Trost und Glaubensfibel – 450 Jahre Heidelberger Katechismus

Die wichtigste Bekenntnisschrift der reformierten Christen wurde 1563 in der Kurpfalz verfasst. Bis heute bilden die 129 Fragen und Antworten ein wichtiges Handbuch zur Unterweisung für Christen auf der ganzen Welt. In der Schweiz gibt es Versuche, den christlichen Glauben neu zu formulieren.

Mehrere Ausgaben der Heidelberger Katechismus, deutsche und fremdsprachige, liegen auf einem Tisch angeordnet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Verschiedensprachige Ausgaben vom Heidelberger Katechismus. Aleida Siller, 2010

Alles was der Mensch wissen muss, um getrost durch Leben und Sterben zu gehen, das verspricht der Heidelberger Katechismus beizubringen. Dabei geht es um die evangelische Lehre von der Erlösung des Menschen durch Gott und wie dieser Mensch darauf reagieren sollte - nämlich dankbar.

Der Katechismus ist ein christliches Glaubenslehrbuch, übersichtlich in Fragen und Antworten gestaltet, im so genannten «Heidelberger» sind es 129. Reformierte Christinnen und Christen auf der ganzen Welt lernten und lernen sie bis heute. In der Schweiz sind diese vorformulierten Glaubenssätze weniger beliebt, hier hat die Bekenntnisfreiheit einen höheren Stellenwert.

Ein Kurfürst schreibt Theologiegeschichte

Heidelberger Katechismus

2:22 min, aus 100 Sekunden Wissen vom 18.01.2013

Der Heidelberger Katechismus wurde nicht von einem Theologen initiiert, sondern von Kurfürst Friedrich III. von der Kurpfalz. Der Kurfürst verfasste höchstpersönlich das Vorwort und war auch bei den redaktionellen Beratungen an der Universität Heidelberg dabei.

Heidelberg war um 1563 gerade zum neuen Zentrum evangelischer Theologie in Europa aufgestiegen. Einige Jahrzehnte nach der Reformation hatten sich verschiedene, sich teils bekämpfende Richtungen herausgebildet: Unter anderem  Lutheraner, Täufer und Zwinglianer. Der Kurfürst wünschte sich zu dieser Zeit einen evangelischen Katechismus, der alle Strömungen einen sollte. Ausserdem benötigte er ein Unterrichtsmittel in der neuen Lehre für das Kirchenvolk.

Der Autor des Heidelberger Katechismus

Portrait von Zacharias Ursinus. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Autor des Heidelberger Katechismus: Der Breslauer Theologe Zacharias Ursinus. Stadtarchiv / Museum Neustadt

Als Autor für den neuen Katechismus engagierte man den Breslauer Theologen Zacharias Ursinus (1534-83). Er kannte die unterschiedlichen Strömungen in der reformatorischen Theologie gut, denn er war in Wittenberg und Genf, bei Melanchthon und den Schweizern in die Lehre gegangen.

Der reformierte Katechismus

Zum anerkannt «reformierten» Katechismus machten - im Unterschied zum lutherischen Bekenntnis - den Heidelberger aber die Niederländer 1619 an ihrer Synode von Dordrecht. Drum gedenken auch die reformierten Niederländer dem Erscheinen des Heidelbergers.

Von den Niederlanden aus ging der Heidelberger Katechismus um die Welt: nach Südafrika, Amerika, bis nach Indonesien. Hier prägte er die Alltagsfrömmigkeit der Menschen, denn im Katechismus stehen auch Gebete, in manchen Ausgaben sogar Lieder und Andachten. So wurde der Heidelberger, ähnlich wie Luthers Katechismus, ein christliches Handbuch und ein spiritueller Begleiter durch das Jahr.

Was ist der evangelische Katechismus heute?

Gerade in der reformierten Schweiz gibt es derzeit Versuche, den christlichen Glauben neu zu formulieren.

Dabei stehen Texte wie der Heidelberger Katechismus und Calvins Schriften im Hintergrund. Deren Sprache und zum Teil auch deren Theologie sind von den Erfahrungen der Menschen heute meist sehr weit entfernt.

Als «neuen Heidelberger Katechismus» feierte unlängst die Schweizer Zeitschrift reformierte Presse das neue Buch vom Heidelberger Neutestamentler Gerd Theissen. Dies sei «ein anspruchsvolles Meditationsbuch für kritische Erwachsene», schreibt dort Rezensent Ulrich Luz und fügt an: «Wahrscheinlich kann man einen Katechismus heute nur noch so schreiben».

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