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Gesellschaft & Religion Warum der Gang zum Naturheiler gesünder wird

Eidgenössische Diplome sollen dafür sorgen, dass die Behandlungsqualität der Naturheilpraktiker und Komplementärtherapeuten steigt – und erste Beweise zeigen: Die Prüfungen sind keine Selbstläufer. 25 von 70 der angehenden Naturheilpraktiker fielen durch.

Eine Person liegt beim Arzt und hat eine Nadel an einem Akupunkturpunkt neben dem Knie.
Legende: Die traditionelle chinesische Medizin verwendet Akupunktur als mögliche Methode. Keystone
  • Wer sich heute als diplomierter Naturheilpraktiker ausweisen will, muss die neue entsprechende eidgenössische Prüfung bestanden haben.
  • Diplomierte Heiler verfügen über medizinisches Grundwissen, dass es ihnen erlaubt zu erkennen, ob ihre Behandlungsmethode die richtige ist. Leidet der Patient an einer schweren Krankheit wie Krebs, muss der Heiler den Patienten an einen Arzt weiterleiten.
  • Verschiedene Kantone wie Schaffhausen oder Graubünden haben bereits reagiert: Eine Zulassung zur Berufsausübung erhält nur, wer ein Diplom besitzt.

Welcher Naturheiler arbeitet sauber? Welchem geht es nur ums Geld? In der Vergangenheit hatte der Patient darüber keine Klarheit. Die neuen Diplome für Naturheilpraktiker und Komplementärtherapeuten ändern dies. Sie bringen für Patienten mehr Transparenz und Qualität.

Wer sich heute als diplomierter Naturheilpraktiker ausweisen will, muss die neue entsprechende eidgenössische Prüfung bestanden haben. Zur Prüfung zugelassen wird, wer eine vierjährige Ausbildung abgeschlossen und anschliessend zwei Jahre assistiert hat. Ein sogenannter Outputtest am Prüfungstag soll ausserdem garantieren, dass sich niemand durchschummelt, sagt Markus Senn, Präsident der Qualitätssicherungskommission des Dachverbands Alternativmedizin.

Hohe Durchfallquote beweist Qualität

Mitarbeiter des Staatsekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) überwachen das Einhalten des Prüfungsreglements vor Ort mit Stichproben. «Diese neue Diplomprüfung ist kein Selbstläufer», sagt SBFI-Sprecher Martin Fischer. Letzten November fanden die ersten Prüfungen für angehende Naturheilpraktiker statt, 25 von 70 fielen durch. Dieses Diplom bringe den Patienten garantiert mehr Behandlungsqualität, sagt Martin Fischer.

Diplomierte Heiler verfügen über medizinisches Grundwissen, dass es ihnen erlaubt zu erkennen, ob ihre Behandlungsmethode die richtige ist. Leidet der Patient an einer schweren Krankheit wie Krebs, muss der Heiler den Patienten an einen Arzt weiterleiten. Das Diplom definiert auch erstmals klar das Rollenverständnis der Heiler. Ein Rollenverständnis, dass das Wohl des Patienten im Zentrum sieht, sagt Markus Senn vom Dachverband der Alterativmediziner. Damit wird deutlich: Unnötige Behandlungen werden abnehmen, die Diagnosesicherheit nimmt zu.

Der Spreu wird vom Weizen getrennt

Verschiedene Kantone wie Schaffhausen oder Graubünden haben bereits reagiert: Eine Zulassung zur Berufsausübung erhält nur, wer ein Diplom besitzt. Viele weitere Kantone sind daran, die entsprechenden Verordnungen diesbezüglich abzuändern. Auch die Krankenkassen werden auf die neuen Diplome reagieren. Für Markus Senn ist klar, dass die Kassen längerfristig die diplomierten Heiler bevorzugen werden. Der Bundesrat will, dass in Zukunft komplementärtherapeutische und alternativmedizinische Leistungen von der Grundversicherung vergütet werden.

Auslöser für diese neuen Diplome war die Abstimmung 2009. Volk und Stände nahmen den Verfassungsartikel zur Besserstellung der Komplementärmedizin an. Die Umsetzung ist bis 2017 provisorisch geregelt. Die Methode der anthroposophischen Medizin, der Homöopathie, der Phytotherapie und der traditionell chinesischen Medizin wird vergütet, wenn der Therapeut über eine entsprechende Weiterbildung verfügt. In dieser Übergangsphase sollte geklärt werden, inwiefern die verschiedenen Therapien wirksam sind. Das Departement des Innern hat zwischenzeitlich festgehalten, dass sich die Wirksamkeit nicht beweisen lässt. Darum solle diese provisorische Regelung beibehalten werden.

Alternativmedizin

Umfasst 4 Fachrichtungen: Homöopathie, Ayurveda-Medizin, Chinesische Medizin, europäische Komplementärmedizin. Zur Heilbehandlung gehören auch hautverletzende Methoden oder die Abgabe von Medikamenten. Darum ist sie in gewissen Kantonen seit längerem bewilligungspflichtig. Patienten haben meist akute oder chronische Leiden.

Komplementärtherapie

Über 100 Methoden, von Aderlass über die Lichttherapie bis zu Wickeln. Therapeuten arbeiten ohne Medikamente. Sie setzen häufig auf die Aktivierung der eigenen Heilkräfte. Berührungen und Bewegung sind wichtige komplementärtherapeutische Instrumente.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Josef Benz, Wolfhalden AR
    Dass das Durchfallen durch eine Prüfung der Beweis sein soll, dass die Prüfung für den Patienten etwas bringt.. na ja, das ist mehr als fraglich. Wäre zwar schön, wenn man durch die HFP Gewissheit bekommen könnte...Mir fällt etwas anderes auf: dass der Papiertiger halt auch in der Schweiz unterwegs ist. Es wird mit oder ohne HFP Naturheilpraktiker/in geben, die Menschen helfen können, aber auch hier, leider bestimmt nicht immer.
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  • Kommentar von Ralf Wenaweser, Schaan
    Der Unterschied zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde liegt vor allem in der Betrachtung des Problems: die Schulmedizin bekämpft Krankheit A mit Medikament A und alles muss beweisbar/wiederholbar sein. Die Naturheilkunde geht davon aus, dass jeder Mensch in seinem Umfeld unterschiedlich ist, unterschiedlich reagiert und die Behandlung individuell anzupassen ist. Der Vorwurf der fehlenden Nachweisbarkeit des Erfolgs einer Therapie ist daher ein Witz - gut dass dies immer mehr verstanden wird.
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  • Kommentar von Ralf Wenaweser, Schaan
    Naturheilkunde ist seit mindestens 4'000 Jahren bekannt und hat sich in verschiedenen Kulturkreisen ähnlich entwickelt. China (TCM), Indien (Ayurveda), Europa - alle haben mit ähnlichen Mitteln, Prinzipien und Praktiken gearbeitet. Schulmedizin hat sich im Wesentlichen in den letzten 200 Jahren daraus entwickelt und viele glauben heute, dies sei die "einzige wahre Medizin" - wie naiv ^^ Beides hat seine Berechtigung, abhängig von der Krankheit/Verletzung und der Einstellung des Patienten.
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