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Weltbewegende Geschenke Der reiche Heilige: Der Schatz von San Gennaro

Auch Heilige werden mit Geschenken überhäuft. San Gennaro, der Stadtpatron von Neapel, hat in den letzten sieben Jahrhunderten einen Goldschatz angehäuft, der wertvoller ist als die Kronjuwelen der Queen.

Halskette des Heiligen San Gennaro
Legende: An der Halskette für San Gennaro beteiligten sich ein König, eine Königin und Napoleon. Keystone

San Gennaro, der heilige Januarius, wird in Neapel seit dem Mittelalter in jeder denkbaren Situation um Hilfe gebeten: Ob Vulkanausbrüche drohten, Pestepidemien oder Kriege – die Neapolitaner wandten sich stets an ihren Stadtpatron. Heute soll San Gennaro bei Arbeitslosigkeit, Familiendramen oder Niederlagen des heimischen Fussballclubs helfen.

San Gennaro war Bischof von Rom und wurde im 4. Jahrhundert von Kaiser Diokletian enthauptet. Seit seinem Tod wird das Blut des Märtyrers in Ampullen aufbewahrt. Zweimal im Jahr schwenkt sie der jeweils amtierende Bischof zum Gebet der Gemeinde, bis sich das vertrocknete Blut wieder verflüssigt.

Blutwunder oder pure Chemie?

In der Monstranz soll sich das eingetrocknete Blut San Gennaros befinden, das sich durch Schütteln wieder verflüssigt.
Legende: In der Monstranz soll sich das eingetrocknete Blut San Gennaros befinden, das sich durch Schütteln wieder verflüssigt. Keystone

Dass Forscher das «Wunder» für eine chemische Reaktion halten, stösst in Neapel auf taube Ohren. Und nicht nur da. Weltweit sollen 25 Millionen Menschen den populären Heiligen verehren.

Zu seinen Verehrern zählten jahrhundertelang auch Päpste, Kaiser und Adlige. Sie legten viele Kilometer zurück, um dem Märtyrer wertvolle Geschenke zu überbringen. Ihr Beweggrund: Sie wollten ihre Dankbarkeit ausdrücken und so ihren Familien den Schutz des Heiligen sichern.

Geschenk sogar von Napoleon

Der Schatz von San Gennaro lagert normalerweise schwer gesichert in einem Banksafe in Neapel. Zur Zeit ist er erstmals in einer Ausstellung in Rom zu bewundern. Heiligenstatuen, mit Edelsteinen verzierte Hostienbehälter, aus Gold- und Silberfäden gewobene Bischofsgewänder: Die Ausstellung zeigt eindrücklich, dass die Verehrer keine Kosten scheuten, um San Gennaro gütig zu stimmen.

Die prunkvolle Halskette, die im 17.Jahrhundert aus verschiedenen Gaben für die Büste des Heiligen zusammengestellt wurde, zählt zu den wertvollsten Schmuckstücken der Welt. Sie setzt sich unter anderem zusammen aus Geschenken des Bourbonenkönigs Karl, der Maria Karolina von Österreich – und von Napoleon: Sogar Bonaparte, der sonst nur plünderte, spendete dem Heiligen Gennaro ein Kreuz aus Diamanten und Smaragden.

Ein Schatz auch von künstlerischem Wert

Der Schatz von San Gennaro ist laut Edelstein-Experte Ciro Paolillo auch künstlerisch sehr bedeutend: «Die Kunstschätze geben uns einen Einblick in das Werk von neapolitanischen Goldschmieden, die ab dem 17. Jahrhundert die Goldschmiedekunst revolutionierten.» Die Goldschmiede hätten nicht mehr nur Edelsteine aneinandergereiht und die Farben wirken lassen; sie hätten erstmals dreidimensionale Schmuckstücke geschaffen und dazu Techniken entwickelt, die sich bis heute bewährten.

Eindrückliches Beispiel für solch meisterhaftes, filigranes Handwerk ist die goldene Mitra, mit der die Büste von San Gennaro im 18. Jahrhundert zur Prozession geschmückt wurde: Der Bischofshut ist mit 3326 Diamanten, 164 Rubinen, 198 Smaragden und zwei Granaten verziert.

Ein Schatz von unfassbarem Ausmass

Die Ausstellung in Rom zeigt insgesamt 70 Geschenke und damit einen Bruchteil des Schatzes. Anders als viele weltliche Schätze wurde der Schatz von San Gennaro nie geplündert und auch nie in Teilen verkauft. Er umfasst heute sage und schreibe 21‘630 Objekte.

Serie: Weltbewegende Geschenke

Zum Auftakt des neuen Jahres gehen wir auf Weltreise: SRF-Korrespondentinnen und -korrespondenten stellen besondere Geschenke vor, die Land und Leute bewegten: ein Hund, der das politische Image aufbessern soll, eine Buddha-Statue, die mitten in Lappland steht oder eine Giraffe, die Furore macht.

Link zum Artikel

Die Ausstellung im Palazzo Sciarra in Rom dauert noch bis 16. Februar 2014.

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