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Spirituelle Literatur Fünf wärmende Bücher für die kalte Jahreszeit

Brauchen Sie Lesestoff, um durch den Winter zu kommen? Wir hätten da einige Vorschläge.

Leben für Anfänger

Wie erklärt man einem Neuankömmling die Welt? Das hat sich der Ire Oliver Jeffers nach der Geburt seines Sohnes gefragt. Seine Antwort ist das Bilderbuch «Hier sind wir: Anleitung zum Leben auf der Erde». Mit verspielten Bildern und knappen Texten zeigt er eine Welt, in der Werte wie Neugier, Offenheit, Toleranz und Achtsamkeit vorherrschen.

Das alles könnte banal sein, ist es aber nicht. Denn die Optik des Autors ist entscheidend: Seine «Anleitung» basiert auf Witz, Selbstironie und dem Wissen um das eigene Unwissen. Diese Welt zu entdecken ist ein aufregendes Abenteuer.

Von Noëmi Gradwohl

Oliver Jeffers: «Hier sind wir. Anleitung zum Leben auf der Erde.» NordSüd, 2018. Empfohlen ab 4 Jahren.

Was ist ein gerechter Tausch?

Ein Erlebnis in Indien hat Christoph Fleischmann die Augen geöffnet: Der «arme Student» aus Deutschland gehörte in Indien plötzlich zu den «Wohlhabenden». Dies empfand er als ungerecht und die Frage nach einer gerechten Wirtschaft hat ihn nicht mehr losgelassen.

Nun unternimmt der Journalist und Theologe eine faszinierende Reise durch die Geschichte der Tauschgerechtigkeit – von Aristoteles über die Bibel bis zu den neoliberalen Ökonomen der Gegenwart. Und er zeigt: Bei der Frage nach sozialer Gerechtigkeit bleiben Bibel und Reformation Quellen der Inspiration.

Von Norbert Bischofberger

Christoph Fleischmann: «Nehmen ist seliger als geben. Wie der Kapitalismus die Gerechtigkeit auf den Kopf stellte.» Rotpunkt, 2018.

Der Basler Hipster-Theologe

Für Ralf Frisch ist Karl Barth ein «Hipster der Theologie» und seine Theologie ein «Offenbarungsdadaismus». Frisch, Professor für systematische Theologie an der Evangelischen Hochschule Nürnberg, zeigt in seinem Buch, wie modern Barth war und heute noch ist.

Karl Barth stellte damals vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges seine Gilde in Frage. Wie also würde er heute über Pfarrerinnen und Theologen urteilen, da Terror und Krieg genauso drängend sind? Für Ralf Frisch ist Karl Barth mit seinem radikalen Verzicht auf eine Beweisbarkeit Gottes erst heute richtig aktuell.

Von Deborah Sutter

Ralf Frisch: «Alles gut. Warum Karl Barths Theologie ihre beste Zeit noch vor sich hat.» Theologischer Verlag Zürich, 2018.

Einblick in eine versteckte Lebenswelt

Es brauchte etwas Überzeugungsarbeit. Doch dann öffneten die Schwestern des Klosters Fahr ihre Türen und liessen sich von der Autorin Susanne Bosshard-Kälin und dem Fotografen Christoph Hammer in ihrem Klosteralltag begleiten.

Für die Nonnen war das Buchprojekt eine ungewohnte Öffnung nach Aussen, die sie mit viel Witz, Bescheidenheit und einer berührenden Portion Selbstreflexion meisterten. Einmalige und eindrückliche Einsichten in eine Lebenswelt, die aus der Zeit gefallen scheint und es bei genauerem Hinsehen doch nicht ist.

Von Maya Brändli

Susann Bosshard-Kälin: «Im Fahr. Die Klosterfrauen erzählen aus ihrem Leben.» Hier und Jetzt, 2018.

Lob der Naturreligion

Der US-Religionswissenschaftler Reza Aslan provoziert gerne. In flotter Schreibe galoppiert er durch die Menschheits- und Religionsgeschichte. Am wohlsten fühlt er sich schlussendlich im scheinbaren Natur-Paradies von Eva, der Jägerin, und Adam, dem Sammler.

In den Naturreligionen sei die Mitwelt, seien Mitmensch und Mitgeschöpfe, als beseelt erfahren worden. Diese «pantheistische Mystik» sei die ursprünglichste und erstrebenswerteste Form von Spiritualität, meint Aslan. Er glaubt, das Göttliche in seinen Mitmenschen und Mitgeschöpfen bereits gefunden zu haben.

Von Judith Wipfler

Reza Aslan: «Gott. Eine Geschichte des Menschen.» Gütersloher Verlagshaus, 2018.

Die «mächtigste Nonne des Mittelalters»

Hildegard von Bingen ist auch jenen ein Begriff, die mit Nonnen und Heiligen nicht viel am Hut haben. Sie ging als Mystikerin, Musikerin und Heilerin in die Geschichte in. Noch heute wird Medizin nach ihr benannt.

Doch die Autorin Regina Kaiser will die Heilige aus dem Mittelalter nicht darauf reduzieren. In ihrer süffig geschriebenen Romanbiographie zeigt sie Hildegard als Frau, die kompromisslos ihren Weg geht. Man erhält das Gefühl, Hildegard von Bingen als Menschen kennen zu lernen.

Von Kathrin Ueltschi

Maria Regina Kaiser: «Hildegard von Bingen. Die mächtigste Nonne des Mittelalters.» Herder, 2018.

Sendebezug: Blickpunkt Religion 30.9. bis 4.11.18, jeweils Sonntag 8:08 Uhr.