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Megatrend Gaming: Wer bin ich, wenn ich spiele?
Aus Sternstunde Philosophie vom 06.10.2019.
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Serious Moral Games Am Ende gewinnt der Patient

Ein Forschungsteam der Universität Zürich entwickelt Videospiele, die Menschen dabei helfen sollen, moralische Probleme zu erkennen. Zwei der Forscher über Sinn und Szenarien ihrer «Serious Moral Games».

Markus Christen

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Der Geschäftsführer der Digital Society Initiative an der Universität Zürich leitet die «Neuro-Ethics-Technology»-Forschungsgruppe am Institut für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte. Er ist Initiator des «Moral Sensitivity»-Projekts des Schweizerischen Nationalfonds und massgeblich an der Entwicklung der «Serious Moral Games» beteiligt.

Johannes Katsarov

Johannes Katsarov

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Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Ethikzentrum der Universität Zürich schliesst zurzeit sein Doktorat zum Nutzen von Videospielen für das Training moralischer Sensitivität ab und hat selbst bereits zwei «Serious Moral Games» mitentwickelt und erprobt.

SRF: Wer ist die Zielgruppe dieser «Serious Moral Games»?

Markus Christen: Eine Zielgruppe sind aus pragmatischen Gründen die Mediziner, da die Studierenden Ethikkurse besuchen müssen. Wir haben uns daher für die Szenarien an Problemen orientiert, die im medizinischen Alltag eine gewisse Häufigkeit und Relevanz haben.

Letztes Jahr haben wir aber auch ein Spiel für den Finanzsektor entwickelt, und ein breiterer Einsatz – beispielsweise an Schulen – wäre gut vorstellbar.

Können Sie ein Beispiel für ein solches Szenario nennen?

Johannes Katsarov: Ein Szenario dreht sich um einen Patienten mit multipler Sklerose, der einen Elektro-Rollstuhl benötigt.

Es wird klar, dass er bald nur noch mit künstlicher Beatmung wird leben können. Man muss nun mit dem Patienten darüber sprechen, was im Notfall zu tun ist und eine Patientenverfügung verfassen.

An einem späteren Spieltag liegt der Patient im Sterben und die Eltern streiten sich darüber, was zu tun ist. Je nachdem, wie man vorher gehandelt hat, gestaltet sich die Situation schwieriger oder weniger schwierig.

Screenshot eines Videogames.
Legende: Noch sind sie vor allem auf Ärztinnen und Ärzte zugeschnitten: die «Serious Moral Games». Universität Zürich

Erreichen die «Serious Moral Games» ihr Ziel?

Katsarov: Im Rahmen einer Laborstudie hat sich gezeigt, dass Personen, die unser Medizinspiel zwei Stunden spielten, der Patienten-Autonomie nachher eine wesentlich grössere Bedeutung beimassen als Personen, die ein kommerzielles Medizinspiel spielten.

In einer anderen Studie wurden Medizinstudierende zufällig einem Kurs mit oder ohne Spiel zugeordnet. Hier zeigte sich, dass die Personengruppe mit dem Spiel ethischen Aspekten in ihrem Alltag danach wesentlich mehr Bedeutung schenkte.

Moralische Szenarien haben selten eine eindeutige Lösung. Wie wird also entschieden, wie im Spiel Punkte vergeben werden?

Christen: Wir haben Fälle, in denen wir Punkte vergeben, von drei bis vier Leuten begutachten lassen. Wenn wir uns über die Punkteverteilung nicht einig waren, führten wir eine kleine Debatte darüber und entschieden uns dann entsprechend.

Natürlich gibt es auch uneindeutige Fälle.

Aber dieses Problem besteht halt. Es ist ja letztlich ein Spiel, und ein Spiel braucht eben Punkte, um eine spannende und lehrreiche Erfahrung zu bieten. Dabei verliert man einfach eine gewisse philosophische Subtilität.

Ist es also nicht moralisch problematisch, in einem solchen Spiel Punkte für bestimmte Entscheidungen zu vergeben?

Katsarov: Das Feedback, das man bekommt, wird von uns nicht als etwas rein Objektives verkauft. Andererseits gibt es besonders in der Medizin- und Wirtschaftsethik gewisse Standards, auf die sich alle einigen können.

Natürlich gibt es auch uneindeutige Fälle. Aber im Spiel geht es beispielsweise darum, dass man als Mediziner nicht so tut, als wäre eine Sache medizinisch eindeutig und den Betroffenen vorbehaltslos zu etwas rät.

Die Leute gewinnen das Spiel deshalb dann, wenn sie das tun, was der Patient will.

Das Gespräch führte Gina Messerli.

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