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Paul Bucherer kennt Afghanistan wie kaum ein anderer
Aus Kultur-Aktualität vom 18.08.2021.
abspielen. Laufzeit 03:27 Minuten.
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Sorge um Kulturgüter «Die afghanische Bevölkerung ist auf ihre Kultur angewiesen»

Afghanistan? Damit verbinden wir schon länger Krieg, Zerstörung und Gewalt. Wofür das Land historisch und kulturell steht, wissen viele Menschen nicht.

Paul Bucherer hat Ende der 1990er-Jahre in der Schweiz das «Afghanistan Museum im Exil» eingerichtet und auf diese Weise Kunstgegenstände vor der Zerstörung gerettet. Das sei wichtiger denn je, sagt Bucherer.

Paul Bucherer

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Paul Bucherer studierte Architektur und reiste für mehrere Forschungsaufenthalte nach Afghanistan, wo er den persischen Dialekt Dari lernte. Zusammen mit seiner Frau gründete er die «Bibliotheca Afghanica», eine Sammlung von Büchern und anderen Dokumenten aus und über Afghanistan. Ende der 1990er-Jahre hat er in der Schweiz das «Afghanistan Museum im Exil» eingerichtet und so Kunstgegenstände vor der Zerstörung gerettet. Alle diese Schätze wurden inzwischen zurückgeführt.

SRF: Haben Sie Angst, dass Ihre Arbeit der vergangenen Jahre umsonst war, wo die Taliban Kabul eingenommen haben?

Paul Bucherer: Es ist nicht gesagt, dass ganz Afghanistan völlig umgekrempelt wird. Ich glaube, dass die Afghaninnen und Afghanen versuchen werden, ihren Weg zu gehen. Dafür sind sie auf ihre Kultur und Traditionen angewiesen.

Einige Kulturschätze kamen Ende der 1990er-Jahre auch auf Wunsch der Taliban in die Schweiz, um geschützt zu werden. 2007 wurden sie nach Afghanistan zurückgeführt. Wo befinden sie sich jetzt?

Alle zurückgeführten Kulturgüter sind im afghanischen Nationalmuseum untergebracht. Zum Teil sind sie eingelagert, zum Teil werden sie ausgestellt. Sie werden in Kabul von gut ausgebildeten Fachleuten betreut.

Legende: Paul Bucherer lagerte mehr als 1'400 Artefakte im «Afghanistan Museum im Exil» in Bubendorf, bevor er sie 2007 retournierte. AP Photo/Musadeq Sadeq

Sind nicht Brücken, Brunnen und Schulen wichtiger als Kulturgüter oder der Wiederaufbau von Museen?

Das habe ich auch geglaubt. Ich wurde von der afghanischen Bevölkerung aber eines Besseren belehrt. Die Leute sagten, ein Brunnen könne zwar verschüttet, aber auch wieder gegraben und aufgebaut werden. Wenn unsere Kultur zerstört ist, ist sie für immer verloren.

Die afghanische Bevölkerung hat mich eines Besseren belehrt.
Autor: Paul Bucherer

Viele im Westen assoziieren Afghanistan mit Krieg. Warum wissen wir so wenig über Kultur und Geschichte dieses Landes?

Die falschen Vorstellungen resultieren in erster Linie aus dem Umstand, dass die meisten ausländischen Besucher, Politikerinnen, Journalisten und Touristinnen immer nur mit einer kleinen gebildeten Elite in Kontakt kommen, die eine Fremdsprache spricht.

Mit der Bevölkerung auf dem Land kommen sie hingegen kaum in Kontakt. Aber dort sieht das Leben völlig anders aus.

Können Sie ein Beispiel für diese typisch afghanische Kultur nennen?

Da sind etwa diese speziellen Wiegen, die in jedem Haushalt existierten, aber in diesen 40 Kriegsjahren in den meisten Fällen als Brennholz verheizt worden sind.

Einige wenige dieser Exemplare haben wir mit dem «Afghanistan Museum im Exil» gerettet. Sie befinden sich jetzt in Kabul im Nationalmuseum.

Das Gespräch führte Katrin Becker.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 18.08.2021, 08:06 Uhr;

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
    Die Taliban sind der Kulturgüter unwürdig: Die Buddha-Statuen von Bamiyan waren einst die grössten stehenden Buddha-Statuen der Welt. Sie befanden sich bis zur Zerstörung durch die Taliban im März 2001 im Zentrum Afghanistans.
    Die Kulturgüter gehören allen Menschen der Welt, und nicht den Leuten, die durch Mord und Totschlag ein Land beherrschen.
  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    In erster Linie ist die afghanische Bevölkerung für ihre Kulturgüter verantwortlich, auch und vor allem, was sie unter „ihren“ Kulturgütern verstehen will. Dazu haben wir aus dem Westen nichts zu sagen.Solange Menschen „ihre Kultur“ leben, überlebt sie. Auch die afghanische Kultur wird sich wandeln im Tempo, das ihr die Aghanen zugestehen.
    1. Antwort von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
      Der böse Westen. Mir ist dieses Weltbild zu primitiv.
    2. Antwort von Andres Mettler  (Medi)
      Langsam nervt mich diese Art zu sagen, wir im Westen dürfen keine Ahnung haben von deren Kultur, geschweige denn Sie temporär zu verwalten. Auch schön wie sie die Afgahnen als "ein Volk" darstellen, das zwar etwa aus ungf. 40 Ethnien besteht. Jede auch noch mit ihrer eigenen Geschichte. Von denen manche verfolgt wurden, die zwangsläufig emigrieren mussten. Da störe ich mich einfach, an Ihrer kategorischen Aussage. Vor allem weil Kultur auch bewusst zerstört wird aus ideologischen Absichten.
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Hätten die Amerikaner damals nicht dich Mudschaheddin im Kampf gegen die Russen hochgerüstet wär's nicht so weit gekommen und Afgahnistan's Frauen wären auch heute noch - zwar sozialistisch - immer noch frei, gebildet und modisch...
    1. Antwort von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
      Reine Spekulation! Vor allem der Punkt mit der Freiheit: Aber naja, vielleicht hätten wir dann dort turkmenische oder usbekische Verhältnisse; wer weiss das schon?
    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Gehe ich richtig in der Annahme, dass sie die Zeit, in der Afghanistan unter sowjetischer Besatzung war nicht wissentlich erlebten?
    3. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Baron: Die russischen Besatzer waren im Land nicht willkommen, deswegen wurden Sie ja bekämpft. Die USA und ihre Verbündeten haben Diese lediglich unterstützt. Es kam also schon ohne diese Unterstützung zum Kampf. Die Taliban sind mit den Mudschaheddin nicht identisch und wurden von Pakistan her radikalisierten Afghanen gegründet. Mit massiver Unterstützung von Pakistan und Saudi-Arabien eroberten die Taliban damals das Land. Sie wurden von der Nordallianz und Verbündeten geschlagen.