionswissenschaftler und Magieforscher Bernd-Christian Otto über biblische Referenzen, gefährliche Zaubersprüche und die Offenbarung «Harry Potter».

Bernd-Christian Otto

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Bernd-Christian Otto hat in Heidelberg Religionswissenschaft, Philosophie und Psychologie studiert und mit einer Studie zur Geschichte des Magiebegriffs promoviert. Seitdem arbeitet er aus religionswissenschaftlicher Perspektive zur Geschichte der Magie, unter anderem an den Universitäten Erfurt, Bochum und Erlangen. In seinem letzten Buch «Magical Manuscripts in Early Modern Europe» (2017) analysiert er eine umfangreiche Sammlung magischer Handschriften aus dem frühen 18. Jahrhundert, die heute in der Universitätsbibliothek Leipzig aufbewahrt werden.

SRF: Vor Kurzem hat eine Schule in Tennessee die Buchreihe «Harry Potter» aus ihrer Bibliothek verbannt. Die Zaubersprüche darin könnten gefährlich sein, erklärte der Schulpfarrer. Auch hierzulande wird Harry Potter von Evangelikalen kritisiert. Wo liegt das Problem?

Bernd-Christian Otto: Fundamentalistische Christen rücken Harry Potter in die Nähe zur Wicca-Religion oder zum zeitgenössischen Satanismus. Sie behaupten, dass Kinder durch das Lesen der Bücher dazu verführt werden, sich okkulten Themen zuzuwenden.

Einige scheinen sich auch auf den mittelalterlichen Theologen Thomas von Aquin zu berufen. Dieser meinte, selbst aufrichtige Christen würden Gefahr laufen, einen Pakt mit dem Teufel zu schliessen, wenn sie unbekannte Worte oder Formeln rezitieren, da es sich dabei um Dämonennamen handeln könnte.

Wenn man also Rowlings ausgedachte Zaubersprüche nachspreche, laufe man Gefahr, Dämonen anzurufen und dadurch Götzendienst zu betreiben.

Viele magische Motive lassen sich ideengeschichtlich auf die Bibel zurückführen.

Aber Religion spielt in den Büchern kaum eine Rolle.

Es gibt keine Kirche, keinen Gott, keine Transzendenz – abgesehen von der Parallelwelt der Magier. Weihnachten und Ostern werden nur am Rande erwähnt, gelegentlich werden Begräbniszeremonien geschildert, die keiner Religion zuzuordnen sind.

Rowling erwähnte einmal, dass sie dies bewusst so gestaltet hat, um in den Romanen keine religiöse Tradition zu bevorzugen: Hogwarts sei eine «multi-faith school» – eine Schule mit vielen Religionen.

Mit Harry Potter durch die Geschichte von Magie und Zauberei
Aus Sternstunde Kunst vom 29.09.2019.

Aber trotzdem weisen die Bücher doch religiöse Züge auf?

Die Bücher greifen zumindest viele religiöse Motive auf. Harry Potter selbst kann etwa als «geretteter Retter», als auserwählter Messias gedeutet werden, der mit Hilfe seiner übernatürlichen Fähigkeiten die Welt rettet.

Sein Zauberstab ist eine Reminiszenz an den Stab Mose, mit dem dieser etwa das rote Meer teilte. Sein Kampf gegen die Dementoren erinnert an die Exorzismen Jesu im Markusevangelium. Im letzten Band scheint Harry Potter sogar wiederaufzuerstehen. Viele magische Motive lassen sich ideengeschichtlich auf die Bibel zurückführen.

Das Fliegen wurde auch christlichen Heiligen zugeschrieben.

Und wie steht es um das Fliegen?

Der fliegende Besen ist ein Motiv, das Rowling aus frühneuzeitlichen Darstellungen der Hexenfigur übernommen hat.

Interessant ist aber, dass das Fliegen auch christlichen Heiligen zugeschrieben wurde. Der bekannteste unter ihnen ist der «fliegende Pater» Josef von Copertino aus dem 17. Jahrhundert, dem über 30 öffentliche Levitationen nachgesagt wurden.

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Warum reiten Hexen auf Besen?
Aus SRF Kultur vom 28.04.2019.
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Auch andere Wunderkräfte, über die Harry Potter und seine Freunde verfügen – wie etwa Hermines Fähigkeit, an zwei Orten gleichzeitig zu sein – wurden in der katholischen Selig- und Heiligsprechung über viele Jahrhunderte für glaubwürdig erachtet.

Die Entstehung von Harry Potter erinnert doch auch an eine Offenbarung?

Ja, die Entstehungsgeschichte von Harry Potter, so wie Rowling sie erzählt, ist faszinierend und erinnert an solche Beschreibungen. Sie war 1990 im Zug unterwegs nach Edinburgh, in schlechter Gemütsverfassung, kurz nach einer gescheiterten Ehe. Ohne Job, Geld, Zukunftsaussichten und mit einem Baby im Gepäck.

Hogwärts-Schüler üben das Fliegen.
Legende: Keine Hexerei? Die Schüler von Hogwarts lernen die Kunst des Fliegens. Imago / Cinema Publishers

Da «erschien» ihr plötzlich das Gesicht eines jungen Zauberers. Rowling hat sich Harry Potter also nicht einfach ausgedacht, sondern er kam vielmehr zu ihr.

Vor diesem Ereignis hatte sie niemals daran gedacht, Schriftstellerin zu werden. Noch am selben Tag fertigte sie Notizen an und arbeitete in den folgenden Monaten und Jahren wie eine Besessene daran.

Das Gespräch führte Olivia Röllin.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Ich kenne die Bücher und die Filme sehr gut. Es gibt zweifellos unbestreitbare Ähnlichkeiten aber ich würde nicht soweit gehen das sich die Gechichten auf die Bibel zurückführen lassen.
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  • Kommentar von Stefan von Känel  (Trottel der feinen Gesellschaft)
    Vielleicht einfach mal ein paar Gänge zurückschalten mit der Debatte und nicht jedem fundamentalistischen Unsinn eine Plattform bieten. Gerade die Autoren der Bibel haben schamlos bei älteren Geschichten wie dem Gilgamesch-Epos oder dem Mithraskult abgekupfert. Viele Symbole, selbst das Kreuz, sind erst im Lauf der Zeit hinzugekommen. Das Christentum ist nicht exklusiv, sondern eine Religion unter vielen. Eine Erzählung von Menschen für Menschen. Wie Harry Potter.
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    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Viele magische Motive lassen sich auf die Bibel tzurückführen. Eine gewagte Aussage, aber sicher nicht fundamentalisitisch. Natlirich gibt es auffallende Ähnlichkeiten von Bibelpassagen mit älteren religiösen Werken, dass heist aber noch lange nicht dass Sie weniger wert ist.
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  • Kommentar von Jacqueline Gerber  (Tellerwascher)
    Auch wenn es einem keinen glaubt, Harry Potter ist Magie. Und nicht vergleichbar mit der Bibel. Magie ist in der Bibel verboten und der Teufel kopiert immer alles!
    Lesen Sie lieber die Bibel und prüfen Sie die Geister.
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    1. Antwort von Olivier Wetli  ("nicht von dieser Welt")
      Ja Frau Gerber, seit Eden verdreht die alte Schlange immer alles und mischt Wahrheit mit Lüge und verlockt damit das zu tun was entgegen Gottes Wort und Wahrheit steht. Nichts Neues unter der Sonne, wusste Salomo ja schon vor tausenden Jahren zu beobachten. Heute noch genauso. Nur schon die ersten Seiten der Bibel lesen wäre ein erfolgreicher Beginn der Prüfung. Wünsche allen Suchenden Erfolg.
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    2. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      Frau Gerber: Ich kenne die Harry Potter-Bücher und die Filme sehr gut. Durch die Sonntagsschule wurde mir auch die bibel nähergebracht und ich kann mich nicht erinnern dass darin die Magie verboten war.
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