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Eine Hand bedient den Laptop-Touchpad: Im Bildschirm ist das Wikidata-Logo eingeblendet.
Legende: Nicht schön, aber schön schlau: Wird Wikidata das bessere Wikipedia? Getty Images / Bildmontage SRF / Im Bildschirm: Wikidata Logo / Wikimedia Foundation / Planemad
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Mehr Wissen dank Wikidata? Der Nobody, der Wikipedia den Rang ablaufen könnte

Die neue Datenbank Wikidata soll Antworten auf Fragen finden, die Wikipedia nicht kennt. Noch ist die Suchfunktion komplex – doch das soll sich künftig ändern.

Vor 20 Jahren war revolutionär, wie Wikipedia geschrieben wurde: Über das damals noch neue Internet arbeiteten Freiwillige an unzähligen Artikeln. Entstanden ist so ein zuverlässiges Nachschlagewerk der Superlative. Allein die englische Ausgabe würde gedruckt mehr als 2'800 Bände umfassen.

Das Potenzial des Computers ausschöpfen

So eindrücklich diese Zahlen sind: Wikipedia bleibt eine Sammlung von einzelnen Artikeln.

Audio
Ein Gespräch mit Muriel Staub, Präsidentin Wikimedia Schweiz
aus Kontext vom 07.01.2021.
abspielen. Laufzeit 29 Minuten.

Zwar kann man in der digitalen Version nach Begriffen suchen, doch es gibt unzählige Fragen, die das Nachschlagewerk nicht beantworten kann. Zum Beispiel: Auf welchen Gemälden aus dem 17. Jahrhundert sind Holzblasinstrumente abgebildet?

Während Wikipedia aus einzelnen Artikeln – und somit aus Freitext besteht – ist Wikidata aus genormten Einträgen aufgebaut, die strengen Regeln folgen. Jeder Eintrag besteht aus zahlreichen einfachen Aussagen.

So wie der zu Johann Sebastian Bach, Link öffnet in einem neuen Fenster: Zuerst wird festgehalten, dass es sich um einen Menschen handelt. Danach werden die Vornamen aufgezählt, gefolgt vom Geburtsdatum und dem Geburtsort Eisenach, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Ein Link führt zum Wikidata-Eintrag dieser Stadt, der auch aus zahlreichen Aussagen besteht: etwa zur geografischen Lage 50°58'29"N, 10°19'28"E oder genauen Angaben zur Einwohnerzahl.

Für den Computer gemacht

Auf Menschen wirkt das staubtrocken. Maschinen aber finden dank dieser rigiden Struktur Antworten auf Fragen, die kein Nachschlagewerk liefern kann. So auch: Welchen Grossstädten der Welt steht eine Frau als Bürgermeisterin vor?

Ein Bildschirm auf der eine Liste zu sehen ist.
Legende: Wikidata kombiniert einzelne Einträge und findet die grössten Städte mit einer Bürgermeisterin. Getty Images / Bildmontage SRF / Im Bildschirm: Wikidata / Suchresultat

Die Antworten sind nur so zuverlässig wie die Daten in der Bank. Wie Wikipedia ist auch Wikidata für alle offen: Wer will, kann neue Objekte erfassen und mit bestehenden Angaben verlinken.

Bei einer Anfrage gibt es deshalb keine Garantie auf Vollständigkeit. Doch schon heute umfasst Wikidata mehr als 90 Millionen Einträge, ein Vielfaches der 6.2 Millionen Artikel in der englischsprachigen Wikipedia.

Zusammenarbeit mit den Profis

Neben interessierten Laien möchte Wikimedia vor allem auch mit Galerien, Bibliotheken, Archiven und Museen zusammenarbeiten. Das macht Sinn: Wenn alle grossen Museen der Welt ihre Bestände in der neuen Datenbank erfassen, hilft das nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch den Museen selbst, zum Beispiel beim Planen einer neuen Ausstellung.

Das New Yorker Metropolitan Museum of Art erfasst seit mehreren Jahren automatisiert Teile der Sammlung in der neuen Datenbank. Dabei hilft Bilderkennungssoftware bei der Beschreibung der Inhalte.

Schon heute kann man sich von Wikidata anzeigen lassen, wo auf der Welt welches Werk von Picasso zu finden ist.

Fragen ist (zu) kompliziert

Solche Fragen muss man in der Abfragesprache SPARQL formulieren – nicht nur für Laien eine grosse Hürde. SPARQL erinnert zwar auf den ersten Blick an die Sprache SQL, seit vier Jahrzehnten der Standard bei der Suche in konventionellen Datenbanken.

Doch um raffinierte Suchanfragen formulieren zu können, ist die Lernkurve bei SPARQL steil. Wikidata stellt darum dutzende Beispielfragen, Link öffnet in einem neuen Fenster zur Verfügung, die man auf die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Auch eine vereinfachte Suche ist in Arbeit.

Gelingt das und wächst die Datensammlung so schnell wie in den letzten Jahren, so ist es gut möglich, dass in 20 Jahren der Nobody Wikidata dem Star Wikipedia den Rang ablaufen wird.

Radio SRF 2 Kultur, Kontext, 8.1.2021, 9:03 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Gasser  (Markus Gasser)
    Normale Kreuzworträtsel sind mit Hilfe von "wikipedia" leicht zu lösen. Schwieriger zu lösen sind sog. Querdenker-Rätsel. Z:B. "Fragen" wie: "Etwa hier weniger, da mehr: weniger weder wurscht noch wumpe, mehr von disparater Art (6 Buchstaben) oder "Die fremde Bucht im Land vo Bia und Weisswuarscht (4 Buchstaben). Da muss man schon starke Vermutungen haben um dann gezielt die mögliche Lösung als Suchwort einzugeben.
    (s. Weltwoche Nr.1 2021 Seite 75.)
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  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    @srf: Weshalb heisst Wikidata einmal plötzlich Wikimedia ?
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    1. Antwort von Timon Zielonka  (zukunft.com)
      Wikimedia ist die Organisation, Wikidata das Produkt bzw. Programm.
  • Kommentar von Christian Halter  (⌒o⌒)人(⌒-⌒)
    Manuell erstellte Einträge (welche schnell veraltet und nicht mehr aktuell sind) werden Wikidata nie zum Erfolg führen. Machine Learning um News- und Internet-Artikel zu durchforsten werden Wikidata wohl sehr schnell als antiquierte von-Hand-geschriebene-Datenbank ablösen. Noch dazu wenn die Abfrage so unhandlich ist. Meine Voraussage: in max 10-20 Jahre wird das Teil durch etwas automatisiertes einfacher zu bedienendes ersetzt und kann gekübelt werden.
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    1. Antwort von Timon Zielonka  (zukunft.com)
      ... und vor allem kann wikidata für Prognosen verwendet werden. Zum Beispiel: wie hoch muss ein Bedingungsloses Grundeinkommen sein, damit es allen besser geht. Um derartiges zu schätzen, muss man derzeit sehr viele Daten zusammentragen. Vielleicht haben wir bei der nächsten Volksinitiative ein Tool, mit dem sich jeder seine Meinung auf Basis echter Daten überprüfen kann.
      Übrigens: das automatische Zusammentragen der Daten gibt es bereits. Man findet es unter dbpedia Interlinking.
    2. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Meinung sollte man nicht allein auf Grund von Daten bilden sondern um deren Wissen woher sie stammen und was sich aus ihnen grundsätzlich (noch) herauslesen lässt, wie repräsentative diesen Daten sind, etc.
      Wer nur Daten mit Grafik pimpt ist auch nur ein digitaler Schwätzer.
    3. Antwort von Timon Zielonka  (zukunft.com)
      @René Baron
      Genau deshalb ist in wikidata ja (hoffentlich) die Quelle verlinkt.