«Utopia»: Neue Reality-Show von Big-Brother-Erfinder John de Mol

Ein Strom- und ein Wasseranschluss, zwei Kühe, ein paar Hühner, ein Pre-Paid-Handy und ein kleiner Geldbetrag: Damit müssen die Teilnehmer der Reality-Show «Utopia» ihr neues Leben meistern.

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Trailer zur Fernsehshow «Utopia»

1:18 min, vom 27.12.2013

John de Mol will es noch einmal wissen. Der niederländische Fernsehunternehmer und Architekt von erfolgreichen TV-Formaten wie «Big Brother» oder «The Voice» will nächstes Jahr mit «Utopia» wieder einen Welterfolg landen. Diesmal sollen sich 15 Frauen und Männer auf einem verlassenen Kaserne-Terrain rund 30 Kilometer von Amsterdam ihre eigene Welt zusammenbasteln. Unter dem Motto «Schaut zu, wo ihr bleibt» werden die Teilnehmer an Neujahr auf diesem Niemandsland ausgesetzt. Ab dann ist die Gruppe für ihre eigenen Gesetze und Abmachungen verantwortlich. Und sie muss sich einig werden, wie sie zu Geld kommt, um das Überleben zu finanzieren.

Zwei Barracken, ein Stall, ein Wasserhahn

Ob es gelingt, das (demokratische) Paradies auf Erden zu erschaffen, wie es Thomas Morus in seinem Werk «Utopia» 1516 formulierte, oder ob Willkür und Tyrannei obsiegen, wird sich zeigen. Das Fernsehpublikum kann jedenfalls ab dem 6. Januar in täglichen 30-Minuten-Portionen auf dem niederländischen Privatsender SBS6 dabei zuschauen. Wer keine Lust hat, allabendlich eine Dosis Soap zu sich zu nehmen, kann rund um die Uhr auf der Website gucken, wie es den Utopia-Bewohnern ergeht.

Die zwei Holzbarracken in der TV-Show Utopia. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bis jetzt stehen auf dem Gelände der TV-Show «Utopia» erst zwei baufällige Barracken. SBS6

Bisher stehen auf dem betreffenden Areal einzig zwei baufällige Barracken sowie ein Stall für die beiden Kühe und die 30 Hühner. Daneben gibt es für die Gruppe nur einen einzigen Wasserhahn und einen Elektroanschluss. Von Toiletten, Betten oder einer Heizung können die Utopisten bloss träumen. Dafür wimmelt es überall von Kameras und Mikrofonen – wie für eine solche Fernsehshow üblich. Zum Konzept gehört ebenfalls, dass die Gruppe einmal pro Monat gemeinsam bestimmt, wer das Gelände verlassen muss und durch eine nächste Bewohnerin, einen nächsten Bewohner ersetzt wird.

4500 Bewerber für de Mols TV-Utopie

Hinter den Deichen sind Reality-Serien noch immer sehr beliebt; auch zwölf Jahre nach «Big Brother» gibt es keine Ermüdungserscheinungen. Um das kommende Jahr in Utopia bei Amsterdam zu verbringen, hätten sich 4500 Menschen beworben, erzählte John de Mol in einem Fernsehinterview. Knapp die Hälfte sei zu einer Vorstellungsrunde eingeladen worden. Mit den übrig gebliebenen 40 Personen habe er höchstpersönlich ein längeres Gespräch geführt: «Ich wollte wissen, was einen dazu treibt, an einem solchen Experiment mitzumachen.»

Zu den letzten 15, die das Rennen gemacht haben, gehören ein obdachloser Weltverbesserer, der seit Jahren bewusst auf Schuhe verzichtet, ein Kampfjetpilot, ein Arzt, ein Zahnarzt, ein Psychologe aber auch mehrere Handwerker sowie ein Unternehmer. Letzterer habe sich zum Ziel gesetzt, nach drei Monaten so viel Geld verdient zu haben, dass sich die Gruppe fünfzehn Ferraris und ein Schwimmbad leisten könne, erzählt der Erfinder des Konzepts.

Porträt von John de Mol Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Will mit «Utopia» an den Erfolg seiner TV-Shows «Big Brother» und «The Voice» anknüpfen: Fernsehproduzent John de Mol. Keystone

Konventionalstrafe für vorzeitige Aussteiger

Übrigens kommt der niederländische Zweig von SBS, an dem John de Mol finanziell beteiligt ist, für Wohnungsmiete, Versicherungen und andere feste Lasten der Kandidatinnen und Kandidaten auf. Dafür haben sich diese verpflichtet, die ganzen zwölf Monate auszuharren. Wer nicht weggestimmt wurde, sondern das Experiment frühzeitig verlassen will, muss eine saftige Konventionalstrafe bezahlen.

Der Bruder von Fernsehschätzchen Linda de Mol ist überzeugt, dass auch dieses Konzept ein Hit wird und die Utopisten sich ein lebenswertes, neues Zuhause erschaffen werden. Und falls die Gruppe ihr Utopia nicht mehr verlassen möchte, hat de Mol bereits einen Plan: «Dann fahren wir einfach weiter.»