Zum Inhalt springen

Header

Audio
Sachbuch: Revolte - der weltweite Auftstand gegen Globalsisierung
Aus Kultur-Aktualität vom 25.02.2020.
abspielen. Laufzeit 03:29 Minuten.
Inhalt

Sachbuch «Revolte» Was tun mit dem Unmut der Unzufriedenen?

Journalist Nadav Eyal interviewt Neonazis, Trump-Anhänger und Marine Le Pen und fragt: Warum ist die Welt so in Aufruhr?

Nadav Eyal ist in der Welt viel herumgekommen. Als Chefkorrespondent eines israelischen Fernsehsenders hat er Trump-Wähler in den USA interviewt und mit syrischen Flüchtlingen auf ihrem Weg durch Europa gesprochen.

In Thüringen hat er deutsche Neonazis getroffen, die sich nach alten, ruhmvollen Zeiten zurücksehnen. Von der französischen Politikerin Marine Le Pen hat er sich in Paris erklären lassen, wie sie die Abgehängten hinter sich sammeln und ihr rechtsextremes Rassemblement National zur stärksten Kraft in Frankreich machen will.

Machtstrukturen zerstören

Die Welt ist in Aufruhr – so sieht es Eyal. Die Menschen, die im Irak, im Iran oder in Paris auf die Strasse gingen, verbinde zwar keine zusammenhängende Ideologie, wohl aber die Überzeugung, dass die etablierten Machtstrukturen zerstört und ersetzt werden müssten.

Für Eyal hängt schon allein deshalb alles miteinander zusammen, weil die Welt im 21. Jahrhundert umfassend vernetzt ist; abgeschiedene, isolierte Räume gibt es nicht. Seine Beobachtungen von verschiedenen Brennpunkten fügen sich zu einer nachdenklich stimmenden Bestandsaufname.

Eyal gehört nicht zu denen, die den Prozess der Globalisierung als Ganzes verdammen. Er will vielmehr ihre negativen Auswüchse in den Griff bekommen.

«Ausbeutungszentren» in Asien und Afrika

Sein Buch richtet sich daher gegen eine Sicht – etwa auf Seiten der radikalen Linken – die besagt, dass es keine nachhaltige Globalisierung gibt und weltweite Vernetzung nur Elend produziert. Eyal hält mit Statistiken dagegen: Eine Milliarde Menschen wurde aus extremer Armut erlöst, die Kindersterblichkeit ist gesunken und ebenso die Zahl der Analphabeten.

Aber der Autor zeigt auch die Kehrseite des Fortschritts, erzählt von «Ausbeutungszentren» in Asien und Afrika. Deshalb ist für ihn die Position von ultraliberalen Ökonomen, die davon ausgeht, dass durch die Globalisierung letztlich jeder profitiert, gleichsam nicht akzeptabel.

Extremisten auf dem Vormarsch

Der Unmut der Unzufriedenen müsse in die richtigen Bahnen gelenkt werden, argumentiert Nadav Eyal. Er will die Gesinnung und die Energie der Revolte nutzen, um eine neue, bessere Weltordnung zu schaffen. Doch er ist kein Träumer.

Buchhinweis

Nadav Eyal: «Revolte. Der weltweite Aufstand gegen die Globalisierung». Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama, Ullstein Verlag.

Vorerst sieht der Journalist allerorts Extremismus und Rassismus auf dem Vormarsch – begünstigt durch Politiker wie den US-amerikanischen Präsidenten. Ein destruktiver und kurzsichtiger Politikstil habe das «Zeitalter der Verantwortung» abgelöst, das durch die Erinnerung an Weltkrieg und Vernichtung geprägt war.

Deutschland in der Verantwortung

Nun komme es darauf an, die Menschen für eine neue politische Erzählung zu gewinnen. Die zentrale Frage an die Mainstream-Politik laute: «Wofür kämpft ihr?»

Die notwendige Antwort sei: «Für Veränderung!» Es genüge schlichtweg nicht, Parteien wie die AfD zu bekämpfen.

Europa und vor allem Deutschland sieht Eyal in einer besonderen Rolle. Wo, wenn nicht hier, solle es gelingen, Menschen gegen extremistische und populistische Kräfte zu mobilisieren. Sein leidenschaftliches Buch zeigt, wie notwendig solches Engagement gerade heute ist.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Markus Koch  (Hmm)
    @ Tumasch. Ja das war etwas wenig verständlich. Ich wollte andeuten, dass eine Gruppierung von Prozentual wenigen Leuten (Neonazis) mit einer sehr großen Gruppen (Trumpanhänger) Gesinnungsmässig nahe aneinander gerückt wird. Es wird die Rechte Ecke als Problem analysiert und interviewt. Auf der anderen Seite gibt es ebenso extreme. Diese Einseitigkeit (ohne jetzt selber zu beurteilt was richtig ist) ist ermüdend. Es gibt nicht mehr viele Artikel die "neutral" verschiedene Seiten beleuchtet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Markus Koch  (Hmm)
    Dass hier in der Überschrift Neonazis (?%) Le Pen (Partei ~20%?) und Trump (~48%?) in einem Satz steht, zeigt für mich schon eine gewisse Einseitigkeit. Wann darf man mal wieder ein Artikel lesen der beide Seiten beleuchtet, ohne dass die Weltanschauung des Verfassers gleich schon in den ersten Zeilen offensichtlich wird?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Thomas Bünzli  (Tumasch)
      Was sollen die Zahlen hinter den Namen und was wollen Sie damit sagen? Es geht in diesem Buch um Extremismus und Rassismus - und so verstehe ich überhaupt nicht, was Ihr Vorwurf der Einseitigkeit soll. Und schon mal im Voraus die Weltanschauung des Autors zu kritisieren, lässt doch tief blicken bezüglich Ihrer Weltanschauung!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    "Der Unmut der Unzufriedenen müsse in die richtigen Bahnen gelenkt werden" Es ist mE umgekehrt, Unzufriedene müssen endlich ernstgenommen werden. Und auch wenn es keiner wahrhaben will, Durchmischung der Kulturen und mancherorts noch die Belastung einer Überbevölkerung, haben keineswegs zur Folge, dass Menschen sich näherkommen, im Gegenteil, es verstärkt weltweit Konfliktpotential.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Martin Egger  (Martin Egger)
      Nein, Beppie, Unzufriedene werden nur dann ernst genommen, wenn sie mächtig genug sind, daran kann man nichts ändern. Daher ist es schon richtig, wenn sie sich organisieren. Aber sie sollten sich nicht die Zerstörung als Ziel setzen, denn wenn einfach nur das Bestehende zerstört wird, bessert sich die Situation in der Regel nicht. Nur: wie bringt man ihnen das bei?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Beat Kessler  (KLERUS)
      Ach so ein Quatsch! Mein Freundeskreis ist extrem durchmischt und ich profitiere von allen diesen Kulturen. Abgesehen davon, empfehle ich ihnen einen Besuch auf einer Baustelle, oder einem Krankenhaus! Da werden Sie sehr schnell feststellen, wie angewiesen wir auf unsere ausländischen Mitbürger sind! Ja ich spreche von Mitbürgern, da ich jegliche Nationalität lächerlich und absurd finde.. Mit freundlichen Grüßen
      Ablehnen den Kommentar ablehnen