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Person hält roten Herzballon vor türkisfarbener Ziegelwand.
Legende: Getty Images/Westend61

Valentinstag mal anders Tschüss, Schatz – Liebesgeständnisse jenseits der Paarbeziehung

Valentinstag kann man feiern oder demonstrativ ignorieren. Diese Texte sind für beide Lager. Denn auch Valentinstagsverächter haben, genau so wie frisch Verliebte, Liebe zu verschenken. Nur muss sie nicht zwingend in die romantische Zweierbeziehung fliessen. Wir haben in der Redaktion nachgefragt: Wofür brennst du? Wohin wandert deine Zuneigung? Sechs Liebesbeichten – ganz ohne Kitsch.

Mehr Liebe im Postfach

«You’ve got mail!» Millennials oder noch ältere Semester mögen sich sicherlich erinnern: Tom Hanks und Meg Ryan im romantischen Mail-Austausch (schmacht!). Heute sind Mails meist nicht herzerwärmend. Mails heisst: mehr Arbeit, Infos, die man lieber nicht empfangen hätte, oder Spam, den man sich beim Online-Shoppen auf dem Sofa selbst eingebrockt hat. Ich übertreibe – vielleicht. Aber Frage an Sie: Wie sieht Ihr Postfach aus? Meine Liebe fliesst deshalb in Mails. Aus Respekt zu meinen Mitmenschen, bilde ich mir ein.

Tom Hanks und Meg Ryan.
Legende: Arbeitsmails sind selten romantisch. 1998 aber sassen Joe und Kathleen (Tom Hanks und Meg Ryan) in «E-Mail für Dich» vor klobigen Bildschirmen – und machten aus Tastaturklappern Herzklopfen. AP Photo/Handout

Ist das Mail zu lang, kriegt der Empfänger die Krise (TL;DR). Ich kürze, kille Kommafehler, versuche – je nach Humor-Level des Empfängers – ein Witzchen zu platzieren. Oder am besten: Ich lasse Mails auch mal weg. Natürlich sind auch meine Mails nicht perfekt, mögen sich auch meine Empfängerinnen denken. Aber heute weiss man ja – merci Paartherapie – dass man an der Liebe auch arbeiten muss. Mein Votum zum Valentinstag: mehr Liebe für Mails. Klar, KI kann natürlich auch Mails. Aber ich bitte drum: Mensch, strengen Sie sich an – auch mir zuliebe. (Danja Nüesch)

Weltfrieden, frisch gespült 

«Da hätte doch noch ein Tellerchen reingepasst!» Der Geschirrspüler ist für das leider geräte-grundierte Leben von heute das, was die Waschmaschine für den ganzen Wohnblock ist: Es wird da gern Geschirr zerschlagen – auch im übertragenen Sinne. Roz Chast, die Cartoonistin, hat einmal zwei Heuschrecken gezeichnet, die sich über den Menschen an und für sich wundern. Caption: «Erst haben sie ein paar Mal Sex, dann streiten sie sich für den Rest ihres Lebens über den Geschirrspüler.»

Geöffnete Spülmaschine mit Geschirr und Besteck.
Legende: Problemzone Geschirrspüler: Er spült Teller und gleich mit die Harmonie. Deshalb: Zuständigkeiten klären, bevor das Besteck zur Beziehungswaffe wird. Getty images/Kseniya Ovchinnikova

Man kann, ich mache das tagtäglich, da also nicht genügend Liebe reinstecken, sogar nur für sich ganz allein! Warum nicht mit diesem Hintergedanken: Beginnt der Weltfrieden nicht ziemlich genau dort, wo ein Geschirrspüler steht? Ausräumen ist ja auch noch. (Stefan Gubser)

Chaos, aber bitte britisch

Wer mich kennt, weiss: Ich hab’s gerne ordentlich in den heimischen vier Wänden. Wehe dem liegengelassenen Comic zwischen Tür und Togo-Sessel! Aufgeräumt muss es sein, Krimskrams ist mir ein Graus. Und doch hege ich eine Faszination für das liebevolle Chaos, wie es in britischen Landhäusern zu finden ist. Nirgendwo sonst wird dies so zelebriert wie im Blog respektive Buch «The Bible of British Taste». Was für Welten sich darin erschliessen: Villen voller alter Gemälde, Porzellan-Plunder und ausgestopfter Tiere. Landgüter mit Tapeten so verblichen wie der Adel, der hier einst die nächste Shooting Party plante.

Auf Samtsofas stapeln sich Kissen, Kitsch und Krempel, liegen Barbour-Jacken, haaren Windhunde. So geht noble Entspanntheit. Der Griff zu dieser Bibel: ein lieb gewordener Eskapismus. Ja, Laissez-faire und Stil liessen sich durchaus verbinden, denke ich dann jeweils. Klappe das Buch zu und schiebe es, ganz akkurat, wieder ins Regal zurück. (Christian Schaub)

Eleganz ist, auch mal die Fresse zu halten

«Mode ist vergänglich, Eleganz ist ewig», sagte Valentino. Die Modewelt hat sich den Begriff gekrallt, dabei meint er etwas Grundsätzlicheres: Gewandtheit im Denken, Handeln, Auftreten. «Love it», denke ich oft dort, wo Eleganz leise bleibt. Wenn jemand in einer peinlichen Situation nicht erklärt, sondern handelt (Wein wegwischen, weitertrinken). Wenn etwas Schwieriges mühelos aussieht, obwohl es Arbeit war (stilvolle Mütter, ich sehe euch).

Valentino Garavani im Anzug vor glitzernden Kleidern im Hintergrund.
Legende: Valentino Garavani, Vater der italienischen Eleganz – bei ihm trug selbst Verzweiflung Seide. IMAGO / Avalon.red

Eleganz als Zurückhaltung: nicht alles sagen, nicht alles zeigen, nicht alles ausstellen. Daneben wirken Oversharing, Personal Branding und Erklärungsdrang wie das, was sie oft sind: ein Mangel an Gelassenheit. Eleganz beginnt dort, wo man merkt, dass jemand mehr könnte – und es trotzdem lässt. Ich erkenne sie sofort. Und vergesse sie erstaunlich oft, sobald ich selbst an der Reihe bin. (Ana Matijašević)

Ich koche, also liebe ich 

«Liebe geht durch den Magen» – ein Satz so oft serviert, dass man ihm längst keine Aufmerksamkeit mehr schenkt. Dabei geht es beim Kochen genau darum: um Aufmerksamkeit. In einer Welt, die pausenlos an uns zieht. Soll die hausgemachte Pasta gelingen, muss man ganz bei der Sache bleiben. Und während ich die Küche überall in Gries pflastere, damit die Tagliatelle ja nicht verkleben, schenke ich meinen Bekochten, und mir selbst, gleichzeitig Aufmerksamkeit. In Form von Zeit und Zuwendung.

Kochtopf mit Ravioli auf Herd.
Legende: Mein Credo lautet: Wer viel kocht, liebt viel. Wer zu viel kocht, liebt richtig. IMAGO / imagebroker

Zugleich hat Kochen etwas sehr Intimes. Ein realer «BeReal»-Moment sozusagen. Man gibt unwiderruflich etwas von sich preis, von seinem Geschmack und seinen Vorlieben. Ein echter Liebesbeweis. Ich koche, also liebe ich. Und wenn am Ende jemand anderes den Abwasch macht, ist das wohl Gegenliebe. (Julian Mintert)

Es hat geknistert

Ich habe eine geliebte Routine, über die ich kaum spreche. Nichts Anrüchiges – obwohl sie im Schlafzimmer stattfindet. Scrollen vor dem Einschlafen gilt als No-Go. Aber hier geht es darum, was wir lieben; nicht, was wir sollten oder müssten. Und ich liebe es, ASMR-Videos zu schauen: Frauen, die Mikrofone mit Pinseln streicheln, mir flüsternd von ihrem Tag erzählen, mit XXL-Nägeln auf Glas tippen oder in gezuckerte Marshmallows beissen.

Krrrrck. Tapp tapp. Glugg glugg. Es wird gekratzt, gebürstet, geschüttelt, gesprayt, geseufzt. Auf meiner Kopfhaut beginnt ein Kribbeln, das sich langsam ausbreitet. Wie wenn man ungestört minutenlang auf einer Sprudel-Liege im Wellnessbad liegen kann. Magisch. (Mara Schwab)

SRF 1, Treffpunkt, 13.02.2026, 10:03 Uhr; noes

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