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Regebogen-Pfarramt in Zürich
Aus Tagesschau vom 07.08.2021.
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Seelsorge für Queer-Community In Zürich predigt neu eine Regenbogen-Pfarrerin

Die Reformierte Kirche der Stadt Zürich hat ein Regenbogen-Pfarramt eingerichtet, um auch die Queer-Community zu erreichen. Das sorgt für Beifall, aber nicht nur.

Priscilla Schwendimann ist jung, lesbisch, und die erste Regenbogen-Pfarrerin in Zürich. Die 28-Jährige ist der Meinung, es brauche Seelsorge, zugeschnitten auf die Queer-Community: «Viele Studien zeigen, dass die Suizidrate bei homosexuellen Jugendlichen fünfmal höher ist als bei Hetero-Jugendlichen.»

Sie wolle den Betroffenen zuhören und da sein, etwa bei einem Coming-Out, erklärt die junge Pfarrerin. «Ich möchte ihnen das Versprechen geben, dass Gott auch sie liebt.» Seit Anfang August ist Priscilla Schwendimann im Amt, derzeit feilt sie mit ihrem Team am Konzept.

Legende: Aus ihrer lesbischen Beziehung macht Schwendimann kein Geheimnis. Ihre Homosexualität sei innerhalb der Kirchengemeinde kein Problem. SRF / LUCA FUCHS

Die Reformierte Kirche der Stadt Zürich hat das Regenbogen-Pfarramt neu geschaffen. Finanziert ist es vorerst für drei Jahre. Ziel ist, die Queer-Community in Zürich zu erreichen. Auch, weil die grösste Kirchgemeinde der Schweiz mit ihren über 70'000 Mitgliedern schrumpft.

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Priscilla Schwendimann – lesbische Pfarrerin im Portrait
Aus Schweiz aktuell vom 11.03.2021.
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«Zu spät und zu wenig»

Nicht alle in der Kirche finden dieses Amt gut. Da ist eine Handvoll konservativer Pfarrer, die am liebsten keine gleichgeschlechtlichen Paare segnen würden. Das neue Regenbogen-Pfarramt bezeichnen sie hinter hervorgehaltener Hand als «Werbe-Gag».

«Das Regenbogen-Pfarramt kommt zu spät und es ist zu wenig», kritisiert auch die Pfarrerin Gina Schibler. Sie hat selbst jahrelang spezielle Tagungen für Schwule und Lesben mitorganisiert – als Studienleiterin am Evangelischen Tagungs- und Studienzentrum Boldern in Männedorf.

Legende: Pfarrerin Gina Schibler kritisiert: «Das Regenbogen-Pfarramt kommt zu spät und es ist zu wenig.» SRF

Früher habe es solche Treffpunkte dringend gebraucht, sagt Gina Schibler. Heute sei die Zeit jedoch eine andere. «Die Zeit des kirchlichen Darkrooms ist vorbei. Lesben und Schwule sind in der Mitte der Gesellschaft und Kirche angekommen. Wir sollten sie stolz feiern, in jeder einzelnen Gemeinde», fordert die frisch pensionierte Pfarrerin, die im Zürcher Kirchenparlament für die Liberalen politisiert.

Keine abgesonderten Grüppchen

Eine Kirche, in der alle Platz haben – egal, wen sie lieben. Und keine abgesonderten Grüppchen. Das fordert auch Theologieprofessor Ralph Kunz, er steht dem Projekt beratend zur Seite. «Ich will darauf achten, dass nicht eine Sondergemeinde entsteht, sondern dass der Kontakt zur Volkskirche erhalten bleibt», so Kunz.

Die Ansprüche der Kirche sind das eine, die Bedürfnisse der Queer-Community das andere. Dazwischen steht die junge Pfarrerin. «Ich denke nicht, dass es meine Hauptaufgabe ist, Menschen für die Kirche zu gewinnen. Ich möchte ihnen zusprechen, dass es einen Gott gibt, die sie liebt», sagt sie. Die Gott oder der Gott – frischen Wind in die Zürcher Kirchen bringt die Regenbogen-Pfarrerin allemal.

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53 Kommentare

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  • Kommentar von Marion Boxler Lieske  (Maboli)
    Bei mir hört es schon beim Vater Unser auf, egal, ob das von einer LGBTQ Person gesprochen wird. Nur schon das mit dem Vater unser ist doch vorbei, der uns von dem Bösen erlösen und uns in sein geheiligtes Reich bringen soll? Hä?. Warum nicht Mutter unsere oder Trans Unsere? Wie man es dreht, für mich geht Religion nie auf.
  • Kommentar von Rudi Hardy  (Wombat)
    Langsam wird es Zeit die Kirchensteuer abzuschaffen; wir haben sie nicht hier und vielleicht auch weniger Klagen wenn Schwule und Lesben hier predigen moechten.
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Hardy: Die Kirchensteuer entstand in der Zeit als die Kirche als Macht abgelöst wurde und Sie der meisten Einnahmen beraubt wurde, die Kirchensteuer entstand als Ausgleich. Es sollte in der Tat beim Predigen keine Rolle spielen ob die predigende Person eine Frau oder ein Mann liebt. Aber die Kirchensteuern abzuschaffen ohne einen Ausgleich zu schaffen macht die Situation nicht besser, sondern schlechter. Die Kirchen übernehmen immer häufiger dort Verantwortung wo der Staat sich drückt.
  • Kommentar von Werner Gerber  (1Berliner)
    Frau Waeber, ich verstehe Ihre starke Reaktion nicht so ganz. Als Nichtreligiöser möchte ich entgegenhalten, dass das Christentum natürlich kein Aberglauben ist, sondern als eine der Weltreligionen die Basis unserer Kultur. Die Kirche als Institution des Machtmissbrauchs ist aber trotzdem auch beweglich und es gibt großartige PfarrerInnen und es geschehen solche begrüßenswerte Entscheidungen wie jetzt in Zürich.