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Effektiver Altruismus Wie wähle ich einen Beruf, der die Welt besser macht?

Nicht nur in einem Hilfswerk kann man viel bewirken, sagen effektive Altruisten: Wichtig sei weniger, was man tut, sondern wie gut man darin ist.

Jemand wirft Geld in eine Spendenbox.
Legende: Wie viel kann ich mit meinem Beruf spenden? Auch das kann eine altruistische Frage sein. Keystone

Ob wegen Kriegen, Hungersnöten oder Epidemien: Viele Menschen auf der Welt leiden oder sterben frühzeitig. Was kann jeder einzelne dafür tun, so viel wie möglich von diesem Leid zu verhindern und die meisten Leben zu retten? Das ist die Frage, welche die sogenannten effektiven Altruisten bewegt.

Die Antwort lautet unter anderem: Man soll den richtigen Beruf ergreifen. Denn das Arbeitsleben eines Menschen dauert im Durchschnitt 80'000 Stunden – in denen wir Gutes tun könnten. Doch mit welchem Beruf erreichen wir das am besten?

Wer glaubt, als Tropenärztin, Entwicklungshelfer oder Mitarbeiter in einem Hilfswerk am meisten ausrichten zu können, liegt gemäss den effektiven Altruisten falsch, Link öffnet in einem neuen Fenster. Aus ihrer Sicht sind folgende Berufswege am besten geeignet, um möglichst viel Leid zu lindern:

Professionelles Spenden: Man wähle einen finanziell möglichst lukrativen Beruf. Nicht um reich zu werden, sondern um möglichst viel zu spenden.

Auf diese Weise kann man gleich mehrere Stellen für Ärztinnen- oder Entwicklungshelfer schaffen, die sonst nicht existiert hätten.

Forschung: Man wähle einen Beruf, in dem man neue Erkenntnisse erhält darüber, wo man am besten Geld investiert, um möglichst vielen Menschen zu helfen. Beispielsweise Entwicklungsökonomie.

Oder man forsche an neuen Therapien gegen Krankheiten, die viele Menschen betreffen. Damit schafft man die Grundlage, dass gleich mehrere Ärztinnen oder Entwicklungshelfer effektiver arbeiten können.

Kommunikation: Man wähle einen Beruf, in dem man andere Menschen überzeugen kann, sich nach den Kriterien des effektiven Altruismus einzusetzen oder direkte Hilfe zu leisten. Wenn man mehrere Personen davon überzeugen kann, vervielfacht man seine Wirkung.

Direktarbeit: Natürlich braucht es die Tropen-Ärztin, den sozial engagierten Politiker oder den Entwicklungshelfer auch. Doch hier ist es besonders wichtig, sich an Orten zu engagieren, wo es nur wenige kompetente Personen gibt. Wo man also möglichst wenig ersetzbar ist.

Kriterien für die Berufswahl

Doch wie weiss man, welchen dieser vier Berufswege man einschlagen soll? Der effektive Altruismus liefert vier Kriterien, die bei der Entscheidung helfen können:

Impact: Wie viel kann ich im entsprechenden Beruf erreichen? Wie vielen Menschen kann ich damit helfen, wie viele Menschenleben retten?

Arbeitszufriedenheit: Werde ich in diesem Beruf zufrieden sein? Das ist aus Sicht des effektiven Altruismus zentral, denn wenn ich unzufrieden werde oder gar ein Burn-out erlebe, beeinträchtigt das nicht nur mich, sondern die vielen Menschen, die von meiner Arbeit abhängig sind.

Karrierekapital: Werde ich es in meinem Beruf an die Spitze schaffen? Das ist gemäss effektiven Altruisten darum wichtig, weil ich damit mehr Einfluss habe und somit auch mehr bewirken kann.

Persönliche Eignung: Bin ich überhaupt gut in diesem Berufsfeld? Sonst droht eine Fehlinvestition, die nicht nur mich betrifft.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kontext, 27.01.2017, 9:02 Uhr

Effektiver Altruismus

Sie wollen helfen – und das möglichst optimal. Dazu stellen effektive Altruisten Kosten-Nutzen-Rechnungen an, wie man sie aus der Wirtschaft kennt. Der bekannteste Vertreter dieser Denkrichtung ist der Philosoph Peter Singer.

Umstrittene Ethik

Umstrittene Ethik
Legende: Keystone

Ein Beispiel

Der Informatiker Jonas Müller arbeitet für eine NGO in Schweden. Dann nimmt er eine Stelle in der Schweiz an, wo er mehr verdient und damit mehr spenden kann. Schliesslich wechselt er in die Finanzindustrie. Er verdient noch mehr – und spendet jetzt mehrere 10'000 Franken pro Jahr: «Ich schaue, was ich zum Leben brauche. Den Rest spende ich.»

2 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Jede/r ist für sein eigenes Verhalten verantwortlich. Man beginnt am besten immer bei sich, will man etwas bei andern verändern...und nicht zu vergessen, die Erwachsenen, sind die Vorbilder der Jungen.
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  • Kommentar von David Huber (dahu)
    Am Bsp. von J. Müller sehen wir auch schön die Probleme, welche diese Philosophie mit sich bringt. Mit seiner Arbeit in der Finanzindustrie stützt Jonas wahrscheinlich ein wenig altruistisches System (die dort durch ihn generierten Mittel dürften kaum nach seinen Wertvorstellungen eingesetzt werden). Ohne nun sagen zu können wie weit er für den Impact "seiner" Branche mitverantwortlich ist, scheint das Verhältnis von positivem und negativem Impact doch etwas zweifelhafter zu sein als gewünscht.
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