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Legende: Audio Asthma-Schutz dank Bauernhof-Mikroben abspielen. Laufzeit 06:00 Minuten.
Aus Wissenschaftsmagazin vom 22.06.2019.
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Urbaner «Bauernhof-Effekt» Mehr Dreck ins Kinderzimmer!

Macht euch die Stiefel schmutzig, sagen Forscher. Eine neue Studie zeigt: Bakterien aus dem Dreck schützen Stadtkinder vor Asthma.

Aus den sogenannten Bauernhofstudien wissen die Forscher: Wer als Kind viel im Kuhstall spielt, ist besser vor Allergien und Asthma geschützt als Stadtmenschen.

Jetzt zeigt eine Studie im Magazin «Nature»: Der Bauernhof-Effekt lässt sich auch auf Stadtwohnungen übertragen. Wenn dort viele typische Bauernhofmikroben vorkommen, entwickeln Kinder seltener Asthma.

Kuhstall-Bakterien bewahren vor Asthma

Entdeckt haben die Forscher diesen Zusammenhang, als sie die Bakteriengemeinschaften in 400 finnischen und 1000 deutschen Haushalten untersucht haben.

Die Bauernhofstudien

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Bereits in den 1980er-Jahren entdeckte der Schweizer Landarzt Markus Gassner, dass Bauernkinder seltener unter Allergien leiden als Stadtkinder.

Seitdem erforschen Wissenschaftler dieses Phänomen intensiv. Dabei haben sie schon in früheren Studien herausgefunden: Die Luft im Kuhstall und die Rohmilch, die Bauern oft trinken, verhindert Allergien.

Ausserdem wissen Forscher, dass Kinder, die schon als ganz kleine Babys immer mit im Kuhstall waren, am besten vor Heuschnupfen und Asthma geschützt sind.

Jetzt konnten Wissenschaftler aus der Schweiz gemeinsam mit internationalen Kollegen erstmals nachweisen, dass die Bakterien, die im Kuhstall vorkommen, auch Kinder in der Stadt vor Asthma schützen.

Dabei zeigte sich: Je mehr typische Mikroben vom Bauernhof in den Wohn- oder Schlafzimmern vorkommen, umso seltener entwickelten die dort lebenden Kinder Asthma.

«Damit ist der positive Effekt des Bauernhofs viel fassbarer geworden. Wir wissen jetzt, dass ein Bakterien-Cocktail wie im Kuhstall vor Asthma schützt», sagt Roger Lauener, Kinderarzt und Allergologe am Ostschweizer Kinderspital in St. Gallen und Co-Autor der Studie.

Legende: Video Aus dem Archiv: Keime stärken das Immunsystem abspielen. Laufzeit 00:41 Minuten.
Aus Puls vom 26.03.2012.

Schmutzige Strassenschuhe als Schutz

Warum sich in manchen Häusern und Wohnungen in der Stadt vermehrt solche Kuhstall-Mikroben ansiedeln, wissen die Forscher bislang nicht.

«Wir haben aber gesehen, dass diese Bakterien vor allem dort vorkommen, wo mehr Erde in die Wohnung getragen wird. Zum Beispiel, wenn die Menschen zuhause mit Strassenschuhen herumlaufen», sagt Co-Autor der Studie Pirkka Kirjavainen vom Nationalen Institut für Gesundheit und Soziales in Finnland.

Grosse Geschwister helfen

Auch Kinder mit grösseren Geschwistern waren in der Untersuchung besser vor Asthma geschützt. Das könnte daran liegen, dass sie öfter mit dreckigen Gummistiefeln oder anderem Schmutz in Berührung kommen, den die Geschwister in die Wohnung bringen.

Denn in der Gartenerde beispielsweise leben harmlose Mikroben, an die sich das körpereigene Abwehrsystem von Babys frühzeitig gewöhnt. Zum Beispiel, wenn die Kinder die Erde in den Mund nehmen.

So entwickelt das Abwehrsystem später keine Allergie gegen ungefährliche Bakterien, die beispielsweise im Hausstaub leben.

Walderde und Bakterienspray für Stadtkinder?

Um den Bauernhof-Effekt auch für Stadtmenschen nutzbar zu machen, versuchen die Forscher jetzt in Finnland, Erde aus dem Wald im Eingangsbereich von Stadtwohnungen oder Häusern zu platzieren. Über die Kleidung und Schuhe sollen die Bakterien aus dieser Erde in den Räumen verteilt werden.

Ob sich Bauernhof-Mikroben auf diesem Weg in Stadtwohnungen bringen lassen, muss sich aber erst noch zeigen, meint Pirkka Kirjavainen: «Die Studie läuft gerade noch. Es gibt auch die Idee, einen Nasenspray mit Bestandteilen von typischen Bauernhof-Bakterien zu entwickeln.»

Bis solche Sprays erhältlich sind, können Eltern aber viel selbst tun, um ihre Kinder vor Asthma und Allergien zu schützen, meint der Schweizer Kinderarzt Roger Lauener. «Lasst die Kinder im normalen Kontakt mit der Umwelt aufwachsen. Wenn sie im Sandkasten spielen, ist das bereits gesund für das Abwehrsystem.»

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