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Männerwelt Architektur
Aus Kulturplatz vom 16.01.2019.
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Architektin Tilla Theus 50 Jahre erfolgreich in einer Männerdomäne

Die Bündnerin Tilla Theus ist eine erfolgreiche Architektin. Dafür musste sie von Beginn an mehr leisten als andere.

Tilla Theus macht Häuser zu Verbündeten. Aktuell restauriert die Architektin mit ihrem Team das historischen Gebäude der Bank Leu an der schicken Bahnhofstrasse in Zürich.

Dafür ist sie unterdessen berühmt: Theus holt geschichtsträchtige Gebäude mit Fantasie und Verstand ins Heute. In ihrer 50 Jahre langen Karriere als selbstständige Architektin hat sie zahlreiche Firmensitze ersonnen, Luxushotels restauriert und dem Weltfussballverband einen Hauptsitz gebaut.

Ihr erstes grosses Projekt: Das Altersheim von Mollis. Tilla Theus, damals 26 Jahre alt und frisch ab ETH, gewinnt den Wettbewerb im Kanton Glarus. Eine Sensation.

Was hat Tilla Theus gelernt in den fünf Jahrzehnten auf den unzähligen Baustellen, am Planungstisch und in all den Besprechungen? «Kompromisse eingehen», sagt sie. Das könne sie heute besser.

Mit dem Kopf durch die Wand

Früher habe sie mit ihrem «Bündner Grind» oft durch die Wand gewollt. Schon als Jugendliche musste sie für sich und ihre Träume einstehen. Ihr Vater, der Regierungsrat Arno Theus, wollte, dass seine Tochter die Handelsschule macht. Oder wenn schon ein Studium, dann Pharmazie – etwas «fraulicheres».

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Nur mit Zustimmung des Ehemanns
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Aber Tilla Theus interessierten Häuser, das Bauen, das Entwerfen. Der Vater verschaffte ihr ein Praktikum in einem angesehenen Zürcher Architekturbüro. Sein Ziel: Die Tochter sollte selbst merken, wie wenig sie für die Architektur geeignet ist.

Geschehen ist das Gegenteil: Tilla Theus überzeugt auf ganzer Linie, ist hoch begabt und motiviert. Als eine der wenigen Frauen studiert sie dann Mitte der 1960er-Jahre an der ETH Zürich.

Tiefer Frauenanteil im Studium

Damals sind nur acht Prozent der Studierenden am Departement weiblich. Inmitten der vielen männlichen Kommilitonen und Professoren erlernt die junge Bündnerin nicht nur Theorie und Handwerk des Berufs, sondern auch, sich unter Männern durchzusetzen.

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Der Zweitplatzierte kritisiert die Gewinnerin
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Bauhelm und Designermode

Tilla Theus ist eine Erscheinung. Neben der Architektur interessiert sie sich für Farben, Stoffe und Muster. Zum Bauhelm trägt sie Akris und Miyake. Auch deshalb wurde Tilla Theus zur Marke.

Als Frau ist sie in der obersten Liga der Architektur noch immer eine Exotin. Die Stars, die Marken der Branche, sind bis heute Männer.

Einer der Gründe dafür, so Theus: Frauen seien stärker aufs Projekt fokussiert, suchten eher Kompromisse, damit der Bau voranschreiten könne. Sie seien weniger interessiert daran, ihre Duftnote zu setzen.

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Die junge Frau und das Protokoll
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Leidenschaft ist Pflicht

Seit 50 Jahren arbeitet sie als selbstständige Architektin und ist als Frau in einer Männerdomäne höchst erfolgreich. «Ich habe gelernt, dass ich als Frau grundsätzlich mehr leisten muss, als meistens von Männern verlangt wird.»

Diesen Satz sagte die sie gegenüber der Zeitung Cash im Jahr 1993. Auch über 25 Jahre nach diesem Interview passt der Satz zu Tilla Theus. Wer diesen Beruf ergreift, muss das mit Haut und Haaren wollen. Diese Leidenschaft scheint bei ihr unerschöpflich.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Endlich mal ein Portrait über eine Frau, die weder Quoten noch Pseudo-Politik nötig hat, welche sich für sie empört. Sie hat sich ihren Erfolg redlich verdient, mit Fleiss, Kompetenz und Leidenschaft. Die ganze Zeit wird suggeriert, dass Männern alles geschenkt wird. Absoluter Blödsinn! Der Konkurrenzkampf ist auch unter Männern erbittert, wie überall in hochdotierten Branchen. Frauen müssen sich genauso beweisen und auszeichnen, genauso kämpfen wie die Männer. Klönen bringt da nichts.
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  • Kommentar von Silke Döding  (Nordlicht)
    Es hat sich auf dem Papier für die Frauen viiiiel geändert. Papier ist auch hier geduldig und die Männer tun so weiter werkeln, wie bisher. Pfui teufel, meine Herren! Wovor habt ihr eigentlich so eine Angst?!
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    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Vor Frauen, die nicht so genau wissen was sie machen und Behauptungen aufstellen, die eigentlich so nicht haltbar sind. Wenn man Erfolg haben will, so muss man viel leisten, mehr leisten als andere leisten können. Das ist bei die Frau genau gleich wie beim Mann. Man muss mehr leisten als andere um so sich über die Konkurrenz hinwegsetzen zu können. Daran scheitern oftmals nicht eben nur speziell die Frauen sondern auch Männer. Nur davon wird nie geredet und es ist kein Thema.
    2. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Wenn man erfolgreich sein will, muss man einfach mehr leisten als andere. Das ist so bei Männer und natürlich auch bei Frauen. Und "Versagensängste" kennen Männer aber auch Frauen gleichermassen. Ich denke daran wird sich nichts ändern.
  • Kommentar von Simon Oehler  (Shiva)
    Es liegt am Interesse der Frauen selber das Es wenig Architektinnen gibt!
    Die wege sind geebnet für Frauen oder Männer. Schliesslich haben wir nicht mehr 1993
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