Unerzählte Biographien: Cherchez la femme!

«Cherchez la femme» oder, wie die Volksweisheit auf Deutsch heisst: «Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau», war das Leitmotiv in der Entwicklung und Produktion der Frauenfilmreihe der Sternstunde Kunst.

Haben die Kunst des 20. Jahrhunderts mit geprägt: Sophie Taeuber Arp, S. Corinna Bille, Meret Oppenheim und Manon. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Haben die Kunst des 20. Jahrhunderts mit geprägt: Sophie Taeuber Arp, S. Corinna Bille, Meret Oppenheim und Manon. Pro Litteris / SRF (COLLAGE)

«Cherchez la femme»: Bis heute wissen wir nicht, wie viele Arbeiten von Hans Arp gemeinsame Werke mit Sophie Taeuber sind, und erst wenig wissen wir über das Leben der Appenzellerin, die als erste Frau auf einer Schweizer Banknote abgebildet wurde. Seit 1995 ist ihr Porträt 42 Millionen Mal mitten unter uns – und blieb dennoch eine «bekannte Unbekannte». Marina Rumjanzewa hat Werk und Leben der Künstlerin, Tänzerin und Designerin filmisch aufgearbeitet.

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Filmreihe «Cherchez la femme»

Donnerstag, 7. November, 21.50, SRF 1
Die bekannte Unbekannte – Sophie Taeuber Arp

Sonntag, 10. November, 11.55, SRF 1
S. Corinna Bille – Das Schreibetier

Sonntag, 10. November, 23.20, SRF 1
Meret Oppenheim – Eine Surrealistin
auf eigenen Wegen

Sonntag, 17. November, 11.55, SRF 1
Manon – Glamour und Rebellion

Der Ehemann von S. Corinna Bille war der Schriftsteller Maurice Chappaz. Allerdings feierte die Walliser Schrifstellerin früher als er internationalen Erfolg und gewann für ihre Erzählung «La Demoiselle sauvage» 1974 den Prix Goncourt de la Nouvelle. Der Film von Eduard Erne und Regula Imboden gibt Einblick in ihr Schaffen, gefolgt von einem Gespräch zur Filmreihe mit der Literaturprofessorin Hildegard Elisabeth Keller. Darin wird auch Leben und Werk der Tessiner Schriftstellerin Alfonsina Storni besprochen, die vor 75 Jahren krebskrank ins Meer ging.

Hinter einem erfolgreichen Mann steht oft eine starke Frau – und wer steht hinter einer erfolgreichen Frau? Meist ebenfalls eine Frau und nicht selten die Grossmutter: Es war die Illustratorin und Frauenrechtlerin Lisa Wenger (1858–1941), heute bekannt für ihr Kinderbuch «Joggeli söll ga Birli schüttle», welche der jungen Meret von Anfang an den Rücken stärkte. Der Film «Meret Oppenheim – Eine Surrealistin auf eigenen Wegen» von Daniela Schmidt-Langels stellt das Werk dieser Künstlerin und Dichterin erstmals umfassendvor.

In den 1970er-Jahren war es die in St. Gallen aufgewachsene Künstlerin Manon, welche die Entwicklung der Performance-Kunst international mitprägte. Mit inszenierten Fotoserien oder Aktionen wie «Manon presents men» wühlt sie seit vierzig Jahren die (Kunst) Szene auf und fragt kontinuierlich nach individueller Freiheit und gesellschaftlich geprägten Rollen. Die Premiere des Porträtfilms von Lekha Sarkar ist fulminanter Schlusspunkt der Filmreihe.

Die vier Filme fokussieren Künstlerinnen, die alle eine wichtige Epoche des 20. Jahrhunderts mit geprägt haben: die Appenzellerin Sophie Taeuber Arp – als einziger «Schweizer Künstler» unter anderem den Dadaismus, die Baslerin und Wahl-Tessinerin Meret Oppenheim unter anderem den Surrealismus, die St. Galler Künstlerin Manon die Performance-Kunst und die Kunstform der Selbstinszenierung.

Weil auch in Dokumentarfilmen oft Männer im Zentrum stehen, bleibt die Frauenreihe der Sternstunde Kunst mit vier neuen Filmen dennoch nur ein erster Tropfen auf einen heissen Stein noch unerzählter Biographien – von herausragenden Pionierinnen, die in ihrer Zeit auch mutige Lebensentwürfe umgesetzt haben.

Natürlich gäbe es auch in anderen Bereichen zahlreiche unerzählte Frauenbiographien, etwa der ersten promovierten Schweizer Ärztin Marie-Heim-Vögtlin (1845 – 1916) oder der unbekannten Ökonomin und Wirtschaftsjournalistin Elsa Gasser-Pfau (1896-1967), welche die Migros massgeblich mitprägte, erstmals filmisch zu erzählen – à suivre!

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Beim Namen Sophie Taeuber-Arp kommen die Leute ins Grübeln

1:31 min, vom 29.12.2012