Zum Inhalt springen

Header

Audio
Unterwegs auf dem Schaffhauser Täuferweg
Aus Blickpunkt Religion vom 23.08.2020.
abspielen. Laufzeit 10:35 Minuten.
Inhalt

Schaffhauser Täuferweg Verfolgt und versöhnt: Unterwegs zu den Verstecken der Täufer

Einst führte der Fluchtweg verfolgter Täufer durch Schaffhausen. Heute kann man dort ihre Spuren entdecken. Und damit ein unrühmliches Kapitel der reformierten Kirchengeschichte.

Der Täuferweg liegt am nördlichsten Punkt der Schweiz, einen Katzensprung von Deutschland entfernt. Kein Zufall: Denn das war schon vor 500 Jahren eine Grenzregion. Hierher flüchteten im 16. und 17. Jahrhundert «Taufgesinnte».

Weil sie Kindertaufe und Kriegsdienst ablehnten, wurden die Täufer vom reformierten Kanton Bern und anderen Kantonen ausgewiesen. Manche durften sich im Jura niederlassen. Die meisten Täufer aber flüchteten «ennet de Rhy».

Wer sind die Täufer?

Box aufklappenBox zuklappen
Ein altes Bild mit Schaulustigen an einem Flussufer
Legende: Historische Szene: 1527 wird ein Täufer in Zürich ertränkt. Wikimedia / Heinrich Thomann

Die radikalreformatorische Täufer-Bewegung entstand im 16. Jahrhundert in Teilen Europas. Von der reformierten Kirche wurden sie anfangs verfolgt oder zur Assimilation gedrängt.

Ihre 5 Markenzeichen:

  • Ein radikal an der Bibel ausgerichtetes Leben
  • Erwachsenentaufe statt Taufe als Kind
  • Gewaltlosigkeit, d.h. Kriegsdienstverweigerung und aktive Friedensarbeit
  • Leben in der Glaubensgemeinschaft
  • Die Bewegung ist heute global und divers: Von den Amisch mit Pferdewagen über die afrikanische Friedensaktivistin bis zum Hamburger Universitätsprofessor ist alles dabei.

Von Schaffhausen aus ging es weiter in Staaten, die sie aufnahmen: in die Pfalz, die Niederlande oder bis nach Amerika. Der Schaffhauser Täuferweg informiert über diese bewegte Geschichte der Region. Von Merishausen führt er hoch auf den Randen, vorbei an Täuferverstecken im Wald bis hinunter nach Schleitheim.

Ein gemeinschaftliches Projekt

Den Themenweg bauten die reformierte Kirche, der Kanton und Ortsansässige gemeinsam. Sie wollten wissen, was in ihrer Heimat früher los war.

«Es hat mich einfach Wunder genommen, wer die Täufer waren», sagt der Merishausener Emil Weber. «Wir haben mehrere Flurnamen wie Täuferstieg, Täuferquelle, Täuferweg – und wussten doch nicht, was dahintersteckt.»

Merishausener und Schleitheimer Freiwillige fingen an zu forschen. Die reformierte Kirche, der Kanton und der Naturpark Schaffhausen halfen mit. Schliesslich konnte Emil Weber selbst die Wegschilder für den Täuferweg anbringen. Regelmässig füllt er jetzt die Kästen mit nützlichen Faltplänchen nach.

Sie würden rege nachgefragt. Auch aus dem Ausland kommen interessierte Wandersleute auf den Täuferweg.

Offene Bevölkerung

Ein Start- oder Endpunkt des schönen Naturwegs ist das Heimatmuseum Schleitheimertal mit dem «Täuferzimmer». Hier zeigt Heimatforscher Willi Bächtold stolz sein Prachtstück: eines der vier noch bekannten Originaldrucke des «Schleitheimer Bekenntnisses». Das hätte ein engagierter Bürger auf einer Auktion in München ersteigert, strahlt Bächtold.

Ein Buch mit alter Handschrift.
Legende: Das «Schleitheimer Bekenntnis» von 1527 im Museums Schleitheimertal. Regionaler Naturpark Schaffhausen , Link öffnet in einem neuen Fenster

Ihr Bekenntnis verfassten die Täufer 1527 hier in Schleitheim. Aus anderen Schweizer Kantonen wurden sie ihres unangepassten Glaubens wegen immer wieder ausgewiesen. Schaffhausen war ein wenig offener. Zumindest die Bevölkerung, ergänzt die reformierte Pfarrerin Doris Brodbeck.

Unrühmliche Geschichte

Auch Brodbeck engagiert sich seit Jahren, damit dieser unrühmliche Teil reformierter Geschichte nicht vergessen geht. Schliesslich verfolgten die Reformierten damals mit den Täufern ausgerechnet ihre reformatorischen Glaubensgeschwister. Bei diesem Weg gehe es daher auch um Versöhnung.

2004 wurde dem ein Denkmal gesetzt: Der «Täuferstein» erinnert an die Verfolgung der evangelischen Minderheit. Und Doris Brodbeck regt auf ihren Führungen auch zum Nachdenken an und fragt: «Wie gehen wir heute mit Minderheiten und Andersgläubigen um?»

Eine Holzhütte in einem Wald
Legende: Weil die Täufer auf der Flucht kaum Spuren hinterliessen, baute man im Wald eine Holzhütte nach. Regionaler Naturpark Schaffhausen , Link öffnet in einem neuen Fenster

Vom Täuferstein aus geht es tief in den Wald hinein: Hier fanden verfolgte Täuferfamilien einst Zuflucht. Sie bauten sich Holzhütten, versteckt im Wald. Eine solche «Täuferhütte» haben sie für den Täuferweg nachgebaut. Denn steinerne Zeugnisse haben diese Menschen auf der Flucht keine hinterlassen.

Der Schaffhauser Täuferweg führt über den Randen durch wunderschöne, teils unberührte Natur. Schmetterlingswiesen säumen den Weg. Neben tiefen Einblicken in die Geschichte der Region Schaffhausen gibt es also auch fantastische Ausblicke bis zu den Alpen zu erleben.

Radio SRF 1, Zwischenhalt, 22.8.20, 18:30 Uhr

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.