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Ein Verkehrspolizist im gestreiften Häuschen am Central in Zürich, im Hintergrund ein Tram und Fussgänger.
Legende: Polizist am Central: Zwischen Fussgängern, Trams und Autos ein Ruhepol. Flickr/Andi Gentsch
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Gesellschaft & Religion Technik wäre überfordert – Polizisten regeln den Verkehr elegant

Sie verleihen dem Alltagsrauschen einen Anstrich von Eleganz: Die Polizisten, die am Zürcher Central den Verkehr regeln. Nicht nur, weil sie inmitten der Hektik stoische Ruhe bewahren. Sondern auch, weil sie beweisen: Menschliche Intelligenz regelt den Verkehrsfluss besser als jede Ampel.

Eleganz findet sich manchmal dort, wo man sie am wenigsten vermutet. Etwa am Central, einem der meistfrequentierten Plätze der Stadt Zürich. Dort komme ich jeden Tag vorbei, wenn ich am Morgen zur Arbeit und abends wieder zurück nach Hause fahre.

Sechs Tram- und zwei Buslinien sowie unzählige Autos und Fussgänger passieren das Central täglich. Geregelt wird dieser Verkehrsfluss von jeweils fünf Verkehrspolizisten.

Stoppen und cool bleiben

Ich gehöre nicht zu der Sorte Menschen, die grundsätzlich Fan der Polizei sind. Aber diese «Polizeiassistenten», wie sie korrekt heissen, faszinieren mich: Eingepfercht im Verkehr, morgens und abends, stehen sie jeden Werktag da. Ohne ein Wort zu sagen, regeln sie den Verkehr.

Würde ein Ferrari mit 100 Stundenkilometer auf sie zurasen: Ich glaube, sie würden keinen Wank machen. Sie würden, wie immer, die rechte Hand, eingehüllt in einem weissen Handschuh, hochhalten und das Stoppzeichen geben. Ziemlich cool.

Da stehen sie noch immer

Zweimal am Tag fahre ich also an den Polizisten am Central vorbei. Unaufmerksame Autofahrer, fluchende Velokuriere und nervöse Fussgänger habe ich dort schon beobachtet. Dutzende Vorfälle, bei denen ich dachte: Es ist soweit, gleich werfen die Verkehrspolizisten den Bettel hin. Aber nichts da: Die Polizisten winken die hektischen Verkehrsteilnehmer stets unaufgeregt durch und lassen sich nicht beirren.

Augenmass statt Ampeln

Warum es diese eleganten Verkehrsregler mitten in der Stadt braucht, wird schnell klar: Der Verkehr mit Trams, Bussen, Autos und Velos ist am Central unübersichtlich. So unübersichtlich, dass man bis heute an einer technischen Lösung durch Ampeln tüftelt.

Nach einer vierjährigen Untersuchung kamen die Experten der Stadt Zürich zum Schluss: Alles bleibt Alten. Eben weil die Situation am Central tagtäglich so komplex ist, kann der Verkehrsfluss nur von Menschen geregelt werden. Die Technik ist schlicht überfordert.

Die geschmeidige, elegante Verkehrsregelung durch die Polizisten schlägt also den Rechner einer hochpotenten Verkehrszentrale. Diese Erkenntnis hat in heutigen Zeiten etwas Beruhigendes.

Weitere Beiträge der Sommerserie «Eleganz»:

Sendung: Kultur kompakt, 26. Juli 2016, 7.20 Uhr

Sommerserie: Eleganz

Eleganz im Alltag – wo erleben wir sie? Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von SRF 2 Kultur haben sich auf die Suche gemacht und sind an ganz unterschiedlichen Orten fündig geworden.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Severin Heck  (Selber denken und prüfen)
    Mit dem Begriff: 'Technik überfordert' müssen sie aufpassen. Alle Technischen Konzepte von der Bedienerschnittstelle, Ergonomie oder Sicherheitskonzepten zielen darauf ab auf das menschliche Wesen zugeschnitten zu sein. Technische Konzepte sind sehr viel weitreichender als das Gerät selbst. U.a. Geht es darum dem Nutzer möglichst viel Freiheit zu geben, Risiken technisch vermeiden und alles Juristische (nicht intuitive Vorgaben) zu vermeiden. (daher erzürnt die ViaSicura alle Techniker)
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  • Kommentar von Severin Heck  (Selber denken und prüfen)
    In vielen Ländern fährt man ganz anders als in der Schweiz. In der Schweiz nach Regeln und ein Riesen Geschrei und Streit! Anderswo ganz relaxed: Hat es Verkehr/Fussgänger fährt man langsam. Ist die Strasse leer gibt man Gas. Langsam im Quartier, schnell ausserorts und auf der Autobahn. Die Unfallstatistik gibt dieser Fahrweise recht. (Unfallkarte.ch) Juristisch abbilden kann man dies durch eine technisch übliche objektive Risikoanalyse. Dieser Ansatz dient allen. Dem Fussgänger und Auto.
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  • Kommentar von Severin Heck  (Selber denken und prüfen)
    Ich sage dem 'Social-Driving'. Das finden sie überall auf der Welt, ausser in der Schweiz. -Alle wollen an das Ziel und keiner will einen Unfall bauen. Und so verhält sich jeder. Die Menschen regeln es selbst. Das finden sie in Südeuropa genauso wie in Nordeuropa oder Asien. Sehr angenehm wenn man es mal verstanden hat. Ausser die Schweiz, die macht genau das Gegenteil. Noch mehr Regeln und Bussen. (=noch mehr Stress).
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