Scharf beobachtet: Muslimische Seelsorge im Asylzentrum

Im Asylzentrum Juch im Kanton Zürich sind drei muslimische Seelsorgende tätig. Angestellt sind sie beim Staatssekretariat für Migration. Das Projekt und die drei Seelsorger werden genau geprüft und laufend evaluiert. Auch der Nachrichtendienst des Bundes hat die Seelsorger unter die Lupe genommen.

Frau mit Kopftuch trägt Kind auf dem Arm. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die muslimischen Seelsorger im Asylzentrum Juch sind besonders für muslimische Frauen und Kinder wichtig. Keystone

Im Bundesasylzentrum Juch im Kanton Zürich wird das beschleunigte Asylverfahren für die Schweiz getestet. Als Teil davon läuft seit Anfang Juli ein Pilotprojekt für muslimische Seelsorge. Die bereits tätigen römisch-katholischen und evangelisch-reformierten Seelsorger sollen unterstützt werden. Das Pilotprojekt ist auf ein Jahr limitiert.

«Wir sind sehr erfreut, dass es nach einer dreijährigen Vorbereitungsphase jetzt anläuft», sagt Belkis Osman-Besler. Sie ist Vizepräsidentin der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich VIOZ, mit dem das Staatssekretariat für Migration (SEM) für das Seelsorge-Projekt zusammenarbeitet. Die VIOZ unterhält bereits ein Projekt für muslimische Notfallseelsorge bei belastenden Ereignissen.

Testlauf mit drei muslimischen Seelsorgenden

Drei muslimische Seelsorgende teilen sich ein Pensum von 70 Prozent für die Betreuung der Asylsuchenden. Angestellt und bezahlt werden sie während der einjährigen Testphase vom Staatssekretariat für Migration (SEM).

Wer die Seelsorgenden sind, ist nicht bekannt. SEM-Sprecherin Céline Kohlprath erklärt: «Das SEM gibt aus Datenschutzgründen die Namen der Mitarbeitenden der muslimischen Seelsorge nicht bekannt». Belkis Osman-Besler von der VIOZ ergänzt: «Wir gehen das Projekt erst einmal ruhig an. Die Seelsorgenden sollen nicht bedrängt werden und sich nicht mit den Medien herumschlagen müssen.»

Vom Nachrichtendienst geprüft

Zum Profil der muslimischen Seelsorgenden erläutert Belkis Osman-Besler: «Sie haben Erfahrungen in der Seelsorge allgemein und im Umgang mit Asylsuchenden. Sie haben alle eine Ausbildung in religiöser Hinsicht.»

Die Seelsorgenden mussten viele Kriterien erfüllen, darunter Sprachkenntnisse, insbesondere der arabischen Sprache, und die «Anerkennung und Einhaltung von rechtsstaatlichen und demokratischen Prinzipien». Alle wurden vom Nachrichtendienst des Bundes geprüft.

Kein Generalverdacht

Die intensive Prüfung kommentiert Belkis Osman-Besler nüchtern: «Ein sauberer Leumund war Bedingung. Das finden wir nicht so schlimm. Es ist gut, wenn wir wissen, dass diese Leute vom Staat geprüft und für gut befunden wurden. Auch die VIOZ wurde geprüft.»

Den Test für muslimische Seelsorge begründet das Staatssekretariat für Migration mit der Zunahme von muslimischen Asylsuchenden aufgrund des Syrienkriegs. SEM-Sprecherin Céline Kohlprath ergänzt: «Oft besuchen muslimische Männer die lokalen Moscheen. Viele der Asylsuchenden im Asylzentrum sind aber muslimische Frauen und Kinder. Da diese Personen zu den speziell verletzlichen Gruppen im Asylbereich gehören, ist es gut, wenn eine muslimische Seelsorge als Ansprechperson vorhanden ist.»

Zusammen mit den Landeskirchen

Die muslimischen Seelsorgenden arbeiten mit den Seelsorgern der Landeskirchen zusammen. Belkis Osman-Besler erläutert: «Wir teilen nicht so auf, dass sich die kirchlichen Seelsorger nur noch auf die christlichen Asylsuchenden konzentrieren und wir uns auf die muslimischen. Die Seelsorge soll interreligiös möglich sein.»

Die Landeskirchen begrüssen das Projekt. Esther Straub, Kirchenrätin der evangelisch-reformierten Kirche im Kanton Zürich sagt: «Wir freuen uns sehr, dass das Projekt nun gestartet ist und wir in der interreligiösen Zusammenarbeit der Seelsorge erste Erfahrungen sammeln können.»

Erkenntnisse für Spital-, Notfall- oder Gefängnisseelsorge

Die Kirchen hoffen, dass auch in den anderen Bundesasylzentren die muslimische Seelsorge in Zusammenarbeit mit der christlichen Seelsorge etabliert werden kann. Esther Straub kann sich eine weitergehende Zusammenarbeit mit Muslimen vorstellen: «Wir erhoffen uns Erkenntnisse für die Spital-, Notfall- oder Gefängnisseelsorge, wie in Zukunft auch dort muslimische Seelsorge etabliert und die Zusammenarbeit zwischen den Religionen stattfinden kann.»

Das Pilotprojekt «Muslimische Seelsorge im Bundesasylzentrum» wird durch das Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft der Universität Freiburg evaluiert. Pilotprojekte werden grundsätzlich von einer externen, unabhängigen Stelle evaluiert, heisst es dazu beim SEM. Man sieht in der Auswertung kein Misstrauensvotum gegenüber den muslimischen Seelsorgenden oder vorauseilenden Gehorsam gegenüber Kritik von politischer Seite.

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