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Gesellschaft & Religion Was wird am Zentrum für Islam an der Uni Freiburg gelehrt?

Anfang 2015 wurde das Schweizer Zentrum für Islam und Gesellschaft in Freiburg eröffnet. Nun hat die SVP eine Initiative angekündigt, um es wieder zu schliessen. Sie befürchtet, dass dort Intoleranz gelehrt und Imame ausgebildet würden. Doch darum geht es dem Zentrum gar nicht.

Koran auf Tisch.
Legende: Das Zentrum für Islam und Gesellschaft in Freiburg will Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit dem Islam bieten. Keystone

Kaum einen Monat offen, soll es schon wieder geschlossen werden: Das Schweizer Zentrum für Islam und Gesellschaft. Jedenfalls wenn es nach der Freiburger SVP geht. Sie will eine Volksinitiative einreichen, mit der die Kantonsverfassung so angepasst wird, dass das Zentrum geschlossen und überhaupt jede staatliche Ausbildung für Imame verunmöglicht wird.

Gläubige Muslime gefragt

Dabei geht es dem Zentrum gar nicht darum, Imame auszubilden. «Eine Imam-Ausbildung ist nicht geplant, diese liegt weiterhin in der Verantwortung der Religionsgemeinschaften», erklärt der Leiter Hansjörg Schmid. Ziel sei eine Auseinandersetzung mit dem Islam, mit Fokus auf den Islam in der Schweiz. «Es soll aber nicht nur über den Islam gesprochen werden, sondern Muslime selbst sollen ihre Religion reflektieren.»

Konkret heisst das: Es wird eine Vorlesung angeboten zu christlicher und islamischer Sozialethik mit dem Titel «Europa zwischen Wertegemeinschaft und Exklusionstopos. Erkundungen christlicher und islamischer Sozialethik». Andere Bereiche sind noch im Aufbau, wie etwa Weiterbildungen für Muslime und Nicht-Muslime.

Imame sollen sich im Zentrum über den Schweizer Kontext kundig machen können, während Nicht-Muslime mehr über den Islam erfahren. Gerade Menschen, die beruflich viel mit Muslimen zu tun haben, zum Beispiel im Gesundheitswesen, könnten davon profitieren.

Viel Aufmerksamkeit? Ja gerne!

Zudem soll in Zukunft auch ein Doktoratsprogramm angeboten werden. Das heisst, ein Dokotorand soll ein islamisch-theologisches Thema mit Bezug zur Schweiz erforschen und dazu eine Doktorarbeit verfassen. Viele Informationen dazu gibt es aber noch nicht, das Zentrum steht noch ganz am Anfang mit seiner Arbeit.

Durch den politischen Widerstand hat es jedoch viel Aufmerksamkeit erhalten. «Wir sehen es als Herausforderung, diese Fragen aufzugreifen, Informationen zu geben», erklärt Hansjörg Schmid. Das mediale Echo führe nicht zuletzt auch dazu, dass das Zentrum Anfragen von Personen erhalte, die sich für die Angebote interessieren würden. Hansjörg Schmid sieht die Kontroverse um das Zentrum deswegen positiv.

Auch der Bund ist dafür

Der SVP ist jedoch nicht nur eine mögliche Imam-Ausbildung ein Dorn im Auge, sie führt auch ins Feld, dass die Mehrheit des Kantonsparlaments das Zentrum abgelehnt hat. Der Vorstoss kam damals nicht durch, weil es laut Gesetz eine bestimmte Anzahl Stimmen gebraucht hätte, die nicht erreicht wurde.

Der politische Widerstand ist bis jetzt gescheitert. Die SVP bekämpft dieses Projekt wohl auch als Wahlkampfwerbung. Ansonsten ist das Zentrum für Islam und Gesellschaft breit abgestützt: Die Universität und der Bund, der das ganze Projekt initiiert hat, stehen weiterhin dahinter.

20 Kommentare

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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Die Muslime sollen dort leben , wo sie frei ihre Bräuche leben können, ich lebe hier und will unsere Bräuche frei leben , so einfach ist das . Ich gehe doch nicht in ein Muslimenland und will dort mit unseren Bräuchen leben . Da würden die Muslime mit Recht sagen , das befremdet uns - genau so befremden mich die Sitten der Muslime bei uns . Die Lehre daraus ist , entweder die Muslime gehen wieder zurück in ihre Muslimenheimat oder sie befolgen unsere Gesetze und Sitten ohne wenn und aber.
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  • Kommentar von V.Neukom, Thurgau
    Nicht-muslimische sollten mehr über den Islam erfahren, so steht es im Text geschrieben. Wunderbar! Wie wäre es, wenn die Muslime und auch in muslimischen Länder etwas mehr über das Christentum gelehrt würde, aber das ist eher unwahrscheinlich. Wir gelten doch als "ungläubige" und da liegt das ganze Problem. Wenn wir in ein fremdes Land gehen, Ferienhalber oder für immer müssen wir uns auch anpassen und als Gäste benehmen und das erwarte ich auch von allen Ausländern.
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  • Kommentar von Helmut Steigele, Glattfelden
    Bitte nachdenken: Nur jeder 20ste Muslim in der Schweiz ist ein praktizierender Muslim. Und unter diesen wirds vielleicht einer unter 100 sein, der mal austickt. Was mir vielmehr Gedanken macht ist der Zusammenhang, dass sich Islam und Gewalt dort treffen, wo Bildungsferne, Einkommensschwäche und Ausgrenzung zusammentreffen und auf diesem Nährboden dann die Gewalt losgeht (mit einer aus dem Islam herangezogenen Begründung). Bildung verhindert Gewalt!
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