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Tipps von Fachpersonen Traumata begleiten: So können Sie Betroffene unterstützen

Heilt ein Trauma nicht, quält es weiter. Zwei Expertinnen zeigen, wie Angehörige und Laien helfen können.

70 Prozent aller Menschen erleiden im Leben mindestens ein Trauma. Der Durchschnitt aller Menschen sogar drei. Die allermeisten Traumata bewältigen wir aus eigener Kraft und dank eines guten Umfelds. Etwa das häufigste Trauma: den Verlust eines nahestehenden Menschen. Nicht verheilte Traumata jedoch melden sich immer und immer wieder. Das verursacht Stress bei den Traumatisierten selbst, aber auch bei ihren Mitmenschen.

Sensibilität entwickeln

Traumatisierte verhalten sich für ihre Mitwelt oft seltsam und unverständlich: Wie aus dem Nichts reagieren sie über oder ziehen sich zurück, häufig auch in eine Sucht. Dafür sensibel zu werden, sei der Schlüssel zum Umgang mit ihnen, sagt Gabriela Zindel. Die Fachberaterin für Psychotraumatologie beim christlichen Hilfswerk Agape bildet Laien weiter, die traumatisierte geflüchtete Menschen aus Kriegsgebieten begleiten möchten. Laien könnten das Wichtigste tun, nämlich «da sein» für Betroffene, erklärt sie.

Typische Verhaltensänderungen einer traumatisierten Person

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  • Rückzug und Absonderung
  • Negative Weltsicht und Vertrauensverlust in die Mitmenschen, ins Leben, in Gott
  • Suchterkrankungen
  • Geringe Stresstoleranz
  • Aggressionen gegen sich und andere
  • Lethargie und Müdigkeit
  • Lustlosigkeit und Aufgabe von Hobbys und Sozialkontakten
  • Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Depressionen, Herzprobleme
  • Flashbacks: Wiedererleben des traumatischen Ereignisses – Flashbacks bedeuten höchsten Stress, denn die Person empfindet Lebensgefahr und versucht, aus der sie triggernden Situation zu «fliehen»

Traumatisierte kann und soll man zu nichts drängen, betont Zindel. Aber man könne ihnen etwas anbieten, etwa so: «Ich mache einen Spaziergang ins Grüne, magst Du mich begleiten?» Oder: «Heute ist offenes Chorsingen; da freu’ ich mich schon drauf. Möchtest Du vielleicht mitkommen?» Und wenn das Gegenüber nicht will, solle man weder insistieren noch aufgeben, die Person zu aktivieren, rät Gabriele Zindel.

Man sollte zudem nicht beharren, zu erfahren, was der Person zugestossen ist, empfiehlt Zindel. «Man sollte niemanden drängen, seine Erlebnisse zu erzählen – das könnte eine Retraumatisierung auslösen», sagt sie.

Wege aus der Lähmung finden

Bewegung, rausgehen in die frische Natur, singen, vor allem im Chor, Meditation, künstlerisches Gestalten – das sind Aktivitäten, die medizinisch nachgewiesen Stress abbauen und zur Gesundheit beitragen.

«Allein schon, sich aufzurichten und nach oben zu schauen in den Himmel anstatt auf die Erde, wirkt positiv. Probieren Sie es selbst mal aus!», rät Gabriela Zindel in ihren Kursen.

Tipps zur emotionalen «Selbstregulierung» in Stressmomenten

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  • Richtig Luft holen: durch beruhigende Atemtechniken
  • Stress abschütteln: durch beruhigende Körperbewegungen
  • Beruhigung durch Meditation, Beten, Stille-Momente
  • Sich auf die eigenen Ressourcen besinnen
  • Singen, Malen, Rezitieren

Zindel warnt freiwillig Helfende dort vor Selbstüberforderung. Im Umgang mit traumatisierten Menschen gelte es, auch dem eigenen Stresspegel gegenüber sensibel zu bleiben.

Gewalttraumata gehen uns alle an

«Diese Arbeit hat gesellschaftspolitische Dimensionen», betont Dagmar Nolden, freiberufliche Traumapädagogin, Systematische Beraterin und Prozessbegleiterin.

Bei Menschen, die «austicken» oder sich «abnormal» verhalten, könnte immer auch ein Trauma dahinterstecken. Dafür müsse die Umwelt der Person Sensibilität entwickeln, etwa Lehrpersonen, Vorgesetzte, das Arbeitsteam, Freundeskreis und Angehörige.

Verständnis entwickeln

Dagmar Nolden berät auch Präventionsprojekte in Deutschland gegen Gewalt und Extremismus. Gerade bei Jugendlichen helfe es nicht, regelwidriges Verhalten einfach nur abzustrafen, meint sie. Sie zeigt das am Beispiel von Schülern, die Nazisymbole zeigten oder sich öffentlich mit Terrorgruppen solidarisierten.

Hier gelte es zu fragen, warum diese Jugendlichen das tun. Haben sie vielleicht selbst ein Trauma erlebt, sind selbst Diskriminierung oder Gewalt ausgesetzt?

Zwei Menschen halten sich an den Händen.
Legende: Sensibilität entwickeln, damit das Zusammenleben besser klappt – das zählt verstärkt in Trauma-Fällen und sicherlich auch sonst. Getty Images/Galina Zhigalova

Mit ein wenig Sensibilität und Empathie wird hier klar: Ein Mensch macht vielleicht «Probleme», weil er selbst Probleme hat.

Genau da wollen die Trauma- und Friedenspädagoginnen ansetzen. Und die betroffenen Menschen nicht allein lassen – zum Wohl der ganzen Gesellschaft.

Radio SRF 2 Kultur, Perspektiven, 15.3.2026, 8:30 Uhr

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