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Interview mit Daniel Vogler zur Medienstudie
Aus Kultur-Aktualität vom 25.08.2021.
abspielen. Laufzeit 03:25 Minuten.
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Studie der Uni Zürich Woran die Kulturberichterstattung in der Schweiz kränkelt

Die Kulturberichterstattung in Schweizer Medien gilt als «intakt, aber gefährdet». Hauptgrund ist die sinkende Vielfalt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Forschungszentrums für Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) der Universität Zürich.

Für die Studie untersuchte das Team der Universität Zürich während fünf Jahren 48 Medienangebote in der ganzen Schweiz. Medienwissenschaftler Daniel Vogler hat an der Studie mitgearbeitet und erklärt, woran die Kulturberichterstattung kränkelt.

Daniel Vogler

Daniel Vogler

Stellvertretender Direktor des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft

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Daniel Vogler arbeitet am Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) der Universität Zürich. Seine Schwerpunkte sind Public Relations, Journalismusforschung, Onlinekommunikation und Krisenkommunikation. Seit 2020 ist er stellvertretender Direktor des Fög.

Die Kulturberichterstattung in der Schweiz sei intakt, aber gefährdet, lautet das Ergebnis der Studie. Was heisst das konkret?

Daniel Vogler: Die Berichterstattung in Schweizer Medien ist im Prinzip von guter Qualität. Schweizer Medien leisten in diesem Bereich vieles, aber Konzentrationsprozesse der Medienlandschaft gefährden die Vielfalt der Kulturberichterstattung.

Gelitten hat insbesondere die Berichterstattung, die viele Ressourcen braucht.
Autor: Daniel Vogler Stellvertretender Direktor des Fög

Sie sprechen den Zusammenschluss der regionalen Zeitungen wie etwa Basler Zeitung, Berner Zeitung oder Tagesanzeiger zur TX Group an. Leidet die Kultur besonders an diesem Verlust der Vielfalt?

In der Kultur ist es zumindest auch sichtbar. Vor allem die Einführung von Zentralredaktionen in den grossen Medienhäusern hat dazu geführt, dass immer mehr gleiche Inhalte über verschiedene Medien ausgespielt werden. Das mag für die einzelnen Nutzerinnen und Nutzer kein Problem sein, aber im Medienmarkt verschwindet dadurch die Vielfalt.

Welche Art der Berichterstattung hat in den letzten Jahren besonders gelitten?

Insbesondere die Berichterstattung, die viele Ressourcen braucht. Also überall da, wo Journalistinnen und Journalisten viel Zeit investieren müssen. Konkret ist das die Hintergrund- oder die kritische Kulturberichterstattung. Da sehen wir den grössten Vielfaltsverlust.

In der Suisse romande wird Kultur von den Medien stärker gewichtet.
Autor: Daniel Vogler

Gibt es eigentlich Unterschiede bei der Kulturberichterstattung zwischen den Schweizer Sprachregionen?

Den gibt es durchaus. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass Medien in der Suisse Romande Kultur stärker gewichten. Der Anteil ist da höher als in der Deutschschweiz und im Tessin.

Es gab Kritik an der Studie von gewissen spezialisierten Medien für Kulturberichterstattung: Sie seien nicht vertreten darin. SRF Kultur zum Beispiel ist auch nicht vertreten. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

Die Studie ist ein erster Schritt, um die Kulturberichterstattung in der Schweiz zu vermessen. Wir hätten natürlich gerne mehr gemacht, aber es ist auch eine Frage der Ressourcen.

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Kulturjournalismus – wie kann er sich behaupten
53:51 min, aus Kontext vom 01.11.2020.
abspielen. Laufzeit 53:51 Minuten.

Ist das Ergebnis dieser Studie nicht etwas verfälscht, wenn Sie Kulturmagazine gar nicht einbeziehen?

Die Studie hatte das Ziel, die Nachrichtenmedien der Schweiz zu analysieren, nicht Special-Interest-Magazine. Wir wollten bewusst die Medien untersuchen, die ein sehr breites Publikum erreichen.

Im Nachgang der Studie fordern Sie eine breit abgestützte Nachrichtenagentur für Kulturinformation. Wie stellen Sie sich die Arbeit einer solchen Agentur konkret vor?

Grundidee ist, dass man gemeinsam Ressourcen investiert, um Kulturinhalte aufzubereiten. Dass man Ressourcen zusammenlegt, um in den verschiedenen Medien ein vielfältiges Kulturangebot zu garantieren. Die Idee ist, Ressourcen zu bündeln anstatt sie gegeneinander auszuspielen.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell. 25.8.2021, 07:06 Uhr;

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Kultur: Nutzerstruktur abklären!
    Wir wissen sehr wenig über die Nutzerstruktur der Kulturangebote. Sind es immer die gleichen Kulturinteressierten, welche immer wieder das gleiche Kulturangebot nutzen? Sind es Junge oder Alte? Aus welchem Bildungskreis stammen sie? Die Kulturförderung scheut in der Regel solche differenzierten Nachfrageuntersuchungen. Sie sind aber als Grundlage zur Festlegung der Richtlinien für die Kulturförderung und für die Festlegung der Kulturfinanzierung unabdingbar.
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Es gibt viele Nicht-Journalisten/innen die durchaus in der Lage wären qualitativ gut über Kultur zu berichten. Man müsste ihnen nur eine Plattform bieten.
    Leider ist die Zunft der Journalisten eine selbstverliebte Echokammer die glaubt, nur sie alleine wären im Stande über Kultur zu berichten, obwohl Journalisten dieser oft weniger nahe stehen, als die Leser die sich damit befassen.
    Medien müssen raus aus dem Elfenbeinturm und Plattformen schaffen die von Interessierten getragen werden.