Wie sollen Schwellenländer ihr Altersproblem lösen?

Die Rückversicherung Swiss Re untersucht die steigende Lebenserwartung weltweit. Fazit: Die Schwellenländer stehen bald vor den gleichen Problemen wie Europa und Nordamerika. Wie sie zukünftig ihre Pensions- und Gesundheitskosten bezahlen können, bleibt eine grosse Frage.

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Bildlegende: Glück bis ins hohe Alter heisst: Immer länger zu leben, gesund und mit hoher Lebensqualität. Getty Images

Der Blick auf die Bevölkerungskarte der Uno von 2012 zeigt, dass in 33 Jahren in fast allen Ländern ein Viertel bis 30 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein werden. Die Ausnahmen sind Afrika und Südasien. Heute ist dies lediglich in Italien, Schweiz, Deutschland, Griechenland und Japan so.

Daniel Ryan leitet den Bereich Forschung und Entwicklung beim Rückversicherer Swiss Re. Er ist Mitglied des globalen Council for Aging des World Economic Forum, tauscht sich mit Forschern, mit Regierungen und Unternehmen auf der ganzen Welt aus.

Swiss Re gilt weltweit als einer der grössten Versicherer von Lebensrisiken. Der Schweizer Rückversicherer hat im ersten Quartal 2013 den Reingewinn für alle Geschäftssparten um 20,9 Prozent auf 1,38 Milliarden Dollar gesteigert. Die Haltung des Lebensversicherers zur steigenden Lebenserwartung überrascht: Swiss Re will vor allem die Chancen eines langen Lebens betont wissen.

Schwellenländer vor denselben Fragen?

Die aufstrebenden Länder in Asien und Südamerika werden sehr rasch vor denselben Aufgaben stehen, wie heute die Industriestaaten, ist Daniel Ryan überzeugt.

Entscheidende Faktoren für ein gesundes und gutes Leben bis ins hohe Alter seien auf der ganzen Welt dieselben: möglichst frühe Diagnosen, effektive medizinische Behandlungen, wobei die Hightec-Medizin eine geringere Rolle spielt. Und genügend Rückstellungen für die Renten in den Kassen der Staaten, der Unternehmen und jedes Einzelnen.

Wichtig: Ressourcen global intelligent einsetzen

Die besondere Herausforderung für die Länder in Asien und Südamerika liegt darin, dass die Bevölkerung schneller altert, als dass die Länder denselben Wohlstand erreichen, wie die Industriestaaten: «Wir müssen also sehr intelligent sein und die Ressourcen richtig einsetzen, wenn wir den Menschen dieser Ländern helfen wollen gesund zu altern», sagt der Head of Research & Developement der Swiss Re.

Wichtig sei es, die Mittel für die medizinische Grundversorgung einzusetzen, rechtzeitige Diagnosen von Infektionskrankheiten zu ermöglichen. In Asien gilt dem Kampf gegen Krankheiten wie Hepatitis C und Lebererkrankungen die volle Aufmerksamkeit, in andern Schwellenländern sind es Diabetes oder Übergewicht.

Ein gesundes Leben ohne Pensionsgrenze

Auch in finanzieller Hinsicht stünden die Industrie- und die Schwellenländer letztlich vor denselben Fragen. In China rechnen die Menschen heute noch damit mit 58 in Pension zu gehen und im Schnitt 31 Jahre weiter zu leben.

Daniel Ryan sieht letztlich nur drei Möglichkeiten als globale Gesellschaft mit der hohen Lebenserwartung umzugehen: entweder länger arbeiten, mehr für die Pensionskosten und die Gesundheitskosten bezahlen oder mehr Steuergelder an den Staat abgeben.

«Das Gleichgewicht in der finanziellen Absicherung zwischen Staat, Unternehmen und Individuum ist wichtig und zentral». Zu einem langen guten Leben gehört für den Chef des Swiss Re Bereichs «Leben und Gesundheit» ein Leben ohne exakte Pensionsgrenze.

Das ist der Abschied von der Idee, mit über 60 zu geniessen, was man bis dahin auf- und angespart hat: «Es braucht grossen politischen Druck für flexible, fliessende Lebens-Modelle». Denn das Interesse des Versicherers sei es mitzuwirken, dass möglichst viele Menschen, gesund und lange in der Mitte der Gesellschaft leben können, wenn möglich arbeitend.