Zum Inhalt springen

Header

Video
Adrian Daub – Die geheimen Vordenker des Silicon Valley
Aus Sternstunde Philosophie vom 29.08.2021.
abspielen
Inhalt

Visionäre von Silicon Valley Das sind die Gurus von Mark Zuckerberg und Konsorten

Think big! So lautet das Motto des Silicon Valley. Egal ob Steve Jobs, Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg: Die Anführer der digitalen Revolution verkörpern ein radikales, visionäres Denken.

Aber wo liegen die Wurzeln dieses Denkens? Wer sind die Vordenker der Tech-Visionäre? Adrian Daub, Literatur-Professor an der Universität Stanford, sieht drei Intellektuelle, die das Denken der Tech-Gurus prägen.

Adrian Daub

Adrian Daub

Literaturwissenschaftler

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Adrian Daub ist Professor für vergleichende Literaturwissenschaft und Germanistik an der Universität Stanford. In seinem Buch «Was das Valley denken nennt. Über die Ideologie der Techbranche» untersucht er das Denken im Silicon Valley, seine Ursprünge und Mythen.

Ayn Rand – Das Genie braucht keinen Staat

Die Literatin und Philosophin Ayn Rand ist für viele einflussreiche Figuren im Silicon Valley eine Art Prophetin. Der Apple-Gründer Steve Jobs berief sich auf sie, ebenso der Paypal-Gründer und Tech-Investor Peter Thiel, aber auch Travis Kalanick, der ehemalige CEO von Uber. Ayn Rands Buch «Atlas Shrugged» (1957) war lange Zeit das meistverkaufte Buch in den USA, gleich nach der Bibel.

Die Autorin plädiert in ihren Romanen und Abhandlungen für den Egoismus freier Individuen und wettert gegen den Staat. Laut Rand braucht es weder Steuern noch Arbeitslosengeld. Ein starker Staat verhindere die freie Entfaltung des Individuums, meinte die im Kommunismus aufgewachsene russische Jüdin, die später in die USA emigrierte.

Video
Ayn Rand – Für eine strikte Trennung von Staat und Wirtschaft
Aus Sternstunde Philosophie vom 29.08.2021.
abspielen

«Be your own boss». Mach dein Ding. Lass dir von niemandem etwas vorschreiben. Diese libertäre und elitäre Haltung ist im Silicon Valley weit verbreitet und speist sich oft aus dem Denken von Ayn Rand, einer Autorin, die vorzugsweise bereits im pubertären Alter gelesen wird.

Dass es im Silicon Valley zum guten Ton gehört, ein Studium abgebrochen und etablierten Institutionen den Rücken gekehrt zu haben – auch daran ist vermutlich Ayn Rand schuld.

Marshall McLuhan – Die Plattform macht's

«The medium is the message». Wer kennt ihn nicht, den so berühmten wie rätselhaften Spruch des kanadischen Medientheoretikers Marshall McLuhan. Bereits die kalifornischen Hippies der 1960er-Jahre zitierten McLuhan und hofften, neue Medien würden ein neues Bewusstsein schaffen.

Denn das war ja eine der Kernbotschaften des intellektuellen Popstars: Neue Technologien und Medien würden die Gesellschaft viel stärker verändern als das, was in diesen Medien berichtet und mitgeteilt wird.

Video
Marshall McLuhan – Neue Technologien verändern uns radikal
Aus Sternstunde Philosophie vom 29.08.2021.
abspielen

Der Buchdruck hat die Gesellschaft radikal verändert, ebenso wie das Internet. Facebook und WhatsApp verändern unsere Routinen und unser Denken – ganz egal, was wir auf diesen Kanälen kommunizieren. Die Plattform ist das eigentlich Revolutionäre, nicht der Inhalt. Diese Botschaft haben die Tech-Gurus im Silicon Valley verstanden und verinnerlicht.

René Girard – Wir wollen, was andere wollen

René Girard hat den sozialen Code des Menschen geknackt. Zumindest denken das seine Anhänger. Der 2015 verstorbene französische Kulturwissenschaftler und Professor in Stanford, René Girard, galt im Silicon Valley lange als Geheimtipp. Heute hat sein Denken einen beträchtlichen Einfluss.

Grund dafür ist der mächtige Tech-Investor Peter Thiel, der früh von Girards Denken fasziniert war, insbesondere von seiner «mimetischen Theorie».

Diese Theorie besagt, dass jedes Begehren des Menschen ein nachgeahmtes Begehren ist: Wir wollen etwas, weil andere es wollen. Das gilt für luxuriöse Autos wie für potenzielle Sexualpartner. Unsere Wünsche sind Kopien der Wünsche der anderen.

Video
René Girard – Der andere ist mein Feind
Aus Sternstunde Philosophie vom 29.08.2021.
abspielen

Soziale Netzwerke wie Facebook oder Empfehlungsplattformen wie Amazon haben diese Einsicht längst in Geld umgewandelt – denken wir an den Like-Button oder an bekannte Sätze wie: «Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch …» Dass dahinter ein französischer Professor steht, wissen die wenigsten.

Sternstunde Philosophie, SRF1, 29.8.2021, 12:00 Uhr

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Andreas Wiedler  (infonews)
    Das spannende dabei ist, dass das Silicon Valley und alle die darin arbeiten und leben, Opfer ihrer selbst geworden sind. Das System selbst hat sie versklavt. Sie können gar nicht mehr ohne ihre "Herren" existieren, bzw. haben gar keine Daseinsberechtigung mehr.
  • Kommentar von Christian Halter  (⌒o⌒)人(⌒-⌒)
    Naja, die Aussagen dieser Menschen basierend auf ihren persönlichen Erfahrungen 1:1 unreflektiert zu verallgemeinern finde ich nicht sinnvoll. 1. Ayn Rands Idee, aus dem Sovjet-Kommunismus stammend, würde beim Klimawandel vollkommen versagen, genauso bei Bildung für alle und würde zu Chancenungleichheit und im schlimmsten Fall zu sozialen Unruhen führen. 2. René Girards: wir begehren nicht (nur) weil andere es wollen, sondern weil es einfach gut ist, ausser man weiss selbst nicht was man will.
  • Kommentar von Timo Visscher  (RelevanceIsBehindTheEdge)
    Toller Beitrag. Bloss die Tonalität ist ein wenig zu positiv gewählt, Herr Daub ist ja durchaus ein starker Kritiker der Valley "Visionäre". Sehr empfehlenswert auch dessen Buch für alle interessierte. https://m.exlibris.ch/de/buecher-buch/deutschsprachige-buecher/adrian-daub/was-das-valley-denken-nennt/id/9783518127506